Biologische Station Hochsauerlandkreis
Das Naturschutzzentrum – Biologische Station Hochsauerlandkreis oder Biologische Station Hochsauerlandkreis, kurz Biologische Station HSK (BS-HSK), ist eine Biologische Station im Hochsauerlandkreis. Der Sitz der Station war von 1993 bis 2017 in Schmallenberg-Bödefeld und seit 2017 in Brilon. Hauptaufgabe ist die Betreuung der 5 Vogelschutzgebiete, 54 FFH-Gebiete, 588 Naturschutzgebiete und anderer Schutzgebiete im Hochsauerlandkreis, ferner von Grundstücken, welche für Naturschutzzwecke vom Land Nordrhein-Westfalen und der NRW-Stiftung angekauft wurden. Betreut werden in Naturschutzgebiete rund 31.295 ha Fläche (Stand 2025) im Kreis. Die Hauptfinanzierung erfolgt über die Förderrichtlinie Biologischer Stationen, danach wird die Station zu 80 % vom Land Nordrhein-Westfalen und zu 20 % vom Hochsauerlandkreis finanziert. Hinzu kommen durch verschiedenste Projekte eingeworbene Drittmittel für Personal und Maßnahmen. Die Station erstellt bei der Betreuung u. a. Pflege- und Entwicklungspläne. Darüber hinaus sorgt die Station mit wissenschaftlicher Begleitung für den Schutz und die Erfassung gefährdeter Pflanzen- und Tierarten. Ein wichtiges Projekt ist die Betreuung des Vogelschutzgebietes Medebacher Bucht. Ferner die Betreuung europäischer Naturschutzprojekte und andere Aspekte im Natur- und Umweltschutz.[1]
Geschichte
Die BS-HSK startete 1993 mit drei Mitarbeiter:innen. 2023 waren zehn wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, eine Verwaltungskraft, zwei Vorarbeiter für Landschaftspflege sowie bis zu sieben Personen in Freiwilligendiensten beschäftigt.[1]
Aufgaben
Die Station hat ein breites Aufgabenspektrum.
- Landschafts-, Arten- und Biotopschutz
- Betreuung von Schutzgebieten im Hochsauerlandkreis
- Betreuung und Pflege ausgewählter Einzelflächen (z. B. Orchideenwiesen, Stillgewässer) und Durchführung gezielter Maßnahmen zum Artenschutz
- Fachliche Beratung und Unterstützung von Privatpersonen, Initiativen, Verbänden und Kommunen
- Umweltbildung[1]
In Bödefeld betrieb die BS-HSK bis 2017 ein kleines Erlebnismuseum. Das Erlebnismuseum gab einen Überblick über die Flora und Fauna sowie den Naturschutz im Hochsauerland.[1]
Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht
Biologische Station HSK war und ist Projektträger verschiedener LIFE-Projekte der Europäischen Union z. B. im Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht. 1997 stellte das Land NRW 2,5 Mill. DM zur Verbesserung der Lebensräume des Raubwürgers in der Medebacher Bucht zur Verfügung. Diese Gelder waren verteilt auf fünf Jahre bewilligt. Die Durchführung des Projektes lag in der Hand der BS-HSK.[2] Von 2005 bis 2009 lief im Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht ein LIFE-Projekt der Europäischen Union mit der BS-HSK als Projektträger. Während des LIFE-Projekt wurden unter anderem Gewässerrenaturierungen an den Flüssen Nuhne, Orke und Gelänge durchgeführt. Über 1000 Meter Uferverbau konnten an der Nuhne entfernt werden, damit sich natürliche Ufer- und Sohlstrukturen entwickeln können. An Nuhne, Gelänge und Orke wurden insgesamt 74 Wehre umgebaut und sind nun für Fische und andere Kleinorganismen wieder passierbar. Vier Naturwanderwege wurden angelegt und multimediale Ausstellungen in Medebach und Hallenberg eingerichtet. Mit der Heugrasansaat, mit Mähgut aus der Medebacher Bucht, beimpfte die Station ehemals artenarme Standorte. Zwei Doppelmessermähbalken, welche aus Projektmitteln angekauft wurden, können nach Anfrage bei der Biologischen Station an interessierte Landwirte ausgeliehen werden. Auf dem Hilmesberg bei Hesborn wurden großflächig standortfremde und monotone Fichtenbestände entfernt. Die Flächen wurden in einem speziellen Anspritzverfahren mit Heidesamen geimpft. Die beiden Beerenarten Blaubeere und Preiselbeere wurden mit autochthonen abgeplaggten Soden ausgebracht.[3]
Im Dezember 2016 wurde der Landschaftspflegeverein Medebacher Bucht gegründet, um den Artenschutz im Vogelschutzgebiet zu stärken. Neben Landwirten aus der Medebacher Bucht sind die Städte Hallenberg und Medebach, der Verein für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerlandkreis und der Landwirtschaftliche Kreisverband Hochsauerlandkreis Mitglieder im Verein. Die Geschäftsführung liegt bei der BS-HSK. Der Landschaftspflegeverein Medebacher Bucht war der erste Landschaftspflegeverein in Westfalen. Ein Schwerpunkt ist die Heckenpflege um den zurück gegangenen Neuntöterbestand im Vogelschutzgebiet wieder anzuheben. Ferner sollen Brachflächen gemäht werden und Streuobstwiesen angelegt werden.[4] 2018 wurde z. B. eine Weihnachtsbaumkultur wieder in Grünland zur Beweidung umgewandelt. Die Fläche soll dem Neuntöter als Brutplatz dienen.[5]
2019 wurde der Vogelschutz-Maßnahmenplan (VMP) EU-Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen veröffentlicht, bei dem die BS-HSK zuarbeitete.[6]
Freiwilligendienste im Landschaftspflegetrupp und Praktika
Die Biologische Station bietet Freiwilligendienste und Praktika an. Bis 2011 konnten bis zu fünf Männer Zivildienst in der Station leisten. Heute stehen sieben Stellen im Bundesfreiwilligendienst (BFD) und Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) zur Verfügung.[1] Neben den Freiwilligen gibt es im Landschaftspflegetrupp zwei Vorarbeiter. Schwerpunkte der Arbeiten im Landschaftspflegetrupp sind praktische Landschaftspflegearbeiten wie Mahd von Feuchtwiesen, Gehölzarbeiten, Entbuschungen, Obstbaumpflanzungen und Zaunbau. Durch den Landschaftspflegetrupp werden solche Maßnahmen umgesetzt, die nicht an Unternehmer vergeben werden können, da sie zu kleinflächig oder zu kompliziert sind oder die ohne Verzug umgesetzt werden müssen, um Schäden an der Natur zu verhindern.[7][8][9]
Fotogalerie Landschaftspflegetrupps
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Mulchraupe im Einsatz
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Reifen-Entsorgung
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Zaunbau
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Poster FOJ und BFD
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Abräumen Mahdgut
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Baumfällung
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Entbuschte Fläche
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Häcksler im Einsatz
Trägerschaft
Die Biologische Station Hochsauerlandkreis e.V. wird von einem Trägerverein getragen. In diesem Trägerverein sind Vertreter verschiedener Vereine und Institutionen Mitglieder. Es handelt sich um den Hochsauerlandkreis, den Verein für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerlandkreis, die Landwirtschaftskammer Kreisstelle Hochsauerland, Olpe, Siegen-Wittgenstein, der Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband. Andere Vereine und Privatpersonen können nur Fördermitglieder, ohne Stimmrecht, im Verein werden.[1]
Literatur
- Werner Schubert, Holger Krafft, Ruth Bindewald, Katharina Wrede, Pia Milleg: Die Biologische Station Hochsauerlandkreis (1993–2023). Irrgeister 40, 2023: 10–24.
- Petra Salm, Birgit Beckers, Antonius Klein, Katharina Koch, Holger Krafft, Obergruber Hans, Werner Schubert, Ursula Siebel: Naturschätze Südwestfalens entdecken: 50 ausgewählte Gebiete für Naturliebhaber 2014
- Werner Schubert, Marc Sommereisen, Luise Hauswirth, Richard Götte, Axel M. Schulte, Katharina Wrede, Hans Jürgen Geyer: Strategie zum Erhalt gefährdeter Pflanzenarten in den Kreisen Hochsauerland und Soest.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Werner Schubert, Holger Krafft, Ruth Bindewald, Katharina Wrede, Pia Milleg: Die Biologische Station Hochsauerlandkreis (1993-2023). Irrgeister 40, 2023: 10-24.
- ↑ Johannes Schröder: Skandal um das Vogelschutzgebiet "Medebacher Bucht". In: Irrgeister. 14, 1997, S. 4–7.
- ↑ Medebacher Bucht – Baustein für Natura 2000, auf medebacher-bucht.de
- ↑ Bauern und Naturschützer gründen Landschaftspflegeverein Westfalenpost vom 2. Dezember 2016
- ↑ Landschaftspflegeverein Medebacher Bucht präsentiert Projekt Westfalenpost vom 3. Juli 2018
- ↑ Vogelschutzmaßnahmenplan Medebacher Bucht
- ↑ FÖJ- Bericht 2023/2024 August-Januar Homepage BS-HSK
- ↑ Fotogalerie Arbeiten Landschaftspflegetrupp Homepage BS-HSK
- ↑ Martin Lindner: Pflegeeinsätze des Landschaftspflegetrupps der Biologischen Station im Winter 2020/21 auf Grünlandflächen. Irrgeister 38, 2021: 54–57.