Betje de Beer-Lazarus
Betje de Beer-Lazarus (geboren 27. März 1870 in Amsterdam; gestorben 22. März 1933 ebenda) war eine niederländische Diamantschleiferin, Gewerkschaftsführerin und Aktivistin gegen alkoholische Getränke.
Leben
Betje Lazarus wurde am 27. März 1870 in Amsterdam geboren. Sie war die Tochter des Konditors Lion Lazarus (1843–1920) und ihre Mutter war Esther de Jong (1845–1904). Betje Lazarus war das älteste Kind der Familie und hatte fünf jüngere Geschwister. Von denen starben drei in jungen Jahren. Sie wuchs im jüdischen Viertel gemeinsam mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Sophia und ihrem fünf Jahre jüngeren Bruder Marcus auf. Betje und Sophie Lazarus wurden wie andere junge Mädchen zu Diamantenschleiferinnen in der Diamantenindustrie ausgebildet. Dies war zu jener Zeit ein schlecht bezahlter Frauenberuf.[1]
Gewerkschaftsarbeit
Die Allgemeine Niederländische Diamantenarbeitergewerkschaft (ANDB) begann ab 1896 auch Frauen anzusprechen und sie für die Gewerkschaft anzuwerben. Betje Lazarus besuchte im Februar 1896 eine Versammlung, die sich speziell an Diamantenschleiferinnen richtete und auf der die Feministin Theodore Haver als Rednerin auftrat. Die Vorstellung, dass Frauen bessere Arbeitsbedingungen erreichen konnten, begeisterte Betje Lazarus. Sie wurde die Präsidentin der Rosenschleifer- und Diamantenarbeitervereinigung, als diese am 3. Juni 1896 gegründet wurde. Der Name „Rosenschleiferin“ leitete sich von dem Schliff des Diamanten ab. Ihre Schwester Sophie wurde die Sekretärin der Gewerkschaft. Es war die erste Gewerkschaft in den Niederlanden, die einen rein weiblichen Vorstand hatte.[1]
Mit ihrem Nachbarn Jaques de Beer hatte sie im Juni 1897 ein alkoholfreies Café am Rembrandtplein eröffnet. Auch nachdem sie nicht mehr in der Diamantenindustrie arbeitete, sondern bereits im Café war sie noch in der Gewerkschaft aktiv und nahm im September 1897 am internationalen Diamantenarbeiterkongress in Antwerpen teil. Dort war sie eine von nur drei Frauen unter vierzig Männern. Sie protestierte auf dem Kongress gegen den Ausschank von Wein und forderte, die Diskriminierung von Frauen in diesem Handwerk zu beenden und forderte gleichen Lohn für Männer und Frauen. Am 3. November 1897 heiratete Betje Lazarus in Amsterdam den Kaffeehausbesitzer Jaques de Beer (1868–1912) und nach der Eheschließung trat sie als Vorsitzende der Gewerkschaft zurück. Auch ihre Schwester Sophie verließ die Gewerkschaft. Die Versammlungen leitete Betje de Beer-Lazarus noch ein weiteres Jahr. Ihr alkoholfreies Café wurde zu einem Treffpunkt für Gewerkschaften und für die Amsterdamer Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP).[1]
Als 1898 in Den Haag die Nationale Tentoonstelling van Vrouwenarbeid stattfand war Betje de Beer-Lazarus daran beteiligt. Mit Henri Polak, dem Vorsitzenden des „Nationalen Verbands der Diamantenarbeiterinnen“, bereitete sie den Ausstellungsbereich vor, der die Arbeit von Frauen in der Diamantindustrie in der Industriehalle zeigte. Vor Ort bearbeiteten vier Frauen Diamanten. Doch es kam zum Konflikt zwischen Polak und den Organisatorinnen der Ausstellung. Die Diamantenarbeiterinnen erhielten die vereinbarten Löhne nicht und sie verließen die Ausstellung. Bereits vorher hatte es Unmut gegeben, als die Arbeiterinnen dafür protestierten, ihre Mittagspause frei gestalten zu dürfen. Für De Beer-Lazarus zeigte sich, dass eine Zusammenarbeit zwischen Frauen unterschiedlicher Klassen unmöglich sei, solange die Arbeiterinnen „als Minderwertige und im besten Fall als Kinder der Mütter, die Komiteemitglieder und Aufseherinnen waren“, behandelt würden, wie sie später einem Organisator der Industriehalle schrieb.[1]
Sie zog im Jahr 1900 nach Zaandam. Dort hatte Jac de Beer ein weiteres abstinentes Café eröffnet. Die Führung des Cafés übernahm Lion Lazarus, der seine Konditorei in der Jodenbreestraat geschlossen hatte. Das Café am Rembrandtplein wurde von ihrem Bruder Marcus und seiner Frau betrieben. Betje de Beer-Lazarus trat in Zaandam der örtlichen Abstinenzbewegung bei und im Juli 1903 brachte sie ihre Tochter Etha zur Welt.
Rosenschneiderin
Als 1904 ihre Mutter starb, zog die Familie einschließlich ihres Vaters zurück nach Amsterdam. Sie zogen in eine neue Wohnsiedlung, in die viele Diamantenarbeiter aus ihrem alten Viertel gezogen waren und dort eröffneten sie ein alkoholfreies Café. Mit diesem Café hatten sie keinen Erfolg, genauso wenig wie mit einem weiteren. Daraufhin arbeitete Betje Lazarus wieder als Rosenschneiderin und die Familie zog wieder in das alte jüdische Viertel. Dort zog auch ihre inzwischen geschiedene Schwester Sophie mit ihren zwei Söhnen bei ihnen ein und auch sie arbeitete wieder als Diamantschleiferin.
Jaques de Beer wurde 1911 in die jüdische psychiatrische Anstalt Het Apeldoornsche Bosch eingeliefert. Dort starb er 1912. Ein neues alkoholfreies Lokal eröffnete Betje de Beer-Lazarus mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin 1915, gegenüber der Börse. Sie inserierte regelmäßig in der sozialistischen Presse für ihr Lokal und betrieb es die nächsten zehn Jahre. Ihre Tochter Etha konnte eine Ausbildung zur Buchhaltungsassistentin machen und heiratete 1926 einen Büroangestellten. Nach der Insolvenz des Lokals zog De Beer-Lazarus zu ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn.
Betje de Beer-Lazarus starb am 22. März 1933.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Ulla Jansz: Lazarus, Betje. In: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland. 19. Juli 2017, abgerufen am 4. Januar 2026 (niederländisch).