Boxhagener Krönungsbahn
Die Boxhagener Krönungsbahn war eine 2,3 km lange Bahnstrecke im heutigen Stadtgebiet von Berlin, die vom Bahnhof Rummelsburg durch den damaligen Gutsbezirk Boxhagen an die Frankfurter Chaussee (heute Karl-Marx-Allee) führte. Die Bahnstrecke war einzig für den Empfang des von seiner Krönung in Königsberg am 22. Oktober 1861 zurückkehrenden Wilhelm I. verlegt worden.
Geschichte
Die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn endete in Berlin im Frankfurter Bahnhof und damit an keiner prominenten Einfallstraße zur Stadt. Ein festlicher Einzug des Königs in seine Hauptstadt musste nach damaliger Vorstellung aber durch ein Stadttor erfolgen. Der gekrönte und mit begleitender Familie nach Berlin zurückreisende König nutzte aber auch für die Rückreise die Bahn.
Um das protokollgerecht hinzubekommen, musste der König noch außerhalb von Berlin vom Zug in die Krönungskutsche umsteigen. Dafür wurden eine eigene Bahnstrecke und ein eigener Bahnhof angelegt. Der Bau erfolgte innerhalb von 14 Tagen. Das Baumaterial stellte die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn, die Baukosten und Entschädigung der Grundeigentümer trug die Stadt Berlin.[1]
Nach Abnahme der Strecke am 20. Oktober 1861 wurde sie mehrmals probeweise befahren. Die Krönungsbahn wurde einmalig für das Ereignis genutzt und anschließend wieder abgebaut.
Strecke und Bahnhof
Der Bahnhof lag auf der südlichen Seite der Frankfurter Chaussee und nördlich der Boxhagener Straße. Hierhin verlegte die Bahn durch damals unbebautes, für Gärten und Landwirtschaft genutztes Gelände eine 2,3 km lange, eingleisige, normalspurige Stichstrecke vom Bahnhof Rummelsburg entlang des Boxhagener Weges (heute: Boxhagener Straße) auf einem Damm.[2]
Die Strecke endete einige hundert Meter vor dem Frankfurter Tor.[Anm. 1] Hier lag der Bahnhof, der in amtlichen Fahrplanunterlagen Haltestelle an der Frankfurter Chaussee hieß, in dem Bereich südöstlich des heutigen U-Bahnhofs Frankfurter Tor, zwischen Frankfurter Chaussee und Boxhagener Weg.[3] Die Gleisanlage des Bahnhofs reichte über die Frankfurter Chaussee hinaus.
Empfangsgebäude
Das Empfangsgebäude war 9,5 m breit und 12,50 m lang. Es hatte zwei Säle für das königliche Paar, weiteren Räumen für Familie und Gefolge, einem Büfettsaal und Toilettenräume. Die von einem riesigen goldenen Adler bekrönte offene Empfangshalle hatte eine Höhe von 12 m, der Bahnsteig eine Länge von 38 m. Nach dem Ereignis wurde das Empfangsgebäude verkauft und kurz darauf abgebrochen. Das Mobiliar kaufte der König für sein Schloss Babelsberg an, wo es zum Andenken an das Ereignis aufgestellt wurde.[3]
Nutzung
Der Hofzug befuhr von Königsberg aus die Preußische Ostbahn und ab Frankfurt (Oder) die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn. Im Bahnhof Rummelsburg wurde die Lokomotive gewechselt und der Zug auf den Schutzwagen, einen Gepäckwagen, und zwei Salonwagen reduziert, um den extrem leichten Oberbau der Krönungsbahn sicher befahren zu können. Auf den letzten beiden Kilometern zog die Schlepptenderlokomotive Nr. 11 der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn (Borsig) den Zug. Der traf am 22. Oktober 1861 gegen 11:15 Uhr im Krönungsbahnhof ein. König und Königin wurden von Berliner Honoratioren begrüßt, nahmen im Empfangsgebäude einen Imbiss ein, stiegen dann in die Krönungskutsche um und hielten ihren Einzug in Berlin. Damit war das Ereignis abgeschlossen und der Zweck der Krönungsbahn erfüllt. Sie wurde alsbald abgebaut.[3]
Literatur
- Peter Bock, Alfred Gottwaldt: Regierungszüge. Salonwagen, Kaiserbahnhöfe und Staatsfahrten 1889–1989. GeraMond Verlag, München 2006, ISBN 3-7654-7070-8, S. 10–12.
- Sven Heinemann: Eisenbahnstrecke für einen Tag. Die Boxhagener Krönungsbahn von 1861. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter. 6/2017, S. 160–167.
Anmerkungen
- ↑ Das Frankfurter Tor befand sich im Bereich des heutigen U-Bahnhofs Weberwiese (Bock / Gottwaldt, S. 12).
Einzelnachweise
Koordinaten: 52° 30′ 55,5″ N, 13° 27′ 20,3″ O