Blame (Film)
| Film | |
| Titel | Blame – ein bildstarkes Plädoyer für die Wissenschaft |
|---|---|
| Originaltitel | Blame – Bats, Politics and a Planet Out of Balance |
| Produktionsland | Schweiz |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Länge | 123 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Produktionsunternehmen | Christian Frei Filmproductions GmbH |
| Stab | |
| Regie | Christian Frei |
| Drehbuch | Christian Frei, Trine Piil |
| Produktion | Christian Frei |
| Musik | Marcel Vaid, Jóhann Jóhannsson |
| Kamera | Filip Zumbrunn, Peter Indergand |
| Schnitt | Christian Frei, Magnus Langset |
| Besetzung | |
| |
Blame – Bats, Politics and a Planet Out of Balance ist ein Schweizer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2025, bei dem Christian Frei Regie führte und den er auch produzierte.[2][3] Der Film untersucht die Ursprünge der COVID-19-Pandemie, indem er sich auf drei prominente Wissenschaftler konzentriert: den Fledermaus-Virenexperten Linfa Wang, die Virologin Zhengli Shi und den Zoologen Peter Daszak. Er stellt ihre wissenschaftliche Arbeit den Diskussionen, Spekulationen und Verschwörungstheorien gegenüber, die während der globalen Gesundheitskrise aufkamen. Der abendfüllende Film feierte am 4. April 2025 Premiere als Eröffnungsfilm des 56. Visions du Réel International Film Festival in Nyon, Schweiz.[4]
Handlung
Der Dokumentarfilm folgt den drei Wissenschaftlern Linfa Wang in Singapur, Shi Zhengli in Wuhan und Peter Daszak in New York, die lange vor der COVID-19-Pandemie zentral in der Coronavirus-Forschung tätig waren. Im Jahr 2003 gelang es ihnen, die Ursprünge des SARS-Ausbruchs auf eine Fledermaushöhle in China zurückzuführen, und sie warnten davor, dass ein ähnliches, gefährlicheres Virus in der Zukunft auftauchen könnte.[5]
Als COVID-19 auftritt, ist ihre Expertise zunächst gefragt, doch bald werden sie zur Zielscheibe intensiver politischer Debatten und öffentlicher Schuldzuweisungen («Blame»). Der Film stellt die methodische Langzeitforschung der Wissenschaftler der schnelllebigen und oft unbeständigen Welt der Medienschlagzeilen, politischen Anschuldigungen und Spekulationen in den sozialen Medien gegenüber.
Regisseur Christian Frei präsentiert die Erzählung aus der Perspektive der Wissenschaftler und beleuchtet den persönlichen und beruflichen Tribut, den es fordert, im Zentrum einer globalen Diskussion zu stehen, in der Evidenz und Komplexität gegenüber attraktiven reisserischen Erzählungen verlieren.[6] Freis zentrale These wird durch seine Aussage zusammengefasst: «Jene, die uns gewarnt haben, sind am Ende diejenigen, die beschuldigt werden.»[7]
Themen
Ein Hauptthema des Films ist der Konflikt zwischen dem langsamen, strengen Prozess wissenschaftlicher Entdeckungen und den Anforderungen einer schnelllebigen, politisch aufgeladenen Medienlandschaft. Er untersucht, wie wissenschaftliche Unsicherheit im politischen Diskurs instrumentalisiert werden kann und wie komplexe Realitäten oft zu simplen, anklagenden Narrativen verflacht und aufgebauscht werden. Der Dokumentarfilm beleuchtet zudem die menschliche Neigung, in Krisenzeiten Sündenböcke zu suchen, wie es sich im Titel widerspiegelt. Er befasst sich mit den Mechanismen von Fehlinformationen und der Entstehung von Verschwörungstheorien im digitalen Zeitalter und zeigt, wie Narrative «geformt, von Politikern verstärkt und profitorientierten Medien aufgegriffen werden».[6][8]
Produktion
Regisseur Christian Frei begann seine «filmische Reise» kurz nach Beginn des COVID-19-Ausbruchs.[9] Aufgrund der geopolitischen Sensibilitäten rund um die Ursprünge der Pandemie wurden die Dreharbeiten diskret durchgeführt, um sowohl die Orte als auch die Teilnehmer zu schützen.[9]
Die Dreharbeiten begannen im November 2022 auf dem 7. World One Health Congress in Singapur. Das Produktionsteam reiste ausgiebig durch Südostasien, unter anderem nach Thailand, um die Feldforschung im Wat Luang Phrommawat zu dokumentieren, einem Tempel, in dem Wissenschaftler Flughunde auf das Nipah-Virus testen.
Weitere Szenen wurden in der Khao Chong Phran Höhle in der Provinz Ratchaburi gedreht, die eine geschätzte Population von 2,8 Millionen Fledermäusen beherbergt, sowie im Bezirk Pang Mapha im Norden Thailands, der für seine ausgedehnten Höhlensysteme bekannt ist.
Die Kameraführung übernahmen Peter Indergand und Filip Zumbrunn, die Filmmusik wurde von Marcel Vaid komponiert, mit zusätzlicher Musik von Jóhann Jóhannsson. Der 123-minütige Film wurde von Trine Piil mitgeschrieben.[10][11]
Rezeption
Blame erhielt allgemein positive Kritiken, wobei Kritiker die Brisanz des Themas, den investigativen Ansatz und die filmische Qualität lobten.
Screen International nannte den Film eine «alarmierende» und «erschreckende Darstellung der Art und Weise, wie Narrative geformt werden», und hob seine Relevanz in einer Ära der Wahrheitsverdrehung hervor.[12] In The Observer lobte Mark Honigsbaum den Film für sein fesselndes und akkurates Storytelling, drückte jedoch Bedauern darüber aus, dass er aufgrund seines kontroversen Themas möglicherweise keinen Verleih in Grossbritannien oder den USA finden werde.[13] Der Filmkritiker Michael Sennhauser schrieb: «Der Film liefert schlüssige Fakten und er emotionalisiert. Und Frei positioniert sich klar und deutlich als Stimme der Vernunft gegen die Dämonen der Demagogie.»[8] Selim Petersen von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) bemerkte die Objektivität des Films und lobte die «eindringliche Bildsprache», die von den Kameramännern Peter Indergand und Filip Zumbrunn eingefangen wurde.[14] Franziska Meister von der Wochenzeitung WOZ lobte den Film: „Selten hat ein Dokumentarfilm nach fünf Jahren Dreharbeit so den Nerv der Zeit getroffen“.[15] Anne-Sophie Scholl schreibt in der Republik, der Film setzt «auf die Überzeugungskraft seines Storytellings und auf die visuelle Kraft seiner Bilder, die er spekulativen Meldungen, aus dem Kontext gerissenen Social-Media-Posts oder atemlosen News gegenüberstellt: Seine spektakulären Aufnahmen von Wissenschaftlern in Schutzanzügen inmitten von Fledermausschwärmen haben das Potenzial, sich ins kollektive Gedächtnis einzuschreiben.»[16] Im Falter äusserte sich Katharina Kropshofer lobend und attestiert, dass «der Film keine populistische Propaganda für instrumentalisierte Wissenschaftler, sondern eine langsame, vorsichtige Einordnung des Status quo» ist.[17] Stephanie Schnydrig vom St. Galler Tagblatt beschreibt den Film als «eine dokumentarische Reise über die Rolle der Wissenschaft in Zeiten, in denen die Welt aus den Fugen zu geraten scheint.»[18] Eine kritischere Einschätzung kam von Marcel Gyr von der NZZ, der argumentierte, dass dem Film die kritische Distanz zu seinen Protagonisten, insbesondere Peter Daszak, fehle.[19]
Auszeichnungen und Nominierungen
Festivalteilnahmen und Preise:
- Visions du Réel, Nyon, Schweiz – Weltpremiere, Eröffnungsfilm, Internationaler Wettbewerb (April 2025)[20][21]
- International Contemporary Science Film Festival, Moskau – Gewinner Grand Prix Bester Internationaler Dokumentarfilm (April 2025)[22]
- DOK.fest München, Deutschland – Nominiert für den Viktoria DOK.International (Mai 2025)[23]
- CinemAmbiente Festival, Turin – Gewinner Publikumspreis (Juni 2025)[24]
- Doc Edge Festival, Neuseeland – Gewinner In Truth We Trust Award (Juli 2025)[25]
- International Festival Signes de Nuit - Bangkok – Gewinner Internationaler Wettbewerb (Juli 2025)[26]
Einzelnachweise
- ↑ Freigabebescheinigung für Blame. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 273949).
- ↑ Blame. In: www.blame-documentary.com. Abgerufen am 20. September 2025 (englisch).
- ↑ Blame. In: swissfilms. Abgerufen am 23. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Blame by Christian Frei to open the 56th edition of Visions du Réel, a world première – News. In: Visions du Réel. 10. März 2025 (englisch).
- ↑ Wendong Li, Zhengli Shi, Meng Yu, Wuze Ren, Craig Smith, Jonathan H. Epstein, Hanzhong Wang, Gary Crameri, Zhihong Hu, Huajun Zhang, Jianhong Zhang, Jennifer McEachern, Hume Field, Peter Daszak, Bryan T. Eaton, Shuyi Zhang, Lin-Fa Wang: Bats Are Natural Reservoirs of SARS-Like Coronaviruses. In: Science. 310. Jahrgang, Nr. 5748, 28. Oktober 2005, S. 676–679, doi:10.1126/science.1118391, PMID 16195424, bibcode:2005Sci...310..676L (englisch).
- ↑ a b Allan Hunter: 'Blame' review: Three Covid-19 scientists fall victim to truth-twisting narratives. In: Screen. Abgerufen am 13. November 2025 (englisch).
- ↑ Interview with Swiss filmmaker Christian Frei, writer-director of COVID pandemic documentary Blame: "I wanted to be a filmmaker guided by curiosity, not ideology". In: World Socialist Web Site. 19. Juli 2025, abgerufen am 13. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Michael Sennhauser: BLAME von Christian Frei. In: Sennhausers Filmblog. 4. April 2025, abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ a b Blame – Films. In: Visions du Réel. Abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
- ↑ Blame. In: Official Film Website. Abgerufen am 13. November 2025 (englisch).
- ↑ Christian Frei: «Wenn nichts mehr wahr ist, wird alles möglich» - Visions du Réel 2025. In: arttv.ch. Abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ 'Blame' review: Three Covid-19 scientists fall victim to truth-twisting narratives. In: Screen International. Abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
- ↑ Mark Honigsbaum: Was it the bats all along? In: The Observer. Abgerufen am 22. September 2025 (englisch).
- ↑ «Blame»: Über Corona zu forschen, kann üble Nebenwirkungen haben. In: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ Franziska Meister: Dem Virus auf der Spur. In: WOZ Die Wochenzeitung. 4. April 2025.
- ↑ Anne-Sophie Scholl: Was wir von Fledermäusen lernen können. In: Republik. 7. April 2025 (republik.ch [abgerufen am 21. November 2025]).
- ↑ Corona: Das Virus, ein Forschungslabor und das missverstandenste Tier der Welt. 27. Mai 2025, abgerufen am 21. November 2025 (österreichisches Deutsch).
- ↑ Stephanie Schnydrig: Schweizer Filmemacher zeigt, wie Forschende wegen Covid in eine Hetzjagd gerieten. In: St. Galler Tagblatt. (tagblatt.ch [abgerufen am 21. November 2025]).
- ↑ Marcel Gyr: Ein Schweizer Dokumentarfilmer geht mit zwei umstrittenen Virenforschern in ein Retreat. In: Neue Zürcher Zeitung. via NZZ, 5. April 2025.
- ↑ Blame – Films. In: Visions du Réel. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Quel est ce film documentaire suisse qui risque de raviver les débats sur le Covid? 4. April 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Facebook. In: www.facebook.com. Abgerufen am 29. September 2025 (russisch).
- ↑ BLAME. In: DOK.fest München. Abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ THE WINNERS – 28th CinemAmbiente Festival. In: Festival Cinema Ambiente. 10. Juni 2025, abgerufen am 29. September 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Blame. In: Doc Edge. 1. Mai 2025, abgerufen am 29. September 2025 (neuseeländisches Englisch).
- ↑ International Festival Signs of the Night - Bangkok. In: signsofthenight.com. Abgerufen am 29. September 2025 (englisch).