Bornholmkanal

Bornholm- kanal
Zentrum des Bornholmkanals

Der Bornholmkanal, auch Bornholm-Kanal (engl. Bornholm Channel oder Bornholm Gat) ist eine der wichtigsten untermeerischen Verbindungsrinnen im südwestlichen Beckensystem der Ostsee. Er verläuft zwischen Rügen und Bornholm und stellt die hydrographische Hauptverbindung für den Tiefenwasseraustausch zwischen dem Arkonabecken im Westen und dem Bornholmbecken im Osten dar.[1]

Geographie und Topographie

Der Kanal verläuft südöstlich der dänischen Insel Bornholm und verbindet das vergleichsweise flache Arkonabecken (max. ~45 m) mit dem deutlich tieferen Bornholmbecken (max. ~95 m). Als tiefe Rinne weist er Tiefen von über 80 Metern auf und durchschneidet damit die unterseeische Schwelle zwischen diesen beiden Becken.[2]

Hydrographische Funktion

Der Bornholm-Kanal fungiert als primärer Transitkorridor für salzreiches Nordseewasser. Nachdem salzhaltiges Wasser die Darßer Schwelle überwunden und sich im Arkonabecken gesammelt hat, wird es als kompakter, bodennaher Strom durch den Bornholmkanal in das tiefere Bornholmbecken geleitet.[3] Die Strömung in der Rinne ist oft als barokliner Grenzstrom ausgeprägt, ein geostrophisch ausbalancierter, konzentrierter Tiefenwasserjet, der entlang des nördlichen Hangs des Kanals verläuft. Seine Antriebskraft ist der horizontale Dichteunterschied zwischen dem salzreicheren Wasser des Arkonabeckens und dem weniger salzigen Wasser des Bornholmbeckens.[4]

Ökologische Bedeutung

Während der seltenen, aber lebenswichtigen Salzwassereinbrüche (Major Baltic Inflows) ist der Kanal die entscheidende Eintrittspforte für sauerstoffreiches Wasser in die zentrale Ostsee. Die Effizienz, mit der das Wasser diesen Engpass passiert, bestimmt maßgeblich, ob ein Einbruch ausreicht, um nicht nur das Bornholmbecken, sondern auch die weiter östlich gelegenen Becken zu belüften.[5] In Phasen zwischen den Einbrüchen kann der Tiefenstrom im Kanal schwach oder sogar vorübergehend umgekehrt sein, was die Anfälligkeit des Systems für Stagnation unterstreicht.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Krauss (2001): Baltic Sea Circulation. In: Encyclopedia of Ocean Sciences. 2. Aufl., Elsevier 2011. Bd. 1, S. 288–298.
  2. Jüri Elken, Wolfgang Matthäus (2008): Kap. A.1.1, Baltic Sea Oceanography. In: The BACC Author Team (Hrsg.): Assessment of Climate Change for the Baltic Sea Basin. Berlin und Heidelberg 2008. ISBN 978-3-540-72785-9, S. 379–386. PDF
  3. H. U. Lass, V. Mohrholz (2003): On the dynamics and mixing of inflowing saltwater in the Arkona Sea. In: Journal of Geophysical Research: Oceans, Band 108, Ausgabe C2. DOI:10.1029/2002JC001465.
  4. Bengt Liljebladh, Anders Stigebrandt (1996): Observations of the deepwater flow into the Baltic Sea. In: Journal of Geophysical Research: Oceans, Band 101 (1996), Ausgabe C4, S. 8895–8911. DOI:10.1029/95JC03303.
  5. Wolfgang Matthäus, Herbert Franck (1992): Characteristics of major Baltic inflows – a statistical analysis. In: Continental Shelf Research, Band 12 (1992), Ausgabe 12, S. 1375–1400. DOI:10.1016/0278-4343(92)90060-W.