Blytt-Sernander-Sequenz
| Serie | Klimastufe[1] | Pollenzone[2] | Zeitraum (Jahre BP) |
|---|---|---|---|
| Holozän | Subatlantikum | X | 0–2.400 |
| IX | |||
| Subboreal | VIII | 2.400–5.660 | |
| Atlantikum | VII | 5.660–9.220 | |
| VI | |||
| Boreal | V | 9.220–10.640 | |
| Präboreal | IV | 10.640–11.560 | |
| Pleistozän | |||
| Jüngere Dryaszeit | III | 11.560–12.700 | |
| Alleröd-Interstadial | II | 12.700–13.350 | |
| Ältere Dryaszeit | Ic | 13.350–13.480 | |
| Bölling-Interstadial | Ib | 13.480–13.730 | |
| Älteste Dryaszeit | Ia | 13.780–13.860 |
Das Blytt-Sernander-Schema (zu Ehren der Urheber) gliedert die klimatisch gesteuerte Vegetationsentwicklung im Holozän in „Klimastufen“ (vgl. nebenstehende Tabelle); wie dort ebenfalls dargestellt, wurden diese später weiter in Pollenzonen untergliedert. In Quartärforschung und Paläoklimatologie wurden Übergänge historisch (teilweise heute noch) irrtümlich als global fix angesehen. Tatsächlich sind sie prinzipiell unscharf, da sie abhängig von den regionalen Klimavarianten unterschiedlich verlaufen.
Methode
Der Entwicklung der Klassifizierung ging die Entdeckung von helleren und dunkleren Lagen in Torfschichten 1829 durch Heinrich Dau auf Seeland voraus.[3] Daraufhin wurde von der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften ein Preis ausgelobt, mit dem derjenige bedacht werden sollte, dem es gelänge, diese Lagen plausibel zu deuten. Blytt stellte daraufhin die Hypothese auf, dass die dunkleren Lagen in Trockenperioden und hellere Lagen in Feuchtperioden gebildet wurden.[4] Er verwendete dafür die Begriffe Atlantikum (warm und feucht) bzw. Boreal (kalt und trocken).
Rutger Sernander vervollständigte 1908 die Sequenz durch die Eingrenzung des Subboreals, des Subatlantikums sowie der pleistozänen Phasen.[5] 1926 entdeckte Carl Albert Weber einen charakteristischen Grenzhorizont in deutschen Torfablagerungen, die Blytts These eines Klimaumschwungs stützten.[6]
Sinn und Zweck der Methode war die stratigraphische Einteilung von sedimentären Ablagerungen, also die Unterteilung nach ihrer chronologischen Ordnung. Heutzutage gibt es eine große Vielzahl unterschiedlichster Methoden zur Altersbestimmung, u. a. Sauerstoffisotopie, Warvenchronologie oder auch Untersuchungen von Eisbohrkernen. Mittels dieser neueren Methoden war es möglich, die Blytt-Sernander-Sequenz auf Eurasien und Nordamerika auszuweiten. Jedoch ist die Bezeichnung Blytt-Sernander-Sequenz heutzutage nur noch vergleichsweise selten anzutreffen.
Probleme
Datierung und Kalibrierung
Heutzutage wird die Blytt-Sernander-Klassifizierung durch moderne Untersuchungsmethoden gestützt und erweitert. Als Beispiel sei die Radiokarbondatierung (14C-Datierung) von Pollen genannt, mittels derer bis etwa 60.000 Jahre alter Kohlenstoff datiert werden kann. Dabei sind ältere Datierungen unzuverlässig, da die unstete Produktion kosmogenen 14Cs noch unbekannt war und man von einer konstanten Produktion ausging. Heute können ältere, weniger präzise Datierungen mittels der Dendrochronologie korrigiert werden.
Korrelation mit archäologischen Befunden
Die Blytt-Sernander-Klassifizierung wurde und wird als chronologisches Rahmenwerk benutzt, um archäologische Befunde in Nordamerika und Eurasien zu deuten, indem kulturell-technische Entwicklungen mit Klimaschwankungen verglichen werden und eine Kausalität gesucht wird.
Die Sequenz
| Pleistozän | Dauer |
|---|---|
| Ältere Dryas | 14.000–13.600 BP |
| Allerød-Interstadial | 13.600–12.900 BP |
| Jüngere Dryas | 12.900–11.500 BP |
| Holozän | |
| Boreal | 11.500–8.900 BP |
| Atlantikum | 8.900–5.700 BP |
| Subboreal | 5.700–2.600 BP |
| Subatlantikum | 2.600–0 BP |
Zeigerpflanzen
Beispiele für Zeigerpflanzen bzw. deren Pollen, die bei der Blytt-Sernander Klassifizierung eine Rolle spielen:
- Sphagnum (Torfmoose)
- Carex (Seggen)
- Scheuchzeria palustris (Blumenbinsen)
- Eriophorum vaginatum (Scheiden-Wollgras)
- Vaccinium subgenus oxycoccus (Moosbeeren)
- Andromeda polifolia (Rosmarinheide)
- Erica tetralix (Glockenheide)
- Calluna vulgaris (Besenheide)
- Pinus (Kiefern)
- Betula (Birken)
Torfmoose sind dabei in feuchten Perioden häufiger, für Trockenperioden sind Birken und Kiefern charakteristisch.
Weblinks
- The Holocene. Material der University of Arizona zum Kurs Introduction to Quaternary Ecology. Fall 2009.
- Niels Schrøder u. a.: 10,000 Years of Climate Change. TES Volume 3, Number 1
- Bogs and Mires of the Baltic Region
Einzelnachweise
- ↑ T. Litt, A. Brauer, T. Goslar, J. Merkt, K. Balaga, H. Müller, M. Ralska-Jasiewiczowa, M. Stebich, J. F. W. Negendank: Correlation and synchronisation of Lateglacial continental sequences in northern central Europe based on annually laminated lacustrine sediments. In: Quaternary Science Reviews. 20, 11, Elsevier, Oxford 2001, S. 1233–1249.
- ↑ I. Faegri, J. Iverson: Textbook of Pollen Analysis. Kopenhagen 1950.
- ↑ Heinrich Dau: Allerunterthänigster Bericht an die Königliche Dänische Rentekammer über die Torfmoore Seelands nach einer im Herbste 1828 deshalb unternommenen Reise. (meist einfach Über die Torfmoore Seelands.) Copenhagen/Leipzig 1829.
- ↑ Axel Gudbrand Blytt: Essay on the immigration of the Norwegian flora during alternating rainy and dry periods. Cammermeyer, Kristiana 1876.
- ↑ Rutger Sernander: On the evidence of postglacial changes of climate furnished by the peat-mosses of northern Europe. In: Geologiska Föreningens i Stockholm Förhandlingar. Band 30, 1908, S. 467–478 (kobe-u.ac.jp [PDF]).
- ↑ Carl Albert Weber: Grenzhorizont und Klimaschwankungen. In: Abhandl. Naturwiss. Vereins, Bremen. 26, 1926, S. 98–106.