Bleidorn-Kaserne (Ulm)

Die Bleidorn-Kaserne ist eine militärische Liegenschaft in Ulm, Baden-Württemberg, die als Teil des Fort Unterer Kuhberg errichtet wurde. Die Kaserne befand sich auf dem Oberen Kuhberg und war bis zu ihrer Schließung eine der letzten verbliebenen Kasernen der traditionsreichen Garnisonsstadt Ulm.[1]

Geschichte

Die Kaserne wurde ursprünglich als Untere Kuhbergkaserne für die Artillerie im Rahmen des Fort Unterer Kuhberg errichtet, das zwischen 1846 und 1858 als Vorwerk XXIX und XXX der Bundesfestung Ulm erbaut wurde. Im Jahr 1934 erfolgte die Umbenennung in Bleidorn-Kaserne nach dem badischen General der Artillerie Rudolf Bleidorn (1864–1937), der als erster Artillerieführer V und Inspekteur der Artillerie in der Reichswehr diente.[1]

1934 wurde die Kaserne im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht durch den Ausbau der bestehenden Artillerie-Kaserne erweitert. Die Anlage diente fortan als Standort für verschiedene Artillerieeinheiten.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bleidorn-Kaserne zunächst als Displaced Persons Camp (DP-Camp) genutzt. Im Sommer 1946 wurde in der Kaserne ein DP-Lager für jüdische Kinder eingerichtet, das bis Sommer 1947 betrieben wurde und zeitweise über 200 Kinder beherbergte.[2]

Von 1951 bis 1958 nutzte die US-Armee die militärische Liegenschaft in der Westerlinger Straße.[2]

Nach der Räumung durch die US-Streitkräfte 1958 wurde die Kaserne von der Bundeswehr übernommen. Dort waren unter anderem folgende Einheiten stationiert:[2]

Zwischen Oktober 2015 und September 2016 wurden in der Bleidorn-Kaserne während der europäischen Flüchtlingskrise Asylbewerber untergebracht.[2]

In der Bleidorn-Kaserne sind folgende Einrichtungen untergebracht:[2]

  • Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Ulm
  • Karriereberatungsbüro Ulm (Außenstelle des Karrierecenters der Bundeswehr Stuttgart)

Laut dem Stationierungskonzept 2011 war die endgültige Schließung der Bleidorn-Kaserne ursprünglich für 2018 vorgesehen. Der Schließungstermin wurde mehrfach verschoben und zuletzt auf das Jahr 2025 datiert. Ab Juni 2025 wurden Teile der Kaserne für Wohnungsbau für Bundesbeschäftigte umgebaut.[2]

Am 28. Oktober 2025 verkündete das Bundesverteidigungsministerium einen grundlegenden Kurswechsel in der Liegenschaftspolitik. Die Bleidorn-Kaserne gehört zu den 13 Liegenschaften, die entgegen früherer Planungen nun doch nicht geschlossen werden. Im Zuge des geplanten Aufwuchses der Bundeswehr und der veränderten sicherheitspolitischen Lage wurde die Kaserne der neu geschaffenen „Strategischen Liegenschaftsreserve der Bundeswehr“ zugeführt und verbleibt somit dauerhaft im Besitz der Streitkräfte.[2]

Bedeutung für Ulm

Die Bleidorn-Kaserne war Teil der langen militärischen Tradition der Stadt Ulm, die seit 1666 Garnisonsstadt ist. Ulm beherbergte im Laufe seiner Geschichte bis zu 18 Kasernen und war eine der fünf Bundesfestungen im Deutschen Bund. Nach der Schließung der Hindenburg-Kaserne 2014 und der Bleidorn-Kaserne verbleibt die Wilhelmsburg-Kaserne als Hauptstandort der Bundeswehr in Ulm, wo heute unter anderem das Multinationale Kommando Operative Führung stationiert ist.[2]

Literatur

  • Max Huber, Eugen Specker: Ulm In: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Baden-Württemberg. Hrsg. von Max Miller und Gerhard Taddey. Stuttgart 1965
Commons: Bleidorn-Kaserne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b US Garnison Ulm. Abgerufen am 28. Oktober 2025.
  2. a b c d e f g h i ehem. Bleidorn-Kaserne. Abgerufen am 28. Oktober 2025.