Bildschöner Bengtsson
Bernhard Harald Bengtsson (* 28. Juli 1893 auf einem Bauernhof im Umfeld von Vittsjö; † 9. Juni 1966 in Göteborg) war ein schwedischer Verbrecher, der durch die ausschweifende Berichterstattung über seine Taten in der Presse und durch markante Aussagen von Beamten in ganz Schweden Bekanntheit erlangte. Ein von der Gemeinde Askersund eingesetzter Staatsanwalt, der eigentlich als Hauptankläger fungierte, beschrieb ihn mit „ein bildschöner Jüngling mit vertrauenerweckendem Aussehen“, was dazu führte, dass er landesweit mit dem Spitznamen Bildschöner Bengtsson beschrieben wurde.[1]
Kindheit und Jugend
Bengtssons Vater war Tischler und starb, als Bernhard zwei Jahre alt war. Im Jahr davor kam noch ein Bruder zur Welt. Seine Mutter gab ihn nach einiger Zeit an einen Bekannten ab, der einen größeren Hof hatte. Da es dort auch zu Problemen kam, wurde Bernhard zu seiner Tante geschickt. Bis zu seinem 13. Geburtstag übernachtete er mehrmals ohne sich Abzumelden im Wald, wo er sich vorstellte ein moderner Nils Dacke zu sein. Dann meinte Bengtsson, dass er als Schiffsjunge unabhängig sein könnte, doch das genaue Gegenteil war der Fall. Er wurde von den älteren Jahrgängen misshandelt. Bei einer Fahrt mit einem Segelboot stellte er zusätzlich fest, dass er sehr leicht seekrank wird, worauf er sich wieder an Land begab.[2]
Bengtsson konnte keine Ausbildungszeugnisse vorweisen und so lebte er als Landstreicher, bis er 1909 im Ort Bona in Östergötland in eine Besserungsanstalt verwiesen wurde. Aus dieser brach er mehrfach aus und kam bei einer Reise bis Kopenhagen, wo man fünf Revolver bei ihm fand. Das führte zu seiner ersten Verhaftung. Bengtssons Wunsch nach Amerika auszureisen ging nicht in Erfüllung und so setzte er seine kriminelle Laufbahn fort.[2]
Die folgenden 35 Jahre
Ab etwa 1910 hatte sich Bengtsson auf das Sprengen von Geldschränken spezialisiert. Da er oft gefasst wurde, verbrachte er die meiste Zeit bis 1945 hinter Gittern. Besondere Berühmtheit erlangten seine Taten aus den 1930er Jahren, die er zusammen mit einem Komplizen ausführte, der als „tätowierter Johansson“ bekannt war. Da niemals die Gesundheit von Personen angegriffen wurde, wurde Bengtsson in der Öffentlichkeit als neuer Robin Hood betrachtet.[1]
Überregionale Aufmerksamkeit brachte ein Doppeleinbruch am 25. August 1933 in Norrköping hervor. Durch die dort ansässigen Kneippkurbäder waren einige Einwohner zu Vermögen gekommen. In der ersten besuchten Villa kamen die Kumpane nur an wenige recht wertlose Gegenstände. Dazu zählte jedoch eine Leiter, mit der sie das offene Fenster einer anderen Villa erreichten. Dort fanden sie einen Schrein mit Wertsachen, wie Fingerringen und einer Armbanduhr, die mit Diamanten und Perlen besetzt waren. Zusätzlich stahlen sie eine Geldbörse, so dass die Gesamte Beute zu diesem Zeitpunkt einen Wert von 3.000 Kronen hatte. Für diese Diebstähle blieb anfänglich unbekannt, wer sie begangen hatte. Der Bildschöne Bengtsson und sein Komplize galten jedoch verdächtig für eine Reihe von Registrierkassen-Sprengungen. Als das vermutete Fahrzeug der Ganoven in Kumla eintraf, wurden sie von der Polizei erwartet. Bei der darauf folgenden Verfolgungsjagd ging das Auto zu Bruch, doch die Kumpane konnten zu Fuß in den Wald flüchten. Da das Fahrzeug zuvor dem Vorsteher einer Holz- und Eisenfabrik in Grytgöl in der Gemeinde Finspång gestohlen wurde, konzentrierte sich die Suche auf diese Region. Durch Beobachtungen eines Fabrikarbeiters wurde das Zeltlager der Komplizen ausfindig gemacht. Die Festnahme wurde durch den tätowierten Johansson, der mit einer Pistole um sich schoß verhindert, doch einen großen Teil der Beute mussten sie zurücklsassen. In den nächsten Tagen wurden die Verbrecher von allen Personen, die eine Waffe besaßen, in der näheren Umgebung gesucht, doch sie waren schnell zu einem anderen Versteck weiter südlich gezogen.[1]
Die Polizeisuche weitete sich jedoch nach Norden bis nach Stockholm aus. Nur durch einen unverbindlichen Hinweis konnten Bengtsson und Johansson im Raum Göteborg gefunden werden, wo am 30. Oktober 1934 die Festnahme stattfand. Bei der Gerichtsverhandlung konnte den beiden nur eine Reihe von jünger zurückliegenden Taten bewiesen werden, so dass sie zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt wurden. Der Bildschöne Bengtsson kam aufgrund eines Ausbruchsversuches und einer Zeit in der Psychatrie erst nach zehn Jahren frei. Danach lebte er bis zu seinem Tod zurückgezogen als Schneider, obwohl eifrige Journalisten und Damen, die seine Taten aufregend fanden, versuchten in seine Nähe zu kommen.[3]
Kulturelle Verarbeitung
Der bei der Festnahme 1934 gedrehte Film wurde in den folgenden Jahren im Vorprogramm der Kinos gezeigt. Der Kabarettist Thor Modéen verspottete später das dabei gezeigte stolze Auftreten der Polizeiwachtmeister in einer Revue von Kar de Mumma.[3]
Vor der Polizeihochschule in Solna wurde eine Skulpturengruppe aufgestellt, die den Bildschönen Bengtsson zusammen mit dem aus Kriminalfilmen als Kommissar bekannten Schauspieler Sigge Fürst und einem weiteren Verbrecher, der als Tumba-Tarzan Bekanntheit erlangte, zeigt.[4]
Einzelnachweise
- ↑ a b c Här är storyn bakom Bildsköne Bengtsson från årets julkalender. Västerviks-Tidningen, 28. Januar 2025, abgerufen am 31. Dezember 2025 (schwedisch).
- ↑ a b Göran Walter: Bildsköne Bengtsson Del 1. In: Lokalnachrichten Vittjö-Bjarnum. 23. Oktober 2012, abgerufen am 31. Dezember 2025 (schwedisch).
- ↑ a b Bildsköne Bengtsson. Zentralgefängnis Långholmen, abgerufen am 31. Dezember 2025 (schwedisch).">
- ↑ Kända brottslingar byter namn. In: Göteborgs-Posten. 22. Juli 2008, archiviert vom am 25. November 2015; abgerufen am 31. Dezember 2025 (schwedisch).