Bettina pflückt wilde Narzissen

Bettina pflückt wilde Narzissen ist eine von Manfred Jendryschik herausgegebene Anthologie mit Kurzprosa aus der DDR, deren Titelgeschichte von Paul Wiens zugleich für den Band namensgebend ist und autobiografische sowie historische Elemente vereint. Die erste Auflage erschien 1971 im Mitteldeutschen Verlag in Halle (Saale) und umfasst 443 Seiten. Der Band versammelt 44 Autorinnen und Autoren.

Inhalt / Autoren und Beiträge

Die folgende Liste führt alle im Band vertretenen Autorinnen und Autoren sowie ihre jeweiligen Beiträge auf:

Bettina pflückt wilde Narzissen (Erzählung von Paul Wiens)

Bettina pflückt wilde Narzissen ist eine Erzählung von Paul Wiens, die 1969 verfasst und 1971 in der gleichnamigen Anthologie veröffentlicht wurde. Es handelt sich um Wiens' einzigen längeren Prosatext, der autobiografische Elemente mit historischer Dokumentation verbindet.

Inhalt

Die Geschichte handelt von Bettina Valentin, die an einem Frühsommermorgen 1943 mit ihrem Geliebten, dem jugoslawischen Partisanen Milo Bez, auf einer Wiese bei Lausanne auf einen Kameraden wartet. Bettina reflektiert über ihre Männerbekanntschaften, über Liebe und Tod sowie über die kurz zuvor verstorbene Vermieterin, die Partisanen auf ihren Grenzgängen nach Frankreich und Italien geduldet hatte.

Parallel wird der Ich-Erzähler der Rahmenerzählung eingeführt, der in Milo Bez die Verbindung zu Bettina wiederentdeckt. Die Begegnung ist als Traum gestaltet und vermittelt die Wiederaufnahme einer emotional bedeutsamen Beziehung, die vor etwa 25 Jahren begann. Bettina wird als Inkarnation von Lebensfreude und Liebesfähigkeit dargestellt, die das Prinzip des natürlichen Todes anerkennt. Sie nimmt die männliche Welt der Befehle, Untergrundkämpfe und Gewalt distanziert wahr; ihre Beziehung zu den Männern ist primär über die Liebe definiert. Der Text evoziert die antifaschistischen Widerstandsbewegungen der Zeit, insbesondere die FTP (Francs-Tireurs et Partisans) in der Schweiz und im Grenzgebiet zu Italien, und spiegelt autobiografische Elemente Wiens’ wider.

Literarische Einordnung

  • Die Erzählung ist von unverkennbar autobiografischen Elementen durchzogen; Topographie und Datierung verleihen dem Text einen dokumentarischen Charakter.
  • Themen sind Liebe, Lebensfreude, Tod sowie die Gegenüberstellung weiblicher und männlicher Erfahrungswelten. Bettina repräsentiert Lebenskräfte und Liebesfähigkeit, während die männliche Welt von Befehlen, Untergrundkämpfen und Gewalt geprägt ist.
  • Historischer Kontext ist der antifaschistische Widerstand während des Zweiten Weltkriegs, insbesondere die FTP (Francs-Tireurs et Partisans) und Partisanengruppen im Grenzgebiet von Domodossola/Italien.
  • Stilistisch verbindet Wiens realistische Handlung mit lyrischer Symbolik (Eros- und Thanatostheorie), wodurch die narrative und die poetische Ebene verschränkt werden.
  • Die Erzählung reflektiert Wiens' biografische Erfahrungen in der Schweiz sowie frühe Liebesbeziehungen.[1]

Bedeutung

Die Erzählung ist neben der frühen Novelle "Die Haut von Paris" das einzige bekannte Prosawerk Wiens neben seinen Gedichten und bildet eine Brücke zwischen autobiografischem Erlebnis, historischer Dokumentation und lyrischer Reflexion. Sie zeigt die Verbindung von persönlicher Erfahrung mit der literarischen Verarbeitung politischer und gesellschaftlicher Umstände der Zeit.

Literatur

  • Bettina pflückt wilde Narzissen. 1. Auflage. Hinstorff Verlag, Rostock 1971, 443 S.

Einzelnachweise

  1. Quellenangabe: Eintrag "Paul Wiens" aus Munzinger Online/KLG – Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur URL: https://online.munzinger.de/document/16000000786 (abgerufen von Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins am 11. Oktober 2024)