Björn Andrésen

Björn Johan Andrésen (* 26. Januar 1955 in Stockholm; † 25. Oktober 2025 ebenda[1]) war ein schwedischer Schauspieler und Musiker. Berühmtheit erlangte er vor allem durch seine Darstellung des Tadzio in Luchino Viscontis Literaturverfilmung Tod in Venedig aus dem Jahr 1971.

Leben und Karriere

Andrésen wuchs nach dem frühen Tod seiner Mutter bei seiner Großmutter auf, auf deren Wunsch hin er an Castings als Schauspieler und Model teilnahm.[2] Er war Schüler an der Musikschule Adolf Fredriks Musikklasser in Stockholm. Er hatte bis dahin nur eine Nebenrolle im Film Eine schwedische Liebesgeschichte übernommen, als er mit 15 Jahren die Rolle des Tadzio in Luchino Viscontis Film Tod in Venedig nach der Novelle Der Tod in Venedig von Thomas Mann erhielt. Der Film machte den Schauspieler international bekannt, der sich allerdings später über den plötzlichen Ruhm und die daraufhin an den Teenager herangetragenen sexuellen Avancen von Männern und Frauen kritisch äußerte. Die Feministin Germaine Greer kritisierte er dafür, sein Bild auf dem Titelblatt ihres kontroversen Buches The Beautiful Boy (2003) ohne seine Zustimmung verwendet zu haben.[3] In einem Interview mit dem Magazin Stern äußerte sich Andrésen im Jahr 2002 zwiespältig über seinen Ruhm, der auf der Rolle des Tadzio beruhte:

„Tadzio war zwar kein Trauma, aber doch ein lästiger Schatten. Ein Leben ohne ihn wäre auf jeden Fall leichter gewesen, aber auch weniger interessant.“[4]

Nach dem Erfolg mit Tod in Venedig ging er für einige Zeit nach Japan, wo er als Sänger mehrere Hitsongs hatte und zum Teenager-Star avancierte.[3] Später folgten Auftritte in schwedischen Filmen und Fernsehserien, wobei er sich mit seiner Rollenwahl meist bewusst von dem Tadzio-Image zu lösen versuchte. Nur wenige von Andrésens späteren Produktionen, darunter eine wiederkehrende Rolle in der Serie Springflut sowie eine Gastrolle in der Krimireihe Mankells Wallander, wurden im deutschsprachigen Raum ausgestrahlt. 2019 hatte er eine Nebenrolle im international erfolgreichen Horrorfilm Midsommar von Ari Aster. Daneben war er in den 1980er Jahren Manager eines kleinen Theaters. Andrésen sah sich selbst allerdings in erster Linie als Musiker, da dies noch vor der Schauspielerei seine Leidenschaft war.[5] Er spielte in verschiedenen Bands, darunter der Sven Erics dance band, und gab privaten Musikunterricht.[4]

Andrésen lebte in einer kleinen Wohnung in Stockholm; mit seiner Frau Susanna Román hatte er eine 1984 geborene Tochter namens Robine. Sein 1986 geborener Sohn Elvin starb im Alter von neun Monaten durch plötzlichen Kindstod, was zur Trennung des Ehepaares führte.[3][5] 2021 erschien der Dokumentarfilm The Most Beautiful Boy in the World, ein Porträt von Andrésen, das dessen Überforderung mit dem frühen Ruhm und sein seitdem oftmals schwieriges Leben zum Thema hat.[6] Andrésen starb im Oktober 2025 im Alter von 70 Jahren an einer Krebserkrankung.[7]

Filmografie

  • 1970: Eine schwedische Liebesgeschichte (En kärlekshistoria)
  • 1971: Tod in Venedig (Morte a Venezia)
  • 1977: Bluff Stop
  • 1982: Den enfaldige mördaren
  • 1982: Junggesellen für eine Woche (Gräsänklingar)
  • 1985: Smugglarkungen
  • 1985: Svenska brott (Fernsehserie, eine Folge)
  • 1986: Morrhår & ärtor
  • 1987: Lysande landning (Fernsehfilm)
  • 1989: Maskrosbarn (Fernsehfilm)
  • 1989: Det var då … (Fernsehserie, eine Folge)
  • 1990: Lucifer Sensommer – gult og sort
  • 1991: Agnes Cecilia – En sällsam historia
  • 1992: Kojan (Kurzfilm)
  • 1994: Rederiet (Fernsehserie, eine Folge)
  • 2003: Belinder auktioner (Fernsehserie, eine Folge)
  • 2004: Pelikaanimies
  • 2004: Graven (Fernsehserie, zwei Folgen)
  • 2005: Lasermannen (Fernsehserie, zwei Folgen)
  • 2006: Väldarnas Bok (Fernsehserie, fünf Folgen)
  • 2010: Mankells Wallander: Das Erbe (Fernsehserie)
  • 2014: Gentlemen
  • 2014: Reya
  • 2016: Gentlemen & Gangsters (Fernsehserie, drei Folgen)
  • 2016: Shelley
  • 2016: The Lost Ones
  • 2016–2018: Springflut (Springfloden; Fernsehserie, sechs Folgen)
  • 2017: Jordskott – Die Rache des Waldes (Jordskott; Fernsehserie, drei Folgen)
  • 2019: Midsommar
  • 2021: Agatha Christies Hjerson (Fernsehserie, acht Folgen)

Auftritte in Dokumentarfilmen (Auswahl)

Literatur

  • Gilbert Adair: Adzio und Tadzio. Wladyslaw Moes, Thomas Mann, Luchino Visconti: Der Tod in Venedig. Übers. aus dem Engl. von Thomas Schlachter. Ed. Epoca, Zürich 2002. ISBN 3-905513-28-5
Commons: Björn Andrésen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. „Der schönste Junge der Welt“ ist tot. In: t-online.de. 27. Oktober 2025, abgerufen am 30. Oktober 2025.
  2. n-tv Nachrichten: "Schönster Junge der Welt" Björn Andrésen ist tot. Abgerufen am 27. Oktober 2025.
  3. a b c Matt Seaton: Bjorn Andresen talks to Matt Seaton. In: The Guardian. 16. Oktober 2003, ISSN 0261-3077 (britisches Englisch, theguardian.com [abgerufen am 7. Mai 2019]).
  4. a b Bianca Lang: Interview mit Björn Andrésen: Tadzio war ein lästiger Schatten. In: stern.de, 13. März 2002, abgerufen am 8. Mai 2013.
  5. a b Erik Eje Almqvist: Världens vackraste pojke. In: Magasinet Filter. 13. Juli 2016, abgerufen am 7. Mai 2019 (schwedisch).
  6. Kimberly Nordyke: Björn Andrésen, Teen Actor in 1971’s ‘Death in Venice,’ Dies at 70. In: hollywoodreporter.com. 26. Oktober 2025, abgerufen am 27. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
  7. Bjorn Andresen, Reluctant ‘Most Beautiful Boy,’ Dies at 70. 29. Oktober 2025 (nytimes.com [abgerufen am 27. November 2025]).