Bonaventura Poerio
Bonaventura Poerio OFMObs (* 3. Februar 1648 in Taverna; † 18. November 1722 in Salerno) war Generalminister der Franziskaner und Erzbischof von Salerno.
Leben
Bonaventura Poerio (latinisiert: Poerius) entstammte einer alten kalabresischen Feudalherrenfamilie, Patrizier von Taverna und Catanzaro. Ein Raimondo Poerio war 1518 Bischof von Belcastro, das auch Lehen der Familie war.
Er wurde am 3. Februar 1648 in Taverna in Kalabrien (Bistum Catanzaro) als Sohn von Cesare Poeri und Lucrezia Pallone geboren und auf die Namen Biagio Ottavio Annibale getauft. In den Orden der Franziskaner-Observanten eingetreten, nahm er den Namen Bonaventura an. Er lehrte Philosophie und Theologie im Kloster S. Francesco in Cosenza (1688 Lector jubilatus), war Visitator der Ordensprovinzen Rom, Bologna, Terra di Lavoro, Principato und S. Nicola di Bari, ferner Provinzdefinitor und Provinzial der kalabresischen Ordensprovinz, später auch Generalsekretär des Ordens.
1694 wurde er vom Generalkapitel in Vittoria zum Generalminister des gesamten Franziskanerordens proklamiert. Am 28. August 1694 ernannte ihn Papst Innozenz XII. zum Apostolischen Kommissar und Visitator für die Franziskanerklöster beiderlei Geschlechts. Als Generalminister blieb Poerio nur knapp vier Jahre im Amt. 1697 von König Karl II. von Spanien zum Metropolitanerzbischof von Salerno präsentiert, wurde er am 11. November 1697 von Innozenz XII. bestätigt und am 17. November 1697 in San Sebastiano in Rom von Kardinal Tanara zum Bischof geweiht. Drei Tage später empfing er das Pallium.
Gleich nach seiner Ankunft in der Diözese am 20. Januar 1698 begann er mit der ersten von zehn Visitationsreisen, die er im Laufe seiner 25-jährigen Tätigkeit als Bischof durchführen sollte. Diese Besuche ermöglichten es ihm, sich ein klares Bild von der spirituellen, wirtschaftlichen und demografischen Lage jeder einzelnen Pfarrei zu machen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.
Die Zahl der Synoden, die er in der Diözese abhielt, ist nicht bekannt. Bekannt ist jedoch, dass die von ihm betriebene Reform zur Wiederherstellung der kirchlichen Disziplin und zur Beseitigung von Missbräuchen ihm Anschuldigungen und Verleumdungen einbrachte. Poerio wurde beschuldigt, Bestallungen zum Erzpriester auch an Laien verkauft zu haben, gegen Entgelt die Erlaubnis zur Arbeit an Sonntagen erteilt zu haben, ungeeignete Personen zu Priestern erhoben zu haben und Pastoralbesuche ausschließlich gegen Bezahlung durchgeführt zu haben. In der formellen Untersuchung, die die Apostolische Nuntiatur in Neapel gegen ihn einleitete, bewies Poerio durch die Vorlage von Dokumenten seine Unschuld. Das Engagement und die Zeit, die er in seine Verteidigung investierte, hielten ihn nicht von seiner Arbeit ab: Er baute das Diözesanarchiv neu auf und ordnete es systematisch, und er kümmerte sich darum, die in der Vergangenheit durch Missbräuche in Unordnung geratenen Finanzen der Diözese wieder in Ordnung zu bringen.
Während der österreichischen Herrschaft im Königreich Neapel (1707–1734) nach dem Spanischen Erbfolgekrieg verteidigte Bischof Poerio die Rechte der Diözese sowohl vor den Gerichten des Heiligen Stuhls als auch gegenüber königlichen Ministern. Er förderte und unterstützte geistliche Zentren und religiöse Häuser sowohl in der Stadt als auch in der Diözese, vor allem das Priesterseminar. Besonders verbunden mit seinem Namen ist der Wiederaufbau der 1688 durch ein schweres Erdbeben zerstörten Kathedrale von Salerno, zu dessen Finanzierung er persönlich tausend Dukaten beitrug. Der Bürgermeister und die gewählten Beamten sowie der Klerus und einige Adlige der Stadt folgten seinem Beispiel. Das benötigte Holz ließ er aus seiner Heimat Kalabrien kommen.
Sein Grab ließ er in der St.-Anna-Kapelle (heute Herz-Jesu-Kapelle) errichten, erlebte aber die Fertigstellung seiner Kathedrale nicht mehr. Er starb am 18. November 1722 in Salerno.
Literatur
- Leonardo Calabretta: Le diocesi di Squillace e Catanzaro. Cardinali, Arcivescovi e Vescovi nati nelle due diocesi. Luigi Pellegrini, Cosenza, 2004, S. 179
- Martin Papenheim: Karrieren in der Kirche: Bischöfe in Nord- und Süditalien 1676–1903. Max Niemeyer Verlag, 2001, S. 377
- Remigius Ritzler, Pirminus Sefrin: Hierarchia catholica medii et recentioris aevi. Vol. V. Patavii: Messagero di S. Antonio, 1952. S. 340
Weblinks
- Eintrag zu Bonaventura Poerio auf catholic-hierarchy.org (englisch)