Brian Baatzsch

Brian Baatzsch (* 23. Oktober 1995 in Hildesheim) ist ein deutscher Politiker (SPD) und Politikwissenschaftler. Er gehört seit dem 8. November 2022 dem Niedersächsischen Landtag an und vertritt dort als direkt gewählter Abgeordneter den Wahlkreis 34.

Herkunft, Ausbildung und Privates

Baatzsch lebt im Stadtteil Lüdersen der Stadt Springe. Seine schulische Laufbahn begann er von 2002 bis 2006 an der Grundschule in Bennigsen. Anschließend besuchte er bis 2012 die Sophie-Scholl-Gesamtschule in Wennigsen, wo er im Realschulzweig den erweiterten Realschulabschluss erlangte. Danach wechselte er an die Marie-Curie-Schule in Ronnenberg, an der er 2015 erfolgreich das Abitur ablegte.

Nach dem Abitur war Baatzsch zunächst freiwillig Wehrdienstleistender und sammelte anschließend berufliche Erfahrungen in der Gastronomie, im Servicecenter und der Produktion. Im Jahr 2016 begann er ein Studium der Politikwissenschaft an der Leibniz Universität Hannover, das er 2022 mit dem Bachelor of Arts abschloss. Parallel dazu nahm er ab 2017 ein Studium der Rechtswissenschaften ebenfalls in Hannover auf. Um sein Studium weitgehend selbst zu finanzieren, arbeitete er während dieser Zeit in verschiedenen Bereichen und erwarb umfangreiche praktische Berufserfahrungen. Im Rahmen seiner akademischen Ausbildung absolvierte Baatzsch mehrere Praktika. Er war 2018 im Bundestagsbüro des SPD-Abgeordneten Matthias Miersch tätig. Im Jahr 2021 folgten weitere Praktika beim Amtsgericht und Landgericht Hildesheim sowie in der Niedersächsischen Staatskanzlei.

Abgeordneter

Im Vorfeld der niedersächsischen Landtagswahl 2022 setzte sich Baatzsch im parteiinternen Auswahlverfahren gegen die damalige Landtagsabgeordnete Kerstin Liebelt durch und wurde anschließend als Direktkandidat der SPD für den Wahlkreis 34 (Springe, Hemmingen, Ronnenberg, Wennigsen) nominiert.[1] Er verzichtete bewusst auf einen aussichtsreichen Listenplatz und konzentrierte sich vollständig auf das Direktmandat.[2] Während des Wahlkampfs besuchte er nach eigenen Angaben über 20.000 der rund 39.000 Haushalte im Wahlkreis und gewann das Direktmandat mit 35,3 Prozent der Stimmen deutlich vor der CDU-Kandidatin.[3]

Im Landtag ist Baatzsch Mitglied der Ausschüsse für Bundes- und Europaangelegenheiten, Rechts- und Verfassungsfragen sowie Medien. Zudem vertritt er seine Fraktion im Stiftungsbeirat der niedersächsischen Gedenkstätten und fungiert dort als Sprecher für Gedenkstättenarbeit. Seine politischen Schwerpunkte liegen in der Europa-, Rechts- und Verfassungspolitik. Von 2022 bis 2023 gehörte er außerdem dem Petitionsausschuss an und von 2022 bis 2025 dem Kulturausschuss des Niedersächsischen Landtags.[4]

Weitere politische Laufbahn

Baatzsch trat 2016 in die SPD ein und übernahm noch im selben Jahr den Vorsitz der Jusos Springe[5], den er bis 2019 innehatte. In dieser Funktion setzte er sich für die Gründung eines Jugendparlaments in der Stadt Springe ein.[6] 2018 wurde er zudem Mitglied im Vorstand des Juso‑Unterbezirk Region Hannover. Seit 2019 fungiert er als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Stadt Springe; zuvor leitete er von 2019 bis 2021 die SPD-Abteilung Lüdersen.[7]

Bei den niedersächsischen Kommunalwahlen 2021 wurde Baatzsch sowohl in den Rat der Stadt Springe als auch in die Regionsversammlung Region Hannover gewählt. In der Regionsversammlung war er von 2021 bis 2025 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion.[8] Im Rat der Stadt Springe führt er den Haushaltsausschuss.

Im September 2025 wurde Baatzsch von der SPD Stadt Springe mit klarer Mehrheit zum Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters der Stadt Springe gewählt.[9] In seiner Kandidatur betont er, dass er „eine Politik von unten“ anstrebe, die nicht von oben herab agiere, sondern Bürgerinnen und Bürger aktiv einbeziehe. Er sieht besonders dringlich die Stärkung der kommunalen Handlungsfähigkeit, eine effizientere Verwaltung sowie einen engeren Austausch zwischen Verwaltung und Einwohnern. Dabei macht er keinen Hehl aus Rücktritten und Fehlern innerhalb der Partei und spricht offen von einer „meiner schwersten Entscheidungen“, was seine eigene Kandidatur im Zeichen eines Neuanfangs stehen lasse.[10]

Kongress der Gemeinden und Regionen beim Europarat

Am 30. April 2024 entschied Niedersächsische Landesregierung, Baatzsch als Vertreter des Bundeslandes in den Kongress der Gemeinden und Regionen Europas (KGRE) beim Europarat zu entsenden.[11] Dort vertritt er gemeinsam mit 18 weiteren Delegierten die Bundesrepublik Deutschland und gehört der Fraktion der Sozialdemokraten, Sozialisten, Grünen und Progressiven an.[12] Er ist Mitglied des Ausschusses für soziale Inklusion.[13]

Im Oktober 2025 nahm Baatzsch als Wahlbeobachter an der Kommunalwahl in Nordmazedonien teil. Die Beobachtungsmission erfolgte im Auftrag des Kongresses der Gemeinden und Regionen Europas (KGRE), dessen deutscher Delegation er angehörte. Vom 16. bis 20. Oktober 2025 war er gemeinsam mit weiteren Delegierten aus verschiedenen Mitgliedsstaaten in mehreren Städten des Landes im Einsatz, um den Ablauf der Wahlen und die Einhaltung demokratischer Standards zu bewerten. In einem Interview mit der Neuen Deister-Zeitung berichtete Baatzsch von seinen Eindrücken und betonte die Bedeutung freier und fairer Wahlen für die Stabilität junger Demokratien wie Nordmazedonien. Der Europarat veröffentlichte im Anschluss einen Bericht, in dem die Mission den Wahlprozess als insgesamt transparent, aber mit Verbesserungspotenzial in organisatorischen Abläufen bewertete.[14]

Sonstiges

Von November 2021 bis Mai 2023 war Baatzsch Mitglied des Aufsichtsrats der Regiobus Hannover GmbH, einem kommunalen Nahverkehrsunternehmen der Region Hannover. Er engagiert sich darüber hinaus in mehreren Vereinen, Verbänden und Genossenschaften, darunter die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Lüdersen, das Eldagser Jägercorps von 1845 e. V., die Gelbe Hand e.V., die Industriegewerkschaft: Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., der Verein Springer Licht – Verein für kulturelle Aktivitäten, die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaften (Ver.Di) sowie als Genossenschaftsmitglied bei fairKauf eG und beim Dorf-Kultur-Erbe Altenhagen I.

Commons: Brian Baatzsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Liebelt verpasst Wiederaufstellung – Baatzsch ist neuer SPD Kandidat. Abgerufen am 16. Oktober 2024.
  2. LANDTAGSWAHL 2022: LANDESLISTE. In: SPD-BEZIRK HANNOVER. Abgerufen am 11. Oktober 2022.
  3. Springe (34). In: tagesschau. 11. Oktober 2022, abgerufen am 11. Oktober 2022.
  4. Brian Baatzsch | Landtag Niedersachsen. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
  5. Lebenslauf. Abgerufen am 16. Oktober 2024.
  6. Hannoversche Allgemeine Zeitung: JUso-Vorsitzender will Jugendparlament für Springe. 13. Mai 2018, abgerufen am 16. Oktober 2024.
  7. Generationswechsel an der SPD-Spitze. 5. Mai 2019, abgerufen am 16. Oktober 2024 (deutsch).
  8. Marita Scheffler: SPD-Regionsfraktion wählt neuen Vorstand: Brian Baatzsch aus Springe bleibt Stellvertreter. 15. Mai 2024, abgerufen am 16. Oktober 2024.
  9. Christian Zett: Nach SPD-Eklat in Springe: Wie Brian Baatzsch trotzdem Bürgermeister werden will. 20. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  10. Christian Zett: Warum will Brian Baatzsch doch Bürgermeister in Springe werden? Die überraschende Wende im SPD-Wahlkampf. 20. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
  11. Marita Scheffler: Brian Baatzsch aus Springe rückt in den Europa-Rat auf - als einziger Niedersachse. 1. Mai 2024, abgerufen am 16. Oktober 2024.
  12. Détail pays - Congress of Local and Regional Authorities - www.coe.int. Abgerufen am 16. Oktober 2024 (britisches Englisch).
  13. Détail commission - Congress of Local and Regional Authorities - www.coe.int. Abgerufen am 16. Oktober 2024 (britisches Englisch).
  14. Christian Zett: Was ein Springer als Wahlbeobachter in Nordmazedonien erlebte. 15. Oktober 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.