Bigo (Genua)

Bigo

Der Bigo im Porto Antico von Genua

Daten
Ort Genua, Italien Italien
Anschrift Areal des Porto Antico, Calata Cattaneo
Architekt Renzo Piano
Baustil Zeitgenössische Architektur
Bauzeit 1990–1992
Höhe 40 m (Aussichtspunkt) m

Der Bigo ist eine architektonische Struktur im Areal des Porto Antico (Alter Hafen) von Genua, die vom Architekten Renzo Piano entworfen wurde. Er wurde anlässlich der internationalen spezialisierten Ausstellung von 1992 (den sogenannten „Colombiadi“) errichtet und hat sich zu einem der wichtigsten Wahrzeichen der Stadterneuerung der ligurischen Hauptstadt entwickelt.[1][2]

Das Bauwerk, das in Form und Name von den bighi (traditionellen Ladekränen auf Schiffen) inspiriert ist,[3] erfüllt eine doppelte Funktion: Es beherbergt einen rotierenden Panoramaaufzug, der einen 360°-Blick über die Stadt bietet, und dient gleichzeitig als tragende Struktur für das Membrandach der darunterliegenden Piazza delle Feste. Aufgrund seines symbolischen Wertes ist der Bigo auch im offiziellen Logo des Porto Antico von Genua abgebildet.[4]

Geschichte und Projekt

Der Bigo entstand im Rahmen des umfassenderen Projekts zur Neugestaltung des Porto Antico, das Renzo Piano anlässlich der Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas anvertraut wurde. Die Einweihung fand am 15. Mai 1992 zeitgleich mit der Eröffnung der Expo statt.[2]

Die architektonische Gestaltung wurde vom Renzo Piano Building Workshop übernommen, während die komplexen statischen Berechnungen dem Ingenieurbüro Ove Arup & Partners[5] unter der Leitung von Peter Rice anvertraut wurden, einem bekannten Ingenieur, der bereits bei Projekten wie dem Centre Georges-Pompidou in Paris mit Piano zusammengearbeitet hatte.[6]

Im Laufe der Jahre wurde die Struktur gewartet, um dem Verschleiß durch Witterungseinflüsse und Salzsprühnebel entgegenzuwirken. Im Jahr 2024 begannen umfangreiche Restaurierungs- und Neuanstricharbeiten, um ihre Integrität und ihr ursprüngliches Erscheinungsbild zu erhalten.[7]

Beschreibung und Struktur

Der Bigo ist eine komplexe, seilverspannte Stahlkonstruktion, die aus einem geneigten Zentralmast und sieben fächerförmig angeordneten Armen unterschiedlicher Länge und Funktion besteht. Seine multifunktionale Konzeption macht ihn zu einem zentralen Element des Porto Antico. Aus ingenieurtechnischer Sicht wird er als hybride und komplexe Struktur klassifiziert, die gleichzeitig in mehrere Kategorien fällt: eine Struktur mit abgespanntem Mast (cable-stayed mast), eine Hängestruktur mit Bogen und Seilen (suspended cable-and-arch structure) und eine abgespannte Dachkonstruktion, die eine gespannte Membran trägt (suspended cable-stayed roof structure supporting tent membranes).[8]

Der Panoramaaufzug

Das bekannteste Element des Bigo ist der von der Firma Sabiem gebaute Panoramaaufzug. Die Kabine, die bis zu 30 Personen befördern kann, steigt langsam auf eine Höhe von 40 Metern und vollzieht dabei eine vollständige 360°-Drehung. Dies ermöglicht den Besuchern einen Rundumblick auf den Hafen, die Altstadt und die umliegenden Hügel.[4] Die Fahrt wird von einem mehrsprachigen Audioguide und Schautafeln begleitet, die bei der Identifizierung der wichtigsten Gebäude und Monumente helfen.

Das Liftsystem, das auf einem Zahnstangenmechanismus und gespannten Seilen basiert, gewährleistet auch bei starkem Wind Stabilität. Die Struktur ist mit doppelten Bremssystemen und automatischen Sicherheitsvorrichtungen für Notmanöver ausgestattet.[9]

Tragwerk für die Piazza delle Feste

Neben seiner touristischen Funktion erfüllt der Bigo eine grundlegende strukturelle Aufgabe. Seine beiden längsten und geneigten Arme tragen über ein System von Zugseilen das große Membrandach aus Polyester und PVC, das die Piazza delle Feste (Festplatz) überspannt. Diese Integration von szenografischem Element und funktionaler Infrastruktur ist einer der innovativsten Aspekte des Projekts.

Sechzehn Seile tragen eine Reihe schlanker, gekrümmter Rippen, die wiederum die Überdachung stützen. Diese besteht aus fünf Membranpaneelen aus PTFE-beschichtetem Glasfasergewebe, die unter ständiger Spannung gehalten werden. Die Spalten zwischen den Paneelen sind mit Glasplatten verschlossen, die auf einem beweglichen Mechanismus montiert sind. Dies ermöglicht es der Struktur, sich an Bewegungen anzupassen, die durch variable Lasten, wie z. B. Wind, verursacht werden.[10]

Die Piazza delle Feste ist ein multifunktionaler Raum, der für Veranstaltungen, Konzerte und im Winter als Eislaufbahn genutzt wird.[11]

Architektonische Bedeutung und Symbolik

Der Bigo gilt als eines der repräsentativsten Werke der Architekturphilosophie von Renzo Piano, die auf der Integration von Technologie, konstruktiver Einfachheit und Respekt vor dem historischen Gedächtnis des Ortes basiert.[11] Der Architekt selbst beschrieb die Eingriffe am Hafen als „sehr einfache Gesten, die gerade durch ihre Unaufdringlichkeit an Stärke gewinnen“,[12] ein Ansatz, der in dieser Struktur beispielhaft umgesetzt wurde.

Der Name und das Design sind eine direkte Hommage an die bighi, die metallenen Ladekräne, die einst die Kais des Hafens für den Güterumschlag prägten. Dadurch wird eine starke Verbindung zwischen der neuen Stadtlandschaft und der industriellen und maritimen Vergangenheit Genuas hergestellt.[13]

Das Werk wurde als „Skulptur-Infrastruktur“ bezeichnet, da es eine ästhetische und symbolische Dimension mit einer rein technischen Funktion verbindet.[14] Heute ist der Bigo zusammen mit dem Aquarium und der Biosfera eines der bekanntesten Symbole des modernen Genua und der gelungenen Neugestaltung seiner Wasserfront.[15]

Siehe auch

Literatur

  • Giovanna Rosso Del Brenna: Dalla Fiera del Mare all'Aeroporto. Archeologia industriale e architettura contemporanea nel Porto di Genova (= Collana "per mare". Band 3). Sagep editori srl, 2014, ISBN 978-88-6373-234-4.
  • Di Tian: Membrane Materials and Membrane Structures in Architecture. The University of Sheffield, School of Architecture, 2011, S. 60–64 (academia.edu).
  • Bigo. In: Livio (Hrsg.): Casabella. Band 56, 1992.
  • S.N. Krivoshapko: Cable-stayed structures for public and industrial buildings. In: Construction and Reconstruction. Band 81, Nr. 1, 2019, S. 23–47, doi:10.33979/2073-7416-2019-81-1-23-47 (englisch).
  • Colombo '92. Lybra Editore, Mailand 1992.
  • Giovanna Rosso Del Brenna: Dalla Fiera del Mare all'Aeroporto. Archeologia industriale e architettura contemporanea nel Porto di Genova. (= Collana "per mare". Band 3). Sagep editori srl, 2014, ISBN 978-88-6373-234-4.
Commons: Bigo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. La storia – Porto Antico di Genova. In: PortoAntico.it. Abgerufen am 4. November 2024 (italienisch).
  2. a b Inaugurazione del Bigo, in occasione dell'apertura dell'Expo 1992. La Stampa, 16. Mai 1992, abgerufen am 4. November 2024 (italienisch).
  3. Bigo, un simbolo architettonico genovese. In: Ojeventi.it. 2023, abgerufen am 4. November 2024 (italienisch).
  4. a b Bigo – Ascensore panoramico. In: Porto Antico di Genova. Abgerufen am 4. November 2024 (italienisch).
  5. Lorenzo Ciccarelli: Renzo Piano Building Workshop. Progetti d’acqua. In: STAMPA. 2015 (italienisch).
  6. Giovanna Rosso Del Brenna: Dalla Fiera del Mare all'Aeroporto. Archeologia industriale e architettura contemporanea nel Porto di Genova (= Collana "per mare". Band 3). Sagep editori srl, 2014, ISBN 978-88-6373-234-4.
  7. Porto Antico di Genova, al via il restauro del Bigo. In: Ligurianotizie.it. 21. Februar 2024, abgerufen am 4. November 2024 (italienisch).
  8. S.N. Krivoshapko: Cable-stayed structures for public and industrial buildings. In: Construction and Reconstruction. Band 81, Nr. 1, 2019, S. 23–47, doi:10.33979/2073-7416-2019-81-1-23-47 (englisch).
  9. Bigo. In: Livio (Hrsg.): Casabella. Band 56, 1992.
  10. Di Tian: Membrane Materials and Membrane Structures in Architecture. The University of Sheffield, School of Architecture, 2011, S. 60–64 (academia.edu).
  11. a b Recupero del Porto Antico di Genova. (PDF) In: Fondazione Renzo Piano. Abgerufen am 4. November 2024 (italienisch).
  12. I centri storici e l'architettura contemporanea – Conversazione con Renzo Piano (1992). In: finestresullarte.info. 1993, abgerufen am 4. November 2024 (italienisch).
  13. Bigo, un simbolo architettonico genovese. In: Ojeventi.it. 2023, abgerufen am 4. November 2024 (italienisch).
  14. Il Bigo – Porto Antico di Genova. In: Landscapefor.eu. Abgerufen am 4. November 2024 (italienisch).
  15. Porto Antico, al via il restauro del Bigo, simbolo della città. In: La Repubblica. 22. Februar 2024, abgerufen am 4. November 2024 (italienisch).