Brooks (Schiff)
Die Brooks (auch Brookes) war ein Vollschiff aus Liverpool mit insgesamt 319 Tonnen (297 tons burden) und gehörte den Sklavenhändlern Joseph Brooks Jr. (1746–1823) und James Jones. Sie lief 1781 in Liverpool vom Stapel und unternahm zwischen 1782 und 1804 als Sklavenschiff elf Sklaventransporte im atlantischen Dreieckshandel, wurde aber auch im Westindienhandel eingesetzt. Nach einer letzten Fahrt nach Montevideo wurde sie 1804 abgewrackt. Die Sklaven wurden meist in Kingston auf Jamaika verkauft.
Maße
Ein Vergleich mit 606 anderen Sklavenschiffen aus Liverpool, die zwischen 1782 und 1807 insgesamt 2.083 Reisen unternahmen, zeigt dass die Brooks ungewöhnlich groß war.[1] Das Schiff hatte eine legale Kapazität von 470 Sklaven.[2] Durchschnittlich transportierten britische Sklavenschiffe vor 1788 dagegen 259 Menschen.[1] Seit der Publizität der Abbildung scheinen die Eigner mehr auf die gesetzlichen Bestimmungen zur Beladung geachtet zu haben.
| Jahr | Anzahl Sklaven |
Reise-ID
(Slavevoyages.org) |
Hafen in Afrika | Zielhafen |
|---|---|---|---|---|
| 1782 | 650 | ID 80663 | Goldküste | Kingston |
| 1784 | 619 | ID 80664 | Anomabu | Kingston |
| 1785 | 740 | ID 80665 | Goldküste | Kingston |
| 1787 | 609 | ID 80666 | Goldküste | Kingston |
| 1792 | 432 | ID 80667 | Bonny | Dominica |
| 1793 | 450 | ID 80668 | Bonny | Montego Bay |
| 1797 | 453 | ID 80669 | Westl. Zentralafrika/St. Helena | St. Croix |
| 1798 | 487 | ID 80670 | Westl. Zentralafrika/St. Helena | Kingston |
Wie die Tabelle zeigt, wurden auf den vier Fahrten zwischen 1782 und 1787 deutlich mehr Sklaven transportiert, als der Slave Trade Act vom Juni 1788 (William Dolben’s Bill) erlauben würde.[2] Nach dem Dolbens Act durften britische Sklavenschiffe 1,4 Sklaven pro Tonne transportieren, wenn sie über 201 Tonnen überschritten, pro Tonne einen zusätzlichen Sklaven.[3] Die Sklaven waren damit so dicht gedrängt, dass sie nur auf der Seite liegen konnten[4], mit 0,56 m² (6 Quadratfuß) pro Person.[3] Zusätzlich waren die Männer aneinandergekettet, konnten sich also nicht umdrehen. Die zusätzliche Kapazität wurde oft dadurch geschaffen, dass man weitere provisorische Decks (Plattformen) einzog. Diese reduzierten die Höhe der Sklavendecks der Brooks auf unter 80 cm.
Abbildung
Kapitän Robert Parrey vermaß das Schiff im Juni 1788 im Auftrag des Privy Councils des britischen Unterhauses. Zu diesem Zeitpunkt waren keine Sklaven an Bord, aber die Einteilungen des Unterdecks („Räume“), die Männer, Frauen und Jungen trennten, waren an Ort und Stelle. Er sprach auch mit dem Kapitän und Mitgliedern der Besatzung und sah die Schiffspapiere ein.[5] Parrey vermaß insgesamt neun Schiffe verschiedener Größe.[6] Der Ausschuss fasste Parreys 43 Messungen der Brooks in einer Tabelle zusammen und stellte sie der Öffentlichkeit für weitere Debatten zur Verfügung.
Im Januar 1789 publizierte das Plymouth Committee der Society for Effecting the Abolition of the Slave Trade nach Unterlagen des Ausschusses einen idealisierten Plan des Schiffes, „Plan of an African Ship’s Lower Deck with Negroes in the Proportion of Only One to a Ton“, gedruckt von Trewman and Haydon in Plymouth[7], der in der Folge oft reproduziert wurde. Er gilt als die bekannteste, am meisten reproduzierte und am meisten adaptierte Abbildung der Bedingungen während des Transports von Sklaven in die neue Welt.[8]
Der Plan zeigt also die Ladekapazität des Schiffes, nicht die Belegung zu irgend einem konkreten Zeitpunkt. Der begleitende Text von William Elford (1749–1837) stellt diesen Zusammenhang klar dar und beschreibt auch die tatsächliche Beladung der Brooks.[5]
Die Sklavendecks der Brooks maßen 3.349 Quadratfuß (311 m²), und sie hatte 319 Tonnen, damit durfte sie 454 Sklaven laden, was jeden Sklaven 7 Fuß, 2 Zoll im Quadrat Fläche gewährt hätte. Die 470 Sklaven, 190 Männer, 183 Frauen, 70 Jungen und 27 Frauen[9] sind stilisiert dargestellt und nur durch Größe, die Ketten und äußere Geschlechtsmerkmale unterschieden. Der Zeichner, der das Schiff nie gesehen hatte[3], gaben Männern 6 Fuß × 16 Zoll Raum; Frauen 5 Fuß × 16 Zoll; Jungen 5 Fuß × 14 Zoll und Mädchen 4 Fuß und 6 Zoll × 12 Zoll. Der Zeichner ist unbekannt, es wird vermutet, dass es sich um William Elford handelte. Die Höhe des Decks betrug 5 Fuß und 8 Zoll.[7]
Bis 1790 entstanden mindestens sechs verschiedene Versionen dieser Zeichnung.[5] Die vom London Committee der Society for Effecting the Abolition of the Slave Trade im April 1789 publizierte „Description of a Slave Ship“ weist eine klarere Darstellung des Schiffes selbst auf. Die „New Society for Promoting the Abolition of Slavery“ in Pennsylvania publizierte im Mai 1789 eine Kopie der Abbildung durch Mathew Carey in den „American Museum Magazine“ in einem Artikel „Remarks on the Slave Trade“.[5] Der Abolitionist Thomas Clarkson publizierte die Abbildung der Brooks in seiner Schrift von 1808, „The History of the Rise, Progress, and Accomplishment of the Abolition of the African Slave-Trade“. Er ließ ferner 1790–1791 nach der Abbildung zwei Modelle der Brooks anfertigen, um sie in der Agitation gegen den Sklavenhandel einzusetzen. Er schenkte ein Modell an William Wilberforce, der es bei einer Parlamentsdebatte verwendete. Das andere erhielt der Comte de Mirabeau, als er diesen 1789 in Paris besuchte. Das Modell des Schiffes besteht aus Holz, Blei, Papier und Kork und ist im Wilberforce House Museum in Hull ausgestellt.[10]
Repräsentativität
Radburn und Eltis weisen darauf hin, dass die Einteilung britischer Sklavenschiffe einem rapiden Wandel unterworfen war und die Zeichnung lediglich den Zustand von Sklavenschiffen zwischen circa 1789 bis 1807 darstellt.[6]
Rezeption
2007, zum 200 jährigen Jubiläum des britischen Slave Trade Act 1807 wurden in mehreren Städten, unter anderem Durham, der Grundriss 1:1 auf den Boden gemalt, und Besucher der Ausstellung legten sich in die Position der Sklaven.[11] Der idealisierte Plan der Brooks wurde auch im National Museum of African American History and Culture des Smithsonian Museums in Washington ausgestellt.
Literatur
- Cheryl Finley, Committed to Memory: The Art of the Slave Ship Icon. Princeton, Princeton University Press 2018.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Nicholas Radburn, David Eltis: Visualizing the Middle Passage. Journal of Interdisciplinary History 49/4, 2019, 538.
- ↑ a b Nicholas Radburn, David Eltis: Visualizing the Middle Passage. Journal of Interdisciplinary History 49/4, 2019, 539.
- ↑ a b c Nicholas Radburn, David Eltis: Visualizing the Middle Passage. Journal of Interdisciplinary History 49/4, 2019, 540.
- ↑ Nicholas Radburn, David Eltis: Visualizing the Middle Passage. Journal of Interdisciplinary History 49/4, 2019, 541
- ↑ a b c d Cheryl Finley: Committed to Memory: The Art of the Slave Ship Icon. Princeton, Princeton University Press 2018, 19–55, digitale Version ohne Seitenzahlen
- ↑ a b Nicholas Radburn, David Eltis: Visualizing the Middle Passage. Journal of Interdisciplinary History 49/4, 2019, 537.
- ↑ a b Cheryl Finley: Committed to Memory: The Art of the Slave Ship Icon. Princeton, Princeton University Press 2018, 19.
- ↑ „the most famous, widely-reproduced, and widely-adapted image representing slave conditions on the middle passage ever made“, Marcus Wood, Blind Memory: Visual Representations of Slavery in England and America. New York 2000, 19–77; zitiert nach Nicholas Radburn, David Eltis: Visualizing the Middle Passage. Journal of Interdisciplinary History 49/4, 2019, 535.
- ↑ sic, vermutlich sind Mädchen gemeint; Nicholas Radburn, David Eltis: Visualizing the Middle Passage. Journal of Interdisciplinary History 49/4, 2019, 539, vgl. Cheryl Finley, Committed to Memory: The Art of the Slave Ship Icon. Princeton, Princeton University Press 2018, 19.
- ↑ The Brooks Ship, Hull Museums and Galleries, Inventarnummer KINCM:1982.347.
- ↑ Nicholas Radburn, David Eltis: Visualizing the Middle Passage. Journal of Interdisciplinary History 49/4, 2019, 534.