BlackBerry (Film)

Film
Titel BlackBerry
Produktionsland Kanada
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2023
Länge 121 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Matt Johnson
Drehbuch Matt Johnson,
Matthew Miller
Produktion Fraser Ash,
Niv Fichman,
Kevin Krikst,
Matthew Miller
Musik Jay McCarrol
Kamera Jared Raab
Schnitt Curt Lobb
Besetzung

BlackBerry ist ein kanadischer Spielfilm von Matt Johnson aus dem Jahr 2023. Das Werk basiert auf dem 2015 erschienenen Sachbuch Losing the Signal: The Untold Story Behind the Extraordinary Rise and Spectacular Fall of BlackBerry der Journalisten Jacquie McNish und Sean Silcoff. Der Film wurde im Februar 2023 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin uraufgeführt.

Handlung

Im Jahr 1996 präsentieren Mike Lazaridis, CEO von Research in Motion (RIM), und sein bester Freund und Mitbegründer Douglas Fregin im kanadischen Waterloo ihr Konzept für ein innovatives Mobilgerät namens „PocketLink“ bei der Firma Sutherland-Schultz. Ihre Präsentation für den Manager Jim Balsillie verläuft erfolglos. Nachdem dieser jedoch von Sutherland-Schultz infolge seines zu hohen persönlichen Ehrgeizes entlassen wird, bietet er an, 20.000 US-Dollar für 50 % der Unternehmensanteile sowie eine Position als CEO von Research in Motion zu investieren. Auf Drängen Fregins lehnt Lazaridis das Angebot zunächst ab. Nachdem sich jedoch ein vermeintlich fester 16-Millionen-Dollar-Auftrag von U.S. Robotics wie von Balsillie im Gespräch vermutet in Luft auflöst, holen sie ihn als Co-CEO neben Lazaridis ins Boot und verkaufen ihm 33 % der RIM-Anteile für 125.000 Dollar. Kurz nach seinem Eintritt bei RIM stellt Balsillie fest, dass sich das Unternehmen in einer desolaten finanziellen Lage befindet, und verpfändet sein Haus, um die Gehaltszahlungen sicherzustellen.

Balsillie vereinbart einen Termin für die Präsentation des PocketLink bei Bell Atlantic und zwingt Fregin und Lazaridis, über Nacht einen groben Prototyp zu bauen, den er und Lazaridis nach New York bringen. Lazaridis vergisst den Prototyp im Taxi, sodass Balsillie den Pitch alleine durchführen muss, was aber aufgrund seiner mangelnden technischen Kenntnisse misslingt. Lazaridis findet den Prototyp in letzter Sekunde wieder und bringt den Pitch zu einem erfolgreichen Abschluss. Das Gerät wird in „BlackBerry“ umbenannt und erlangt großen kommerziellen Erfolg.

2003 plant Palm-CEO Carl Yankowski eine feindliche Übernahme von RIM. Balsillie versucht, den Aktienkurs zu steigern, indem er mehr Geräte verkauft, als das Netzwerk von Bell Atlantic (heute Verizon Communications) bewältigen kann. Wie Lazaridis vorausgesagt hatte, führt dies zum Zusammenbruch des Netzwerks. Um das Problem zu beheben, stellt Balsillie Ingenieure aus aller Welt ein, und installiert Charles Purdy als COO, um die Ingenieure auf Trab zu halten. Purdys strenger Führungsstil verärgert Fregin, der die lockere und angenehme Arbeitsatmosphäre schätzt. Unter Purdys Leitung gelingt es jedoch, die Netzwerkprobleme zu beheben und die Übernahme zu verhindern.

2007 bereitet RIM gerade die wichtige Präsentation des BlackBerry Bold bei Verizon vor, als Steve Jobs das iPhone ankündigt und die gesamte Medienaufmerksamkeit schlagartig auf Apple lenkt. Balsillie, ein Eishockeyfan mit dem langjährigen Ziel, ein NHL-Team zu besitzen, ist damit beschäftigt, die Pittsburgh Penguins zu kaufen, was Lazaridis dazu zwingt, den Bold stattdessen mit Fregin vorzustellen. Als es schlecht läuft, gerät Lazaridis in Panik und verspricht Verizon spontan den „BlackBerry Storm“ mit Touchscreen-Funktion. Als er schließlich Purdys Vorschlag zustimmt, die Produktion des Storm nach China auszulagern, beleidigt er Fregin während eines Streits. Fregin verlässt daraufhin RIM.

Als Balsillie die prognostizierten Verkaufszahlen des iPhones sieht, wird er nervös und versucht, ein Treffen mit dem CEO von AT&T zu vereinbaren. Doch er erfährt, dass der Verkauf der Penguins noch am selben Tag abgeschlossen wird. Er räumt den Penguins Vorrang ein, wird jedoch abgelehnt, als die NHL-Eigentümer von seinem Plan erfahren, das Team nach Hamilton zu verlegen. Die US-Börsenaufsicht SEC leitet Ermittlungen ein, nachdem sie erfahren hat, dass Balsillie die Ingenieure 2003 mit illegal rückdatierten Aktienoptionen eingestellt hatte. Lazaridis wird mit rechtlichen Schritten bedroht und belastet Balsillie schließlich bei der SEC, wodurch er alleiniger CEO von RIM wird.

Ein Jahr später trifft die Lieferung des BlackBerry Storm aus China ein. Lazaridis stellt fest, dass viele Geräte fehlerhaft sind und bei der Nutzung ein Summen erzeugen. Nachdem er kurz versucht hat, ein Gerät von Hand zu reparieren, enthüllt der Abspann, dass die meisten Storms nicht funktionierten und Verizon RIM aufgrund der entstandenen Verluste verklagte. Lazaridis trat 2012 als CEO zurück, Balsillie entging einer Gefängnisstrafe und Fregin wurde durch den Verkauf seiner Aktien im Jahr 2007 zu einem der reichsten Menschen der Welt. Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs hatte BlackBerry einen Anteil von 45 % am Handymarkt, heute liegt dieser Anteil bei 0 %, da BlackBerry-Handys nicht mehr produziert werden.

Produktion

Die Produzenten des Films sicherten sich die Rechte an dem Buch Losing the Signal: The Untold Story Behind the Extraordinary Rise and Spectacular Fall of BlackBerry von Jacquie McNish und Sean Silcoff, beides damals Journalisten der kanadischen Zeitung The Globe and Mail.[2][3] Daraufhin engagierten sie Matt Johnson als Regisseur, der sich mit The Dirties (2013) und Operation Avalanche in Kanada einem Namen gemacht hatte.[2] Den Machern war es wichtig, dass die Geschichte des BlackBerrys und der kanadischen Firma Research in Motion von einem kanadischen und nicht einem US-amerikanischen Team verfilmt wird.[4] Mit dem Produzenten und Drehbuchautor Matthew Miller begab Johnson sich auf eine achtmonatige Investigativrecherche, da die literarische Grundlage für den Film in ihren Augen zu „trocken“ war.[2] Einer der wichtigsten Ideengeber für den Film, war ein ehemaliger Angestellter BlackBerrys, der während der Anfangsjahre der Firma Tagebuch führte.[2] Johnsons Figur Doug basiert auf diesem Ex-Mitarbeiter und dem Mitgründer Doug Fregin.[2]

Die Arbeit von Kameramann Jared Raab setzt auf eine handgeführte, wackelige Kamera und wurde von Peter Debruge (Variety) mit The Office und Kabinett außer Kontrolle verglichen.[5][3]

Veröffentlichung

Die Premiere des Films erfolgte am 17. Februar 2023 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin.[6] In den kanadischen Kinos startete der Film am 12. Mai 2023.[7][8] In Deutschland kam der Film am 7. Dezember 2023 in die Kinos.

Mini-Fernsehserie

Eine erweiterte Version des Films wurde am 9. November 2023 als dreiteilige Miniserie auf CBC Television ausgestrahlt und enthält zusätzliches Filmmaterial, das in der Kinofassung nicht enthalten war.[9][10]

Rezeption

Bei Metacritic besitzt der Film eine aggregierte Wertung von 83, basierend auf zehn Kritiken.[11] Bei Rotten Tomatoes sind von 14 Kritiken 100 % positiv.[12]

Barry Hertz von der kanadischen The Globe and Mail bezeichnete BlackBerry als „lustig, schnell und nervenaufreibend“. Gleichzeitig sei der Film immer „höchst unterhaltsam“.[3]

Auszeichnungen

BlackBerry erhielt eine Einladung in den Wettbewerb um den Goldenen Bären, den Hauptpreis der Berlinale. Bei den Gotham Awards 2023 erhielt Glenn Howerton eine Nominierung als Beste Nebenrolle.[13] Bei den Golden Tomato Awards 2023 gewann der Film in der Kategorie Best Limited Release Movies.[14] Bei den Canadian Screen Awards 2024 gewann BlackBerry von 17 Nominierungen 14 Auszeichnungen, unter anderem für den besten Film.[15]

Literatur

  • Jacquie McNish, Sean Silcoff: Losing the Signal: The Untold Story Behind the Extraordinary Rise and Spectacular Fall of BlackBerry. Random House Business, London 2015, ISBN 978-1-84794-172-5.
Commons: BlackBerry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Freigabebescheinigung für BlackBerry. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 250300).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b c d e Manori Ravindran: How ‘BlackBerry’ Director Matt Johnson Used His ‘Broke Filmmaker Tools’ With a Multi-Million-Dollar Budget to Tell a Great Canadian Story (EXCLUSIVE). In: Variety. 17. Februar 2023, abgerufen am 20. Februar 2023 (englisch).
  3. a b c Barry Hertz: Matt Johnson’s riotous film BlackBerry is a new Canadian classic. In: The Globe and Mail. 17. Februar 2023, abgerufen am 20. Februar 2023 (englisch).
  4. OnePress TV: 'BlackBerry' press conference – Berlinale 2023 auf YouTube, 17. Februar 2023, abgerufen am 20. Februar 2023 (englisch; Laufzeit: 44:13 Min.).
  5. Peter Debruge: ‘BlackBerry’ Review: A Ferocious and Nearly Unrecognizable Glenn Howerton Steals This Rowdy Tech-World Satire. In: Variety. 17. Februar 2023, abgerufen am 20. Februar 2023 (englisch).
  6. BlackBerry. In: berlinale.de. Abgerufen am 7. Februar 2023.
  7. Harry Rosen: Jay Baruchel stars on front cover of Harry Rosen's Harry magazine following the launch of his new feature film, BlackBerry. In: Newswire.ca. 9. März 2023, abgerufen am 9. März 2023 (englisch).
  8. Pete Hammond: ‘BlackBerry’ Berlin Film Festival Review: A Biopic Of A Smartphone Turns Out To Be As Triumphant And Tragic As ‘Elvis’. In: Deadline Hollywood. 17. Februar 2023, abgerufen am 17. Februar 2023 (englisch).
  9. Alex Hudson: ‘BlackBerry’ Is Being Turned into a TV Series. In: Exclaim! 1. Juni 2023, abgerufen am 16. August 2023 (englisch).
  10. CBC Sets Fall 2023 Streaming and Broadcast Premiere Dates. In: CBC Television. 23. August 2023, abgerufen am 7. Oktober 2023 (englisch).
  11. BlackBerry Reviews. In: Metacritic. Abgerufen am 24. Februar 2023 (englisch).
  12. BlackBerry. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 24. Februar 2023 (englisch).
  13. Jill Goldsmith: Gotham Awards Nominations: ‘All Of Us Strangers’ Tops Movie List; Ryan Gosling Gets ‘Barbie’ Nom With Budget Caps Removed. In: Deadline. 24. Oktober 2023, abgerufen am 25. Oktober 2023 (englisch).
  14. Best Limited Release Movies 2023. In: Rotten Tomatoes. 10. Januar 2024, abgerufen am 11. Januar 2024 (englisch).
  15. Jackson Weaver: 2024 Canadian Screen Awards: BlackBerry becomes most awarded title in ceremony's history. In: CBC News. 27. Mai 2024, abgerufen am 1. Juni 2024 (englisch).