Biodiversitätszentrum Oberösterreich

Das Biologiezentrum Linz oder Biodiversitätszentrum Oberösterreich ist eine naturwissenschaftliche Forschungs- und Sammlungseinrichtung der OÖ Landes-Kultur GmbH im statistischen Bezirk Dornach-Auhof in Linz, Oberösterreich.[1][2]

Geschichte

Am Beginn der oberösterreichischen Forschungs- und Sammlungsgeschichte stand Anton Ritter von Spaun mit der Gründung des Oberösterreichischen Musealvereins 1833 in Linz. Ziel des Vereins waren die Förderung der Landeskunde und die Errichtung eines Museumsgebäudes.[3] Als vorübergehender Ausstellungsort der naturwissenschaftlichen Sammlung wurden Räumlichkeiten im ständischen Expeditorhaus an der Linzer Promenade adaptiert.[4][5] Am 29. Mai 1895 wurde das Museumsgebäude Francisco-Carolinum in der Linzer Museumstraße eröffnet. In ihm befanden sich das Personal und die Sammlung der naturwissenschaftlichen Abteilung bis 1992.

1993 wurde die Sammlung in das Biologiezentrum Dornach im Linzer Bezirk Dornach-Auhof verlegt. Es befindet sich in einem 1942 errichteten, adaptierten Gebäude des ehemaligen NS-Arbeiterlager Dornach. Das umliegende, 12000 Quadratmeter große Grundstück wurde schrittweise zu einem naturnahen Ökopark mit landestypischen Biotopen wie Moortümpel und Granitsteinhaufen umgestaltet. Der Park beherbergt heute zahlreiche seltene Arten, etwa die Tagfalter-Art Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling.[6]

2007 wurde das Biologiezentrum in das europäische Konsortium für taxonomische Einrichtungen CETAF aufgenommen. Es zählt damit zu den bedeutendsten Naturmuseen Europas.[1] 2020 wurde die Einrichtung in die neugegründete OÖ Landes-Kultur GmbH unter der OÖ Landesholding eingegliedert und in Biodiversitätszentrum Oberösterreich umbenannt.[7]

Sammlungen, Forschung und Publikationen

Das Biologiezentrum Linz beherbergt umfangreiche Sammlungen und wissenschaftliche Datenbanken, initiiert Forschungsprojekte und publiziert wissenschaftliche Zeitschriften und Reihen.[8]

Sammlungen

  • Geowissenschaftliche Sammlungen (über 100.000 Fossilien, Mineralien und Gesteine)
  • Sammlung Wirbellose (mehrere Millionen Objekte)
  • Botanische Sammlungen (1,1 Millionen Belege)
  • Entomologische Sammlungen (5 Millionen Exemplare)
  • Sammlung Wirbeltiere (mehr als 36.000 Einzelobjekte von etwa 1700 Arten)

Wissenschaftliche Datenbanken und Forschungsprojekte

  • Zoologisch-botanische Datenbank ZOBODAT
  • Brutvogelatlas für Oberösterreich
  • Verbreitungsatlas der Säugetiere Oberösterreichs
  • Evolution und Verbreitung der Moostierchen
  • Biogeographie und Evolution bei Pflanzen

Wissenschaftliche Zeitschriften und Reihen

  • Linzer biologische Beiträge
  • Stapfia
  • Denisia
  • Beiträge zur Naturkunde Oberösterreichs
  • Vogelkundliche Nachrichten aus Oberösterreich, Naturschutz aktuell
Commons: Biodiversitätszentrum Oberösterreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Land Oberösterreich, Oberösterreichisches Landesmuseum, Biologiezentrum (Hrsg.): Biologiezentrum. Oberösterreichisches Landesmuseum. Linz 2018, S. 5 (zobodat.at [PDF]).
  2. Biodiversitätszentrum Oberösterreich. In: OÖ Landes-Kultur GmbH. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  3. Zwei Traditionsvereine gehen gemeinsame Wege. In: Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  4. Schlossmuseum Linz – Führer durch die Sammlungen. In: Land Oberösterreich, Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Oberösterreichisches Landesmuseum (Hrsg.): Museumsführer und zur Geschichte des Oberösterreichischen Landesmuseums. Linz 1978, S. 18 (zobodat.at [PDF]).
  5. Bernhard Prokisch: Das Museum Francisco-Carolinum. In: Biologiezentrum Linz Sonderpublikationen. Sonderband: 150 Jahre Oberösterreichisches Landesmuseum, Oberösterreichischer Musealverein. Linz 1983, S. 43 (zobodat.at [PDF]).
  6. Gerlinde Kaineder, Bianca Seitlinger: Ökopark Vermittlungskonzept. Forschungswochen. Linz 2017 (landesmuseum.at [PDF]).
  7. Über uns. In: OÖ Landes-Kultur GmbH. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  8. Land Oberösterreich, Oberösterreichisches Landesmuseum, Biologiezentrum (Hrsg.): Biologiezentrum. Oberösterreichisches Landesmuseum. Linz 2018, S. 11–43 (zobodat.at [PDF]).

Koordinaten: 48° 20′ 13,9″ N, 14° 18′ 43,8″ O