Max Bill – Das absolute Augenmaß
| Film | |
| Titel | bill – das absolute augenmass |
|---|---|
| Produktionsland | Schweiz |
| Originalsprache | Deutsch, Schweizerdeutsch |
| Erscheinungsjahr | 2008 |
| Länge | 94 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Erich Schmid |
| Drehbuch | Erich Schmid |
| Produktion | Erich Schmid, Filippo Bonacci |
| Musik | André Bellmont |
| Kamera | Ueli Nüesch |
| Schnitt | Antoine Boissonnas |
bill – das absolute augenmass ist ein Dokumentarfilm von Erich Schmid über den Schweizer Architekten, Bildhauer, Grafiker und Maler Max Bill. Er zeichnet dessen berufliche Biografie nach, zeigte zahlreiche Werke im zeitlichen Kontext und vermittelt Bills Kunstverständnis sowie seine politische Haltung.
Der Film basiert zu wesentlichen Teilen auf Schilderungen von Angela Thomas, der zweiten Ehefrau und Witwe von Max Bill, welcher der Film gewidmet ist. Durch einmontierte historische Filmausschnitte lässt er Bill immer wieder auch selbst zu Wort kommen. Hinzu kommen Erinnerungen von zahlreichen Personen, die Bill persönlich kannten, insbesondere Gottfried Honegger.
Der Titel des Films basiert auf einer Formulierung von Hans Bissegger.[1]
Inhalt
Zunächst wird Bills Jugend als Sohn des Bahnhofsvorstehers von Winterthur geschildert. Während eines Aufenthalts im Erziehungsheim in Oetwil am See, in das ihn seine Eltern nach einem Kioskdiebstahl verbrachten, begann er als 15-Jähriger zu malen.[2] Später begann er eine Berufslehre als Silberschmied und besuchte die Kunstgewerbeschule Zürich. Sophie Taeuber-Arp, die dort unterrichtete, verhalf dem erst 17-Jährigen zur Teilnahme an einer Kunstausstellung in Paris.
1926 wurde Bill aus disziplinarischen Gründen von der Schule verwiesen. Er begann daraufhin sein Studium am Bauhaus in Dessau, das er aus dem Gewinn eines Plakatwettbewerbs finanzierte. Ein Unfall an der Bauhausbühne, bei dem ihm zahlreiche Zähne ausgeschlagen wurden, zwang ihn jedoch, sein Studium abzubrechen und in die Schweiz zurückzukehren.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war Bill «ein Anti-Faschist der ersten Stunde»:[3] Während er seinen Lebensunterhalt als Werbegrafiker verdiente, gestaltete er Plakate und Publikationen, die sich gegen den Faschismus stellten (u. a. Die Nation, Information). In diesem Zusammenhang begegnete er auch Ignazio Silone.
Bill lernte die französische Schauspielerin Maria Benz kennen. Um deren Ausweisung zu verhindern, beschlossen die beiden nach kurzer Zeit, zu heiraten. Sein Vater war jedoch entschieden gegen diese Verbindung, und Bill musste sich fügen, weil er bei ihm verschuldet war. 1931 heiratete Bill stattdessen die Fotografin Binia Spörri.
Während der Herrschaft der Nationalsozialisten beherbergte Bill verschiedene Flüchtlinge, u. a. Alfred Thomas, Friedrich Vordemberge-Gildewart und seine Frau Ilse Engelina Vordemberge, Max Ernst sowie Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp. Letztere starb in seinem Haus in Höngg an einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung (Bill spricht im Film fälschlicherweise von «Kohlendioxyd»),[4] nachdem sie nachts den Ofen im Gästezimmer einfeuerte, ohne die Kaminklappe zu öffnen.
Bills Schaffen war von der Konkreten Kunst geprägt, die in einem starken Gegensatz zum traditionellen Kunstbegriff der damaligen Zeit stand. In einer Sequenz schildert er, wie er durch die Rückbesinnung auf die Musik und die Mathematik zu seiner eigenen künstlerischen Weg in Plastik und Malerei fand.[5]
18 Jahre nach seinem Ausschluss als Schüler wurde Max Bill als Lehrer an die Kunstgewerbeschule Zürich berufen. Einer seiner Schüler war sein späterer Assistent Ernst Scheidegger. Dieser schildert im Film, wie Bills Skulptur «Kontinuität» im Arboretum 1948 durch Vandalen zerstört wurde.
Wegen eines Konflikts mit Direktor Johannes Itten verliess Bill die Kunstgewerbeschule Zürich wieder. Im Auftrag der US-amerikanischen Besatzungsmacht verfasste er eine Studie über die Architektur- und Kunst-Hochschulen in Deutschland. In der Folge baute er als Architekt und erster Rektor die Hochschule für Gestaltung Ulm auf, die er als eine Weiterentwicklung des Bauhauses verstand. Weil er Änderungen im Ausbildungskonzept nicht akzeptieren wollte, trat er 1955 als Rektor zurück.
Der Film geht auch kurz auf die politische Tätigkeit Max Bills ein. Als Nationalrat kritisierte er die Geschäfte der Schweizer Banken mit dem Apartheid-Regime und setzte sich gegen Atomkraftwerke ein. Aufgrund seiner Haltung wurde er vom schweizerischen Staatsschutz 50 Jahre lang observiert; in einer Fiche wird er als «Linksextremist» bezeichnet.[6]
Weitere Sequenzen widmen sich der Pavillon-Skulptur an der Zürcher Bahnhofstrasse, dem Théâtre Vidy-Lausanne, Bills Atelierhaus in Zumikon sowie der Verleihung des Praemium Imperiale 1993. Zudem schildert Angela Thomas, dass Bill 1977 wegen eines Tumors ein Auge entfernt und durch ein Glasauge ersetzt werden musste.[7]
Bill starb 1994 auf dem Flughafen Berlin-Tegel an einem Herzversagen. Seinen Wunsch, an der Pavillon-Skulptur beigesetzt zu werden, lehnte die Stadt Zürich ab. Angela Thomas hat seine Asche dennoch heimlich bei dieser Skulptur verstreut, wie sie in der Schlusssequenz offenbart.[8]
Medienberichterstattung
- Barbara Basting. Bill : das absolute Augenmass : Erich Schmid. Filmbulletin 7/2008, S. 26.
- Pia Zeugin. Ganz nah am genialen Rebellen. Bieler Tagblatt, 16. Januar 2009.
Weblinks
- bill – das absolute augenmass auf Play Suisse
- Max Bill – Das absolute Augenmaß bei IMDb
- bill – das absolute augenmass bei Swiss Films
- Dokumentation auf der Website von Erich Schmid
Einzelbelege und Anmerkungen
- ↑ bill – das absolute augenmass, 01:23:10
- ↑ bill – das absolute augenmass, 00:07:45
- ↑ bill – das absolute augenmass, 00:17:20
- ↑ bill – das absolute augenmass, 00:32:30
- ↑ bill – das absolute augenmass, 00:34:15
- ↑ bill – das absolute augenmass, 00:59:45
- ↑ bill – das absolute augenmass, 01:20:30
- ↑ bill – das absolute augenmass, 01:28:15