Bogusław Kowalski

Bogusław Kowalski (* 23. Oktober 1964 in Mircze) ist ein polnischer Politiker (SND, SN, LPR, RLCh, RLN, PiS). Er war Abgeordneter des Sejm in der V. und VI. Wahlperiode (2005–2011), Staatssekretär im Ministerium für Verkehr in der Regierung Jarosław Kaczyński und von 2007 bis 2011 Vorsitzender der RLN.

Leben und Beruf

Kowalski schloss 1987 das Studium der Geschichtswissenschaften an der Universität Warschau ab und wurde dort 1992 promoviert. Von 1993 bis 1997 war er Chefredakteur der Wochenzeitung Myśl Polska und anschließend Vorsitzender von deren Programmbeirat.[1] Er arbeitete zudem für Radio Niepokalanów, einen Radiosender der Franziskaner-Minoriten. Zudem engagiert er sich in der Turnbewegung „Sokol“, wo er von 1983 bis 1987 einen Regionalverband leitete. In den 1980er Jahren engagierte Kowalski sich außerdem im Polnischen Katholischen Sozialverband. 2012 wurde er zum Vorsitzenden des Polnischen Seewirtschaftsverbandes gewählt.[2] Von 2016 bis 2018 war er Vorstandsvorsitzender von TK Telekom.[3]

Politik

Von 1987 bis 1990 war Kowalski im oppositionellen Unabhängigen Studentenverband aktiv.

Von 1991 bis 1999 gehörte er der Stronnictwo Narodowo-Demokratyczne (SND) an. Er war der faktische Vorsitzende der SND, deren nomineller Chef zunächst Jan Zamoyski war. Bei der Parlamentswahl 1991 kandidierte er für die SND auf der Liste der Unia Polityki Realnej, diese erhielt jedoch kein Mandat in seinem Wahlkreis Ciechanów, Ostrołęka, Łomża.[4] Bei der Parlamentswahl 1993 kandidierte er für die SND auf der Liste des Bezpartyjny Blok Wspierania Reform, der in seinem Wahlkreis Zamość kein Mandat erhielt.[5] Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 1995 war er Pressesprecher der Kampagne von Amtsinhaber Lech Wałęsa. Anschließend war er Sprecher der politischen Vereinigung „Ruch Solidarni w Wyborach“, die sich bei der Parlamentswahl 1997 am Wahlbündnis Akcja Wyborcza Solidarność beteiligte. Er selst kandidierte jedoch für die Polskie Stronnictwo Ludowe (PSL), verpasste aber erneut den Einzug in den Sejm.[6] 1998 wurde er auch formell SND-Chef. Nachdem sich die SND 1999 mit der Stronnictwo Narodowe vereinigt hatte, wurde er deren Vorsitzender.[7] Bei der Präsidentschaftswahl 2000 war er Leiter des Wahlkampfteams von Tadeusz Wilecki. Bei der Parlamentswahl 2001 kandidierte er erneut erfolglos für die PSL.[8]

Nach 2001 war er Mitglied der Liga Polskich Rodzin (LPR) und leitete diverse Parteistrukturen, unter anderem im Powiat Miński und in der Woiwodschaft Masowien. Bei den 2002 wurde er zum Abgeordneten im Sejmik der Woiwodschaft Masowien gewählt.[9] Bei der Europawahl 2004 bewarb er sich erfolglos um ein Mandat im Europaparlament.[10] Bei den Parlamentswahlen 2005 wurde er für den Wahlkreis Siedlce über die Liste der LPR in den Sejm gewählt.[11]

2006 trat er aus der LPR aus. Er trat der Abgeordnetengruppe Narodowe Koło Parlamentarne bei. Am 22. September 2006 wurde er Mitglied der neu gegründeten Fraktion der Ruch Ludowo-Narodowy (RLN), die jedoch bald darauf wieder auseinanderfiel. Nach dem 18. Dezember 2006 war er Abgeordneter für den Ruch Ludowo-Chrześcijański (RLCh). Von 2007 bis 2011 stand an der Spitze der durch einige Abgeordnete des RLCh neu gegründeten Partei RLN. Vom 23. Mai 2006 bis zum 23. November 2007 war er Staatssekretär im Ministerium für Verkehr. Bei den Sejmwahlen 2007 wurde er für die RLN über die Liste der Prawo i Sprawiedliwość (PiS) mit 7.259 Stimmen als Abgeordneter bestätigt.[12] Er war Mitglied der Sejm Kommissionen für Infrastruktur und Auswärtige Angelegenheiten. Im Januar 2011 verließ er die RLN und trat der PiS bei.[13] Bei der Parlamentswahl 2011 verpasste er auf der Liste der PiS die Wiederwahl.[14]

Arbeit für den Sicherheitsdienst

Nach durch das Instytut Pamięci Narodowej (IPN) am 4. Dezember 2007 veröffentlichten Angaben ist Kowalski am 4. Februar 1987 von dem staatlichen Sicherheitsdienst als Inoffizieller Mitarbeiter „Mieczysław“ registriert[15]. Am 29. September 2008 erklärte der IPN, dass nach der Analyse des Archivmaterials keine Grundlagen für die Infragestellung der Lustrationsangaben Kowalskis gefunden werden kann[16].

Einzelnachweise

  1. „Bogusław »Brutus« Kowalski“ auf archiwum.rp.pl, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  2. „Kongres Stowarzyszenia“ auf psmg-kwiatkowski.org.pl, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  3. „Nowy Prezes Zarządu TK Telekom“ auf media.netia.pl, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  4. Ergebnis in Monitor Polski 1991, Nr. 41, S. 475.
  5. Ergebnis in Monitor Polski 1993, Nr. 50, S. 750.
  6. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  7. „W kraju“ auf archiwum.rp.pl, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  8. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  9. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  10. Ergebnis in Dziennik Ustaw 2004, Nr. 137, S. 9590.
  11. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  12. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  13. „Senator Waldemar Kraska o wstąpieniu do PiS“ auf old.podlasie24.pl, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  14. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  15. Katalog des IPN@1@2Vorlage:Toter Link/katalog.bip.ipn.gov.pl (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  16. Schreiben des IPN auf der privaten Homepage von Bogusław Kowalski@1@2Vorlage:Toter Link/www.boguslawkowalski.pl (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.