Bombardierung von Papeete
| Bombardierung von Papeete | |||||||||||||||||
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| Teil von: Erster Weltkrieg (Seekrieg und Erster Weltkrieg außerhalb Europas) | |||||||||||||||||
Von den Schiffen der Kaiserlichen Marine angerichtete Zerstörungen in Papeete (1914). | |||||||||||||||||
| Datum | 22. September 1914 | ||||||||||||||||
| Ort | Papeete, Tahiti, Pazifik | ||||||||||||||||
| Ausgang | deutscher Sieg | ||||||||||||||||
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Die Bombardierung von Papeete fand am 22. September 1914 im Ersten Weltkrieg in Französisch-Polynesien statt, als deutsche Kriegsschiffe die Hafenstadt angriffen. Die deutschen Panzerkreuzer Scharnhorst und Gneisenau als Teil des deutschen Ostasiengeschwaders drangen in den Hafen von Papeete auf der Insel Tahiti ein. Französische Küstenbatterien und das Kanonenboot Zélée leisteten Widerstand gegen den deutschen Angriff, waren aber unterlegen. Das Hauptziel der Deutschen war die Eroberung der auf der Insel gelagerten Kohlevorräte, die jedoch von den Franzosen zu Beginn des Gefechts zerstört wurden.[5] Die deutschen Schiffe blieben unbeschädigt, die Franzosen verloren das Kanonenboot und ein Frachtschiff. Mehrere Gebäude in Papeete wurden zerstört, und die Wirtschaft der Stadt wurde schwer getroffen. Die wichtigste strategische Folge des Gefechts war die Bekanntgabe des Standorts der Kreuzer. Dieses Wissen nutzte die britische Admiralität, um das Geschwader in der Seeschlacht von Coronel zu stellen, was allerdings dazu führte, dass das nun vereinigte deutsche Ostasiengeschwader das Geschwader der Royal Navy besiegte. Der hohe Munitionsverbrauch von Scharnhorst und Gneisenau vor Papeete und bei Coronel trug letztlich weiterhin zu ihrer späteren Zerstörung in der Schlacht bei den Falklandinseln bei.
Hintergrund
Die Nachricht vom Krieg erreichte Admiral Maximilian von Spee vom deutschen Ostasiengeschwader während seines Aufenthalts in Ponape vom 17. Juli bis zum 6. August. Er konzentrierte sein Geschwader zunächst bei der nahegelegenen Marianeninsel Pagan und ging anschließend mit den Panzerkreuzern SMS Scharnhorst, seinem Flaggschiff, und Gneisenau der Scharnhorst-Klasse, dem Kleinen Kreuzer SMS Nürnberg der Königsberg-Klasse, dem Hilfsschiff SMS Titania und mehreren Kohlefrachtern in den Pazifik. Nürnberg und Titania wurden zur Aufklärung nach Hawaii und zum Angriff auf die Kabelstation auf Fanning Island entsandt.[6] Spee erfuhr daraufhin, dass australische und neuseeländische Streitkräfte Deutsch-Samoa erobert hatten, und beorderte Scharnhorst und Gneisenau dorthin, um die anzutreffenden alliierten Streitkräfte anzugreifen. Nachdem es ihnen nicht gelungen war, die Samoa-Expeditionsstreitmacht vor Apia abzufangen und sie seit dem Verlassen der Insel Pagan keine Kampfhandlungen mehr erlebt hatten, waren die Männer von Spees Panzerkreuzern begierig darauf, dem Feind im Kampf zu begegnen.[7] Spee beschloss, auf dem Weg zum Treffen mit dem Rest seines Geschwaders auf der Osterinsel Papeete auf Tahiti anzugreifen. Ihm war bekannt, dass die Franzosen über 5.000 Tonnen hochwertige sog. Cardiff-Kohle im Hafen gebunkert hatten, und Spee hoffte, die Kohle für seine eigenen Vorräte erbeuten zu können.
Außerdem beabsichtigte Spee, so viele alliierte Schiffe wie möglich im Hafen zu zerstören, und glaubte, der Angriff würde die Moral seiner Untergebenen stärken. Spee plante, vor der Weiterfahrt nach Papeete Kohle auf dem Suwarrow-Atoll aufzunehmen, wurde jedoch durch schlechtes Wetter daran gehindert.[1] Stattdessen beschloss Spee, mit Scharnhorst und Gneisenau nach Bora Bora zu fahren und dort Vorräte aufzunehmen, während Nürnberg und Titania nach Nuku Hiva entsandt wurden, um die Kohlefrachter des Geschwaders zu bewachen. Der deutsche Admiral beabsichtigte, die Identität seiner Schiffe geheim zu halten, indem er sie als französische Schiffe tarnte, französische Flaggen hissen ließ und nur französisch- und englischsprachigen Besatzungsmitgliedern den Kontakt zu den anwesenden Franzosen gestattete.[5] Spee konnte seine Lebensmittelvorräte auffüllen und mit Gold bezahlen, das Titania und Nürnberg bei ihrem Angriff auf Fanning erbeutet hatten. Weiterhin gelang es ihm, die Stärke des französischen Militärs in der Region sowie die genaue Größe und Lage der Kohlehalden bei Papeete zu ermitteln.[8][9] Die Franzosen hatten bei Papeete keine starke Verteidigung, waren aber gewarnt worden, dass Spees Geschwader Tahiti angreifen könnte, als das deutsche Geschwader vor Samoa gesichtet worden war. Obwohl Papeete die Hauptstadt der französischen Kolonien in Ozeanien war, hatte die Stadt sich bis 1914 zu einer vernachlässigten Kolonialstadt entwickelt, die nicht über eine Funkstation verfügte und deren Garnison lediglich aus 25 Kolonialinfanteristen und 20 Gendarmen bestand.[9] Um die Verteidigung der Stadt zu verstärken, ließ Leutnant Maxime Destremau – Kommandant des alten Kanonenboots mit Holzrumpf Zélée und ranghöchster Offizier in Papeete – das 100-mm-Heckgeschütz sowie alle 65-mm- und 37-mm-Geschütze seines Schiffes entfernen und an Land bringen, um dort die veralteten Landbatterien Papeetes zu ersetzen.[5] Mehrere Ford-Lkw wurden zu provisorischen Panzerfahrzeugen umgebaut, indem man die 37-mm-Geschütze der Zélée darauf montierte, und 160 Matrosen und Marinesoldaten wurden ausgebildet, um einen möglichen deutschen Landungsversuch abzuwehren.[4] Auf der Zélée verblieben lediglich das 100-mm-Buggeschütz und zehn Mann unter dem Kommando des Ersten Offiziers an Bord.[10] Neben dem Kanonenboot und den Hafenbefestigungen verfügten die Franzosen in Papeete auch über den unbewaffneten deutschen Frachter Walküre, der zu Kriegsbeginn von Zélée als Prise erbeutet worden war.[3] Trotz der französischen Vorbereitungen waren die beiden deutschen Kreuzer den Streitkräften, die Destremau in Papeete befehligte, deutlich überlegen. Sowohl Scharnhorst als auch Gneisenau waren Zélée waffentechnisch weit überlegen: Jedes Schiff war mit acht 210-mm-Geschützen, sechs 150-mm-Geschützen, achtzehn 88-mm-Geschützen und vier Torpedorohren bewaffnet. Auch die Streitkräfte Spees waren den Franzosen zahlenmäßig überlegen: Über 1.500 Seeleute befanden sich an Bord ihrer Schiffe – mehr als genug, um eine Landungstruppe zu bilden und die Streitkräfte Destremaus zu überwältigen.[11]
Die Schlacht
Am 22. September 1914 um 7:00 Uhr sichteten die Franzosen die zwei ihnen unbekannten Kreuzer, die sich dem Hafen von Papeete näherten. Alarm wurde ausgelöst, die Signalbaken des Hafens zerstört und drei Warnschüsse von den französischen Batterien abgefeuert, um den sich nähernden Kreuzern zu signalisieren, dass sie sich identifizieren mussten.[9] Die Kreuzer erwiderten das Feuer und hissten die deutsche Flagge, um die Stadt zur Kapitulation aufzufordern. Die Franzosen lehnten die deutschen Forderungen ab, woraufhin Spees Schiffe aus 6.000 m Entfernung die Küstenbatterien und die Stadt beschossen.[12] Die Landbatterien und das Kanonenboot im Hafen erwiderten das Feuer, erzielten aber keine Treffer auf den Panzerkreuzern. Da es den deutschen Kreuzern schwerfiel, die genaue Position der französischen Batterien ausfindig zu machen, wandten sie sich bald den französischen Schiffen im Hafen zu.[13][9]
Der französische Kommandant Destremau hatte zu Beginn des Gefechts die Verbrennung der Kohlelager befohlen, und nun stieg dichter Rauch über der Stadt auf. Zélée und Walküre wurden trotzdem noch von den Deutschen gesichtet und beschossen. Zu Beginn des Gefechts hatten die Franzosen begonnen, die Schiffe zu versenken, doch beide schwammen noch, als Scharnhorst und Gneisenau das Feuer eröffneten. Beide Schiffe sanken daraufhin durch den Beschuss. Inzwischen waren die meisten Einwohner Papeetes geflohen, und die Stadt stand nach dem deutschen Bombardement in Flammen; zwei Häuserblöcke brannten nieder.[12] Da die Kohlevorräte zerstört waren und im Hafen Minen lauerten, sah Spee keinen Sinn mehr in einer Landung.[14] Daher zog der deutsche Admiral seine Schiffe bis 11:00 Uhr aus dem Hafen von Papeete ab.[12] Nach dem Verlassen Papeetes dampften die Schiffe in Richtung Nuku Hiva, um sich dort mit Nürnberg, Titania und Kohlefrachtern zu treffen.[13]
Nachwirkungen
Als Spee seine Schiffe abzog, waren Teile der Stadt zerstört. Zwei ganze Häuserblöcke von Papeete waren bis auf die Grundmauern niedergebrannt, bevor die Brände schließlich gelöscht werden konnten. Ein Koprageschäft, ein Markt und mehrere andere Gebäude und Wohnhäuser wurden durch den Beschuss und das darauffolgende Feuer ebenfalls zerstört. Die meisten Zivilisten Papeetes waren zu Beginn der Kämpfe ins Inselinnere geflüchtet. Durch den deutschen Beschuss kamen trotzdem ein japanischer Zivilist und ein polynesischer Junge ums Leben. Trotz der Versenkung der beiden französischen Schiffe im Hafen, gab es auf beiden Seiten keine militärischen Opfer. Die deutschen Schiffe wurden nicht beschädigt. Insgesamt wurde der Sachschaden durch den Beschuss 1915 auf über 2 Millionen Francs geschätzt, von denen ein Teil durch die Beschlagnahmung eines deutschen Geschäfts auf der Insel wieder hereingeholt werden konnte.[3] Zusätzlich zur Beschlagnahmung ihres Eigentums wurden mehrere einheimische Deutsche interniert und gezwungen, die von Spees Geschwader verursachten Schäden zu beheben. Die wohl nachhaltigste Folge des Beschusses für die Franzosen war der dramatische Preisverfall von Kopra in der Region, da die lokalen Lieferanten zuvor den Großteil ihrer Produkte an deutsche Händler in der Gegend verkauft hatten, die nun interniert waren.[15] Weitere Verwüstung und Not breiteten sich 18 Tage nach dem Abzug von Spees Geschwader auf der Insel aus, als Gerüchte über einen bevorstehenden zweiten deutschen Angriff die Runde machten.[3]
Nach ihrem Rückzug trafen sich Scharnhorst und Gneisenau mit Nürnberg und Titania in Nuku Hiva, wo sie Vorräte auffüllten und ihre Besatzungen Landgang nahmen, bevor sie weiterfuhren, um sich dem Rest des Geschwaders auf der Osterinsel anzuschließen.[13] Obwohl die Deutschen zwei Schiffe in Papeete zerstört und in der Stadt schwere Verwüstungen angerichtet hatten, war ihnen ihr Hauptziel, die französischen Kohlevorräte zu erobern und ihre eigenen aufzufüllen, verwehrt geblieben. Spees Angriff ermöglichte es der britischen Admiralität, seine Position und seinen Kurs zu erfahren, sodass sie Konteradmiral Christopher Cradock über die deutschen Absichten informieren konnte, was zur Seeschlacht von Coronel führte.[16] Ein weiterer Effekt war die Verringerung der Munitionsvorräte der beiden deutschen Kreuzer. Die Hunderte von Granaten, die Spees Schiffe auf Papeete abfeuerten, waren unersetzlich. Der Munitionsmangel infolge der Kämpfe um Papeete trug dazu bei, dass das deutsche Ostasiengeschwader sich in der Schlacht um die Falklandinseln gegen britische Schlachtkreuzer nicht ausreichend verteidigen konnte.[17] Leutnant Destremau wurde von seinem falsch informierten Vorgesetzten für sein Verhalten bei der Verteidigung von Papeete und für den Verlust des Kanonenboots Zélée gerügt. Er wurde unter Arrest nach Toulon zurückbeordert, um vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden, starb jedoch 1915 vor dem Prozess an einer Krankheit. 1918 wurde Destremau schließlich für seine Taten bei Papeete anerkannt und posthum in die Ehrenlegion aufgenommen.[10]
Literatur
- Artikel: Bombardment of Papeete. American Forestry. Band XXI (enthält die Ausgaben 1–7). The American Forestry Association. Washington, D.C.. 1915. S. 553 f.
- Julian S. Corbett: Naval Operations. History of the Great War based on Official Documents. Band I. Longmans, Green. London. 1938. 2. Auflage (Reprint): Imperial War Museum and N & M Press (Hrsg.) 2009. ISBN 978-1-84342-489-5. S. 2.
- W. M. Davis: The Reef-Encircled Islands of the Pacific. The Journal of Geography. XVII. The Post Publishing Co. Appleton, Wisconsin. 1918.
- Lewis R. Freeman: The Story of the Cornwall. The World's Work. XXXVI. Doubleday, Page & Company. New York. 1918.
- Erich Gröner: German Warships 1815–1945. Band 1: Major Surface Vessels. Naval Institute Press. Annapolis. 1990. ISBN 0-87021-790-9.
- Bruce I. Gudmundsson: On Armor. Praeger Publishers. Westport. 2004. ISBN 0-275-95019-0.
- Paul. G. Halpern: A Naval History of World War I. US Naval Institute Press. Annapolis. 1995. ISBN 1-55750-352-4.
- Richard Hough: Falklands 1914: The Pursuit of Admiral Von Spee. Periscope Publishing. Penzance, Cornwall. 2003. ISBN 1-904381-12-X.
- Arthur Jose: The Royal Australian Navy, 1914–1918. Official History of Australia in the War of 1914–1918. Band IX (9. Auflage). Angus & Robertson. Sydney. 1941.
- Hew Strachan: The First World War: To Arms. Oxford University Press. New York. 2001. ISBN 0-19-820877-4.
Weitere Literatur
- Michel Gasse: Tahiti 1914 – Le vent de guerre. (In französischer Sprache). A la frontière (maison d'édition). Lardy, Frankreich. 2009. ISBN 978-2-918665-00-7. S. 352.
- Heinz Burmester: Die Beschießung von Papeete durch deutsche Panzerkreuzer – ein neutraler Bericht. Deutsches Schiffahrtsarchiv 7. 1984. S. 147–152.
Einzelnachweise
- ↑ a b Julian S. Corbett: Naval Operations. History of the Great War based on Official Documents. Band I. Longmans, Green. London. 1938. 2. Auflage: Imperial War Museum and N & M Press (Hrsg.) 2009. ISBN 978-1-84342-489-5. S. 2.
- ↑ W. M. Davis: The Reef-Encircled Islands of the Pacific. The Journal of Geography. XVII. The Post Publishing Co. Appleton, Wisconsin. 1918. S. 312.
- ↑ a b c d e Artikel: Bombardment of Papeete. American Forestry. Band XXI (enthält die Ausgaben 1–7). The American Forestry Association. Washington, D.C.. 1915. S. 558–559.
- ↑ a b Bruce Gudmundsson: On Armor. Praeger Publishers. Westport, CT. ISBN 0-275-95019-0. S. 2.
- ↑ a b c Paul G. Halpern: A Naval History of World War I. US Naval Institute Press. Annapolis, MD. 1995. ISBN 1-55750-352-4. S. 89.
- ↑ Paul G. Halpern: A Naval History of World War I. US Naval Institute Press. Annapolis, MD. 1995. ISBN 1-55750-352-4. S. 88.
- ↑ Hew Strachan: The First World War: To Arms. Oxford University Press. New York. 2001. ISBN 0-19-820877-4. S. 472.
- ↑ Richard Hough: Falklands 1914: The Pursuit of Admiral Von Spee. Periscope Publishing. Penzance, Cornwall. 2003. ISBN 1-904381-12-X. S. 47.
- ↑ a b c d Arthur Jose: The Royal Australian Navy, 1914–1918. Official History of Australia in the War of 1914–1918. Band IX (9. Auflage). Angus & Robertson. Sydney. 1941. S. 558–559.
- ↑ a b Noëlle Destremau: La défense de Tahiti – Septembre 1914. Paris. 1999. Archivierter Link. Abgerufen am 6. Dezember 2025.
- ↑ Erich Gröner: German Warships 1815–1945. Band 1: Major Surface Vessels. Naval Institute Press. Annapolis. 1990. ISBN 0-87021-790-9. S. 52.
- ↑ a b c Artikel: Bombardment of Papeete. American Forestry. Band XXI (enthält die Ausgaben 1–7). The American Forestry Association. Washington, D.C.. 1915. S. 553–554.
- ↑ a b c Richard Hough: Falklands 1914: The Pursuit of Admiral Von Spee. Periscope Publishing. Penzance, Cornwall. 2003. ISBN 1-904381-12-X. S. 48.
- ↑ Bruce Gudmundsson: On Armor. Praeger Publishers. Westport, CT. ISBN 0-275-95019-0. S. 3.
- ↑ W. M. Davis: The Reef-Encircled Islands of the Pacific. The Journal of Geography. XVII. The Post Publishing Co. Appleton, Wisconsin. 1918. S. 1.
- ↑ Richard Hough: Falklands 1914: The Pursuit of Admiral Von Spee. Periscope Publishing. Penzance, Cornwall. 2003. ISBN 1-904381-12-X. S. 71.
- ↑ Lewis R. Freeman: The Story of the Cornwall. The World's Work. XXXVI. Doubleday, Page & Company. New York. 1918. S. 274.