Bojano (Polen)
| Bojano | ||
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| Basisdaten | ||
| Staat: | Polen
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| Woiwodschaft: | Pommern | |
| Powiat: | Wejherowo | |
| Gmina: | Szemud | |
| Geographische Lage: | 54° 28′ N, 18° 23′ O | |
| Einwohner: | ||
Bojano (deutsch Bojahn; kaschubisch Bòjano) ist ein kaschubisches Dorf mit 4123 Einwohnern (2022) in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Es gehört zum Verwaltungsbezirk Gmina Szemud (Landgemeinde Schönwalde) im Powiat Wejherowski (Neustädter Kreis).
Geographische Lage
Das Dorf liegt im ehemaligen Westpreußen, etwa zehn Kilometer östlich von Schönwalde und elf Kilometer südwestlich der Stadt Gdingen.
Geschichte
Das Bojahn-Gebiet war wahrscheinlich bereits im Mesolithikum (8400–4200 v. Chr.) und mit Sicherheit im Neolithikum (4200–1700 v. Chr.) besiedelt. Das Vorkommen einer Bevölkerung der Kugelamphorenkultur (2700–2000 v. Chr.) im Bojahn-Gebiet kann mit hoher Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden. Hier wurden Steinplatten eines megalithischen Grabes gefunden. Auch ein flaches Gräberfeld der ostpommerschen (kaschubischen) Lausitzer Kulturgruppe aus der Zeit um 1000 v. Chr. und bis zu 4 Fundstellen der ostpommerschen Kultur (500–125 v. Chr.) wurden hier entdeckt. Im Jahr 1891 wurden im Dorf schöne Epauletten, ein Bronzeschaft und Bronzenadeln gefunden. Auch über zahlreiche Steinkistengräber,[1] teils mit Gesichtsurnen und Bronzeschmuck, ist berichtet worden.
Die Umgebung von Bojahn weist zahlreiche mittelalterliche Siedlungsspuren auf. Die älteste schriftliche Quelle über Bojahn stammt aus dem Jahr 1311. In einer Urkunde aus dieser Zeit und einer weiteren aus dem Jahr 1402 wird der Name des Dorfes als Bojan erwähnt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war Bojahn ein Zinsdorf des Deutschen Ordens und gehörte zum Waldamt Danzig (1311).[2] Nach Ende der Ordensherrschaft im 15. Jahrhundert unterlag das Dorf polnischem Recht. Im 15. Jahrhundert hatte es 15 Höfe. Später wurde es auf Magdeburger Recht umgestellt und von einem Vogt verwaltet. Neben dem Gut des Dorfvorstehers bestand das Dorf aus einem Dutzend Bauernhöfen. Im Jahr 1472 gehörten die Einkünfte von Bojahn dem Sekretär der Stadt Danzig, Jan Lindow, und dem Ratsherrn Jerzy Bock. In einer Liste aus dem Jahr 1570 werden wieder 15 Bauernhöfe im Dorf Bojan genannt, außerdem ein Gasthaus, ein Gärtner und ein Köhler. Der damalige Pächter von Bojan war Ludwik Wenden. Am Katzfließ, der durch Bojahn fließt, gab es eine Reihe von Mühlen. Im Jahr 1438 wird erwähnt, dass in der heute nicht mehr vorhandenen Siedlung Schoenfliss „seit Jahrhunderten“ eine Wassermühle existierte. Der Standort dieser Siedlung sowie der Mühle selbst ist bisher unbekannt.
Das königliche Dorf Bojahn befand sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Danziger Kreis der Woiwodschaft Pommerellen.
Bis 1919 gehörte Bojahn zum Kreis Neustadt in Westpreußen im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs musste Bojahn aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags zum Zweck der Verlegung des sogenannten Polnischen Korridors durch westpreußisches Territorium am 10. Januar 1920 an Polen abgetreten werden. Nach dem Überfall auf Polen 1939 trat das Korridor-Gebiet zum Deutschen Reich, und die bisher polnische Gemeinde Bojano wurde in Bojahn umbenannt. Am 25. Juni 1942 erhielt das Dorf den neuen Namen Blücherrode.[3]
Im Jahr 1945 bildete Bojahn eine Landgemeinde im Kreis Neustadt i. Westpr. im Regierungsbezirk Danzig im Reichsgau Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Nach Beendigung der Kampfhandlunge wurde Bojahn von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die deutschsprachige Minderheit wurde vertrieben.
Bei archäologischen Untersuchungen im Dorf (im nordöstlichen Teil) wurde ein Überbleibsel eines Schießstandes aus dem Zweiten Weltkrieg mit Kurzwaffen-Patronenhülsen des Kalibers 7,62 × 25 mm Tokarev gefunden.[4]
Zwischen 1975 und 1998 gehörte das Dorf verwaltungstechnisch zur Woiwodschaft Danzig (Gdańsk).
Kirchspiel bis 1945
Das katholische Kirchspiel war in Bojahn.
Das evangelische Kirchspiel war in Friedeau,[5] 2 ½ Kilometer südlich von Bojahn gelegen.
Literatur
- Bojahn, Dorf, Kreis Neustadt Westpr., Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Bojahn (meyersgaz.org).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Abraham Lissauer: Die prähistorischen Denkmäler der Provinz Westpreussen und der angrenzenden Gebiete. W. Engelmann, Leipzig 1887, S. 111 (Google Books).
- ↑ Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreussen, Danzig 1872, S. 38 (Google Books).
- ↑ Amtsbezirk Kölln, Kr. Neustadt (Westpr.) (Territorial.de)
- ↑ Mehrere: Prace archeologiczne w Bojanie gm Szemud woj pomorskie. Abgerufen am 21. September 2024.
- ↑ Pfarr-Almanach der Provinz Westpreußen (Bureau des Königlichen Konsistoriums der Provinz Westpreußen, Hrsg.), Danzig 1897, S. 44, Nr. 2 (Google Books).