Bethlen (Adelsgeschlecht)

Die Adelsfamilie Bethlen waren ein ungarisch-siebenbürgisches hochadliges Magnatengeschlecht. Ihr Stammsitz wurde 1438 die Burg von Beclean (ungarisch und deutsch: Bethlen) im nördlichen Siebenbürgen, das nach dem Ersten Weltkrieg (wie ganz Siebenbürgen und fast alle Güter der Familie) zu Rumänien kam.

Teil-Häuser und Besitzungen

In historischen Quellen existierten immer zwei, genau genommen drei Linien der Familie nebeneinander: die Bethlen von Iktár (ungarisch iktári Bethlen, lateinisch Bethlen de Iktár), die Bethlen von Bethlen (ungarisch bethleni Bethlen, lateinisch Bethlen de Bethlen) und die ihnen verwandten Apafi (zu Namensträgern, siehe Apafi). Nach ihrer eigenen Herkunftslegende sollen alle Häuser in väterlicher Linie gemeinsam von dem Anfang des 12. Jahrhunderts lebenden ungarischen Grafen Lőrincz (=Lorenz, genannt: „Bult“), Sohn des Marhard, und dessen Sohn Bethlen abstammen. Bethlens ältester Sohn Péter soll Stammvater der Linie Bethlen de Iktár sein, Bethlens zweiter Sohn Olivér soll die Bethlen de Bethlen begründet haben. Nach Olivérs Sohn János (Johannes) und dessen Sohn János (genannt: Apa comes=„Graf Apa“) wurden sie 1305 zwischen dessen dritten Sohn Jakab (Jakob), als Stammvater der Linie Bethlen de Bethlen und dessen vierten Sohn Miklós (Nikolaus), dem Stammvater des ungarischen Magnatengeschlechtes Apafi geteilt.[1]

Die Verwandtschaft der beiden Hauptlinien wird heute teilweise angezweifelt. Diese frühen Vertreter sind erst ab Graf Johannes, seinem Sohn Graf Apa und dessen Söhnen Jakob Bethlen von Bethlen und Nikolaus Apafi auch in zeitgenössischen Dokumenten des 13. Jahrhunderts nachweisbar.[2] Die Verwandtschaft der Bethlen von Bethlen und Apafi ist dagegen nicht umstritten, weil mehrere Urkunden der Güterteilungen und Neuaufteilungen zwischen beiden Geschlechtern erhalten sind.

Bethlen von Iktár

Ihren Namen hat die Linie von ihrem Stammgut Iktár, das im 15. bis 16. Jahrhundert im Banat von Temeschwar existierte.

Nachdem dieses Kerngebiet ihrer Besitzungen im Süden Ungarns im 16. Jahrhundert direkt an das Osmanische Reich fiel, wo der alte ungarische Adel enteignet wurde, lag das Kernland ihrer Besitzungen im südwestlichen Fürstentum Siebenbürgen, im Komitat Fehér, später Komitat Alsó-Fehér (Komitat Unterweißenburg) und Umgebung[3], beispielsweise die Dörfer Kreisch, Felsendorf, Peschendorf, Malmkrog, Rauthal und Neudorf. Diese Dörfer waren in Enklaven des Komitatsbodens, der Eigentum des ungarischen Adels, besonders der Magnatengeschlechter Siebenbürgens war und nicht Teil des umgebenden Königsbodens, in dem sich die Siebenbürger Sachsen selbst verwalteten. Die Bewohner waren größtenteils ursprünglich Siebenbürger Sachsen, aber Leibeigene bis ins Jahr 1848, die sich teilweise in der Neuzeit auch magyarisierten. Durch die Dienstleute im Schloss hatte Kreisch mehr ungarische Bevölkerung und mehr Kontakt zu anderen Teilen Europas, als Dörfer wie Dunesdorf. Das Schloss wurde 1559–1598 gebaut. Schon 1280 stand ein hölzernes Schloss an dieser Stelle. Der letzte Graf wurde 1945 enteignet und die Gebäude wurden dann als Lager für Kunstdünger verwendet. Hin und wieder werden Restaurierungsarbeiten angefangen. Der Verfall schreitet aber dennoch voran.

Im 17. Jahrhundert beherrschten sie zeitweilig auch Burg Hunedoara und Umgebung im äußersten Südwesten des Fürstentums Siebenbürgen und Güter in der Maramuresch (letztes schon außerhalb der eigentlichen historischen Landschaft Siebenbürgen) als Erbe der ausgestorbenen Linie Corvinus des Magnatengeschlechtes Hunyadi, die später aber an andere Magnatengeschlechter übergingen.[4]

Bethlen von Bethlen und Apafi

Die Güter und Ländereien der verwandten Magnatenhäuser Bethlen von Bethlen und Apafi hatten ihren Schwerpunkt dagegen rund um Bethlen/Beclean im westlichen Norden Siebenbürgens, etwa im Komitat Belső-Szolnok, später Komitat Szolnok-Doboka und Umgebung. Insgesamt kann man drei Schlösser der Familie Bethlen in Beclean finden.[5] Allerdings hatten alle drei Geschlechter schon seit dem 13. Jahrhundert auch Besitzungen im Fehér-Gebiet, darunter Kreisch.[6]

Angehörige der Familie

Bedeutende Vertreter waren:

Literatur

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Einzelnachweise

  1. Iván Nagy: Magyarország Családai. Czimerekkel és Nemzékrendi Táblakkál. (ungarisch; =„Ungarische Adelshäuser. Mit Wappen und Stammtafeln.“), Pest 1853, S. 67–68
  2. Zu den Nachweisen von Johannes, Apa, Jakob und Nikolaus, siehe z. B. Ünige Bencze; Lászlo Zólya Levante: A Keresdi Bethlen-Kastély az újabb ásatások és forrasók tükrében (=„Das Bethlen-Schloss Kreisch im Lichte neuer Ausgrabungen und Quellen.“) in: Magyar Régészet (Ungarische Archäologie), 2022, S. 26–34, hier S. 26/27.
  3. Iván Nagy: Magyarország Családai. Czimerekkel és Nemzékrendi Táblakkál. (ungarisch; =„Ungarische Adelshäuser. Mit Wappen und Stammtafeln.“), Pest 1853, S. 68–74.
  4. Iván Nagy: Magyarország Családai. Czimerekkel és Nemzékrendi Táblakkál. (ungarisch; =„Ungarische Adelshäuser. Mit Wappen und Stammtafeln.“), Pest 1853, S. 71–72.
  5. Iván Nagy: Magyarország Családai. Czimerekkel és Nemzékrendi Táblakkál. (ungarisch; =„Ungarische Adelshäuser. Mit Wappen und Stammtafeln.“), Pest 1853, S. 74–90.
  6. Ünige Bencze; Lászlo Zólya Levente: A Keresdi Bethlen-Kastély az újabb ásatások és forrasók tükrében (=„Das Bethlen-Schloss Kreisch im Lichte neuer Ausgrabungen und Quellen.“) in: Magyar Régészet (Ungarische Archäologie), 2022, S. 26–34.