Braunkopf-Tropfenvogel
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Bettelnder Jungvogel des Braunkopf-Tropfenvogels im Mkhuze Game Reserve, Südafrika | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Nicator gularis | ||||||||||||
| Hartlaub & Finsch, 1870 |
Der Braunkopf-Tropfenvogel (Nicator gularis) ist eine von drei Arten der Tropfenvögel.
Merkmale
Der Braunkopf-Tropfenvogel erreicht eine Körperlänge von bis zu 23 cm. Oberseits ist er olivgrün mit auffälligen cremegelben Punkten auf den Flügeldecken und Armschwingen. Oberkopf und Ohrdecken sind verwaschen graubraun. Die Unterseite ist ebenfalls verwaschen graubraun, der Bauch etwas heller, der Steiß gelb.[1]
Rein äußerlich sind sich alle drei Tropfenvogelarten ziemlich ähnlich (siehe gemeinsame Merkmale aller Tropfenvögel) und der Braunkopf-Tropfenvogel ließe sich, abgesehen von seinen etwas dunkleren Wangen und dem deutlich dunkleren Scheitel, insbesondere nur schwer von dem Graukehl-Tropfenvogel unterscheiden. Da der Braunkopf-Tropfenvogel aber in seinem Verbreitungsgebiet die einzige Art der Tropfenvögel ist und auch einige ihrer Lautäußerungen sich unterscheiden lassen, gibt es im Feld dieses Problem nicht.
Stimme
Der Braunkopf-Tropfenvogel singt durch die Aneinanderreihung äußerst unterschiedlicher Laute. Weder die Taktung noch die Laute selbst noch deren Höhe scheint irgendwelchen Beschränkungen zu unterliegen – außer der, dass es sich fast ausschließlich um kurze schnell aufeinanderfolgende nicht wiederholte Klänge handelt. Bei manchen Individuen entfällt der Abstand zwischen den Lauten, so dass ein variabler Gesang entsteht.[2]
Verbreitung und Lebensraum
Der Braunkopf-Tropfenvogel bewohnt Wälder, Waldstücke und andere dicht bewachsene Lebensräume bis in Höhen von 1900 Metern.[1] Es gibt mehrere Populationen in Küstengebieten und im Landesinnern, die unterschiedliche Habitate bewohnen. Eine größere Population des Braunkopf-Tropfenvogels bewohnt die Ufer- und Küstenwälder Ostafrikas. Die Verbreitung reicht von südlich von Kenia und Tansania über Mosambik bis in den Norden von KwaZulu-Natal. Die Art ist südlich des Sambesi weit verbreitet und lebt landeinwärts von der Küstenebene entlang tiefliegender Täler des mittleren Sambesi-Einzugsgebietes (Luangwa, Mazowe und Shire) bis nach Kazungula im Westen. In Sambia scheinen zwei unterschiedliche Populationen zu leben, die unterschiedliche Habitate auf dem Hochplateau bevorzugen. Eine Population im Westen Sambias kommt in laubabwerfenden Baikiaea-Wäldern der Kalahari vor, die zweite Population im Mweru-Wantipa-Graben zwischen dem Mwerusee und dem Tanganjikasee. Nach White (1983) scheint die letztgenannte Population mit Dickicht (Itigi-Dickicht) im Mweru-Wantipa-Graben assoziiert zu sein.[3]
Lebensweise
Der Braunkopf-Tropfenvogel ernährt sich von Insekten und Raupen. Sein gewöhnlich gut verstecktes Nest ist flach, eher rudimentär, dreiecksähnlich und aus kräftigen Zweigen und Ranken. Das Gelege besteht aus ein bis vier Eiern von variabler Grundfarbe.[4]
Unterarten
Die Art wird als monotypisch betrachtet.[5] Nicator gularis phyllophilus Clancey, 1980[6] wird heute als Synonym zur Nominatform betrachtet.
Bestand und Gefährdung
Nach der IUCN gilt die Art als nicht gefährdet (least concern, LC). Ihr Verbreitungsgebiet ist extrem groß und ihr Populationstrend scheint stabil zu sein. Global wurde der Bestand zwar nicht bestimmt, im Süden Mosambiks wird er jedoch auf über 10.000 Vögel geschätzt (Fry und Keith 2004). Hinweise auf Rückgänge oder erhebliche Gefährdungen liegen nicht vor.[7]
Etymologie und Forschungsgeschichte
Die Erstbeschreibung des Braunkopf-Tropfenvogels erfolgte 1870 durch Gustav Hartlaub und Otto Finsch unter dem wissenschaftlichen Namen Nicator gularis. Das Typusexemplar wurde von John Kirk in der Gegend von Chupanga im Sambesigebiet gesammelt.[8] Im gleichen Artikel führten die Autoren die für die Wissenschaft neue Gattung Nicator ein.[9][A 1] Dieser Name leitet sich von »nikatōr, nikatoros, nikaō, nikē νικατωρ, νικατορος, νικαω, νικη« für »Eroberer, erobern, Sieg« ab.[10] Der Artname »gularis« ist lateinischen Ursprungs und bedeutet »von der Kehle« abgeleitet von »gular, gula« für »-kehlig, Kehle«.[11]
Literatur
- Phillip Alexander Clancey: Miscellaneous taxonomic notes on African birds LVI. In: Durban Museum Novitates. Band 12, Nr. 10, 1980, S. 129–136 (journals.co.za [PDF]).
- Otto Finsch, Gustav Hartlaub: Baron Carl Claus von der Decken's Reisen in Ost-Afrika: Die Vögel Ost-Afrikas. Band 4. C. F. Winter’sche Verlagshandlung, Leipzig, Heidelberg 1870 (biodiversitylibrary.org).
- James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
Weblinks
- Nicator gularis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2021.2. Eingestellt von: BirdLife International, 2017. Abgerufen am 9. September 2021.
- BirdLife International: Species Factsheet – Eastern Nicator (Nicator gularis). Abgerufen am 9. September 2021.
- Braunkopf-Tropfenvogel (Nicator gularis) auf eBird.org
- Braunkopf-Tropfenvogel (Nicator gularis) bei Avibase
- Nicator gularis im Integrated Taxonomic Information System (ITIS)
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Braunkopf-Tropfenvogel (Nicator gularis)
- Eastern Nicator (Nicator gularis) in der Encyclopedia of Life. (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ a b Terry Stevenson, John Fanshawe: Birds of East Africa: Kenya, Tanzania, Uganda, Rwanda, and Burundi. Helm Field Guides, ISBN 0-85661-079-8, S. 310.
- ↑ ebird bietet zahlreiche Beispiele für Lautäußerungen des Braunkopf-Tropfenvogels
- ↑ Fenton Peter David Cotterill (2006): Taxonomic status and conservation importance of the avifauna of Katanga (south-east Congo Basin) and its environs. In: Ostrich - Journal of African Ornithology 77, S. 1–21, doi:10.2989/00306520609485502. (Online)
- ↑ Stuart Keith, Emil K. Urban, C. Hilary Fry: The Birds of Africa, Volume 4. Academic Press, 2000, ISBN 978-1-47298-654-2, S. 483–485.
- ↑ IOC World bird list Nicators, Bearded Reedling, larks
- ↑ Phillip Alexander Clancey (1980), S. 132.
- ↑ Nicator gularis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2025.2. Eingestellt von: BirdLife International, 2017. Abgerufen am 18. Oktober 2025.
- ↑ Otto Finsch u. a. (1870), S. 360.
- ↑ Otto Finsch u. a. (1870), S. 359.
- ↑ James A. Jobling, S. 270.
- ↑ James A. Jobling, S. 181.
Anmerkungen
- ↑ Finsch und Hartlaub stellten den Graukehl-Tropfenvogel (Nicator chloris (Valenciennes, 1826)) und den Braunkopf-Tropfenvogel (Nicator gularis) in die neue Gattung.