Blastocatellaceae

Blastocatellaceae

Terriglobus roseus

Systematik
Klassifikation: Lebewesen
Domäne: Bakterien (Bacteria)
Abteilung: Acidobacteriota
Klasse: Blastocatellia
Ordnung: Blastocatellales
Familie: Blastocatellaceae
Wissenschaftlicher Name
Blastocatellaceae

Blastocatellaceae ist eine Familie von Bakterien. Die Arten können in relativ sauren Umgebungen wachsen. Sie wurden aus afrikanischen Savannenböden isoliert.[1]

Merkmale

Die Zellen der Arten der Blastocatellaceae sind Kokken, stäbchenförmig oder pleomorph. Der Gram-Test fällt negativ aus. Sie teilen sich durch normale (binäre) Teilung. Bei Blastocatella fastidiosa wurde auch die Knospung beobachtet. Es werden keine Kapseln gebildet. Auch eine Sporenbildung wurde nicht beobachtet.[1]

Stoffwechsel und Wachstum

Die Gattungen der Familie Blastocatellaceae sind in der Regel auf Sauerstoff angewiesen (aerob). Sie sind chemoorganotrophe, benötigen also organische Stoffe zum Wachstum. Sie sind an einen breiten Temperatur- und pH-Bereich angepasst und können komplexe proteinhaltige Verbindungen für ihr Wachstum nutzen. Einige Arten können in sauren Umgebungen wachsen, sie sind acidotolerant.[1] Die Art Aridibacter nitratireducens kann auch anaerob wachsen und führt dann die Nitratatmung (Nitratreduktion) durch. Nitrat wird hier zu Nitrit reduziert, jedoch nicht weiter zu Stickstoff. Eine Gärung (Fermentation) wurde nicht beobachtet.[2]

Alle Gattungen der Blastocatellaceae enthalten das Menachinon-8 als wichtigstes respiratorisches Chinon.[1] Bei Blastocatella fastidiosa wurde die membranumspannende Fettsäure 13,16-Diamethyloctacosandisäure (auch als Isodiabolinsäure bezeichnet, engl.: 13,16-dimethyl octacosanedioic acid, iso-diabolic acid) und Derivate von Monoalkylglycerolether (MGE) gefunden. So enthalten Zellen von Blastocatella fastidiosa große Mengen an MGE-Derivaten gesättigter Fettsäuren (Iso-C15-MGE und Iso-C17-MGE). Die 13,16-Diamethyloctacosandisäure ist typisch für das Phylum Acidobacteria, zu dem die Blastocatellaceae zählen.

Es folgt eine Tabelle mit einigen Beispielarten (in Klammern die entsprechenden Arten, die in dieser Tabelle berücksichtigt sind):

Blastocatella

(B. fastidiosa)

Aridibacter

(A. famidurans, A. kavangonensis)

Stenotrophobacter

(S. namibiensis, S. roseus, S. terrae)

Tellurimicrobium

T. multivorans

Zellgröße in Micrometer (μm) 0.8–0.9 × 0.8–12.0 0.6–0.9 × 2.5–3.0 0.7–1.2 × 0.8–3.1 0.3–0.7 × 0.8–2.3
Zellteilung einfache Teilung, auch Knospung einfache Teilung einfache Teilung einfache Teilung
Wachstumssubstrate Proteinhaltige komplexe Substrate, Protocatechuate Proteinhaltige komplexe Substrate, Protocatechuate, einige (Amino-)Zucker, Aminosäuren und organische Säuren Proteinhaltige komplexe Substrate, Protocatechuat, einzelne Zucker, Aminosäuren und organische Säuren Proteinhaltige komplexe Substrate, Protocatechuat, (Amino-)Zucker, Zuckeralkohole, Aminosäuren und organische Säuren
Hydrolyse von - Cellulose - Stärke
Temperature (°C) 14–40 12–47 16–41 14–43
Tolerierte pH-Werte 4.0–10.0 3.5–10.0 4.5–10.0 5.0–8.5

Systematik

Die Familie Blastocatellaceae wurde im Jahr 2016 von Javier Pascual und Mitarbeitern aufgestellt. Sie zählt zu der Ordnung Blastocatellales innerhalb des Phylums Acidobacteriota. Innerhalb der Ordnung Blastocatellales sind neben den Blastocatellaceae noch die zwei Familien Pyrinomonadaceae und Arenimicrobiaceae vorhanden (Stand 27. Dezember 2012).

Der Name Blastocatellaceae beruht auf dem griechischen Wort „Blastos“, was soviel wie Knospentrieb bedeutet, und dem lateinischen Wort „catella“ (kleine Kette). „Blastocatella“ bedeutet also soviel wie eine „knospende kleine Kette“. Dies bezieht sich auf die Fähigkeit der Gattung Blastocatella sich durch Knospung fortzupflanzen und dabei Ketten zu bilden. Die Endung -ceae weist darauf hin, dass es sich um eine Familie handelt.

Es folgt eine Liste mit den Gattungen und einigen Arten:[3]

  • Aridibacter Huber et al. 2014
    • Aridibacter famidurans Huber et al. 2014
    • Aridibacter kavangonensis Huber et al. 2014
    • Aridibacter nitratireducens Huber et al. 2017
  • Blastocatella Foesel et al. 2013
    • Blastocatella fastidiosa Foesel et al. 2013
  • Stenotrophobacter Pascual et al. 2016
    • Stenotrophobacter namibiensis Pascual et al. 2016
    • Stenotrophobacter roseus Pascual et al. 2016
    • Stenotrophobacter terrae Pascual et al. 2016
  • Tellurimicrobium Pascual et al. 2016
    • Tellurimicrobium multivorans Pascual et al. 2016

Ökologie

Die ersten beschriebenen Arten dieser Familie wurden aus afrikanischen Savannenböden in der Kalahari mit geringem Nährstoffgehalt isoliert.[1][4] Die Art Aridibacter nitratireducens wurde von einer Weide in der Nähe eines Krankenhauses in Eikwe, im Süden Ghanas, isoliert.[2]

Einzelnachweise

  1. a b c d e Katharina J. Huber, Javier Pascual, Bärbel U. Foesel und Jörg Overmann: Blastocatellaceae (2017) In: Bergey's Manual of Systematics of Archaea and Bacteria. 1. Auflage. Wiley, 2015, ISBN 978-1-118-96060-8, doi:10.1002/9781118960608.fbm00290 (wiley.com [abgerufen am 27. Dezember 2025]).
  2. a b Katharina J. Huber, Alicia M. Geppert, Uwe Groß, Manja Luckner, Gerhard Wanner, Paul Cooper, John Abakah, Iryna Janssen, Jörg Overmann: Aridibacter nitratireducens sp. nov., a member of the family Blastocatellaceae, class Blastocatellia, isolated from an African soil. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 67, Nr. 11, 1. November 2017, ISSN 1466-5026, S. 4487–4493, doi:10.1099/ijsem.0.002318.
  3. LPSN - Family: Blastocatellaceae. Abgerufen am 27. Dezember 2025 (englisch).
  4. Javier Pascual, Pia K. Wüst, Alicia Geppert, Bärbel U. Foesel, Katharina J. Huber, Jörg Overmann: Novel isolates double the number of chemotrophic species and allow the first description of higher taxa in Acidobacteria subdivision 4. In: Systematic and Applied Microbiology. Band 38, Nr. 8, Dezember 2015, S. 534–544, doi:10.1016/j.syapm.2015.08.001 (elsevier.com [abgerufen am 25. Dezember 2025]).

Literatur

  • Katharina J. Huber, Javier Pascual, Bärbel U. Foesel und Jörg Overmann: Blastocatellaceae (2017) In: Bergey's Manual of Systematics of Archaea and Bacteria. 1. Auflage. Wiley, 2015, ISBN 978-1-118-96060-8, doi:10.1002/9781118960608.fbm00290 (wiley.com [abgerufen am 27. Dezember 2025]).