Bertha Waszklewicz-van Schilfgaarde
Johanna Maria Cornelia Bertha Waszklewicz-van Schilfgaarde (geboren 7. November 1850 in Zoeterwoude; gestorben 14. Dezember 1937 in Den Haag) war eine niederländische Friedensaktivistin und Publizistin.
Leben
Bertha van Schilfgaarde wurde am 7. November 1850 in Zoeterwoude geboren. Sie war die Tochter von Jan Johannes van Schilfgaarde (1819–1864) und Catharina Cornelia van den Es (1819–ca. 1864). Sie war die älteste Tochter und hatte drei Brüder und zwei Schwestern. Sie wuchs auf dem Gut Delfzicht auf, ihre Familie war adelig und wohlhabend. Ihr Vater starb, als sie 13 Jahre alt war. Sie machte das Abitur in Französisch und Englisch und legte die Prüfung zur Lehrerin ab. Sie arbeitete jedoch nie als Lehrerin. Im Alter von 22 Jahren heiratete sie am 29. Juli 1873 in Leiden den Arzt Isaak Joseph Levijssohn (1840–1938). Bereits nach vier Jahren ließ sie sich scheiden und 1885 heiratete sie Graf Adam Ernest Waszklewicz (1812–1901). Waszklewicz war pensionierter Oberst des Sanitätsdienstes Niederländisch-Ostindiens, Autor zahlreicher medizinischer Publikationen und 38 Jahre älter als sie. Das Paar lebte in Den Haag.[1]
Friedensbewegung
Nachdem sie das Buch Weltfrieden (1895) von Louis Couperus gelesen hatte, war ihr Interesse an der Friedensbewegung und am Völkerrecht geweckt. Sie eignete sich im Selbststudium Wissen zu diesen Themenfeldern an. Dazu las sie auch Werke des französischen Juristen und Friedensaktivisten Frédéric Passy. Ab 1898 trat sie auch öffentlich als Friedensaktivistin auf und übernahm die Leitung der niederländischen Sektion der „Ligue des Femmes pour le Désarmement International“ (Internationaler Frauenverband für Abrüstung). Zudem wurde sie die Präsidentin des „Niederländischen Frauenverbands für Internationale Abrüstung“ (NVIO). Der Frauenverband brachte eine eigene Zeitschrift heraus, mit dem Namen „Vrede door Recht“ (Frieden durch Recht). Auf der Nationale Tentoonstelling van Vrouwenarbeid 1898 in Den Haag, sprach Bertha Waszklewicz-van Schilfgaarde zu diesem Thema, ihre Rede trug den Titel „Internationale Abrüstung: Eine Frauenfrage und ein Fraueninteresse“. Darin sprach sie sich dazu aus, dass Frauen ihren Kindern beibringen sollten, wie Konflikte friedlich beigelegt werden könnten, dies nicht durch Kampfhandlungen, sondern durch Gespräche. So könnten die Söhne der Familien, die zukünftigen Politiker, zu friedliebenden Bürgern heranwachsen und müssten nicht auf dem Schlachtfeld sterben.[1]
Die Devise Schlichtung und friedliche Verhandlungen in Konfliktsituationen war für Bertha Waszklewicz-van Schilfgaarde auch bei den Zeitungsartikeln, die sie in der Zeit schrieb, ein wichtiges Thema. Sie fürchtete zunehmende internationale Spannungen und hatte Sorgen vor einem gewaltsamen Konflikt in Europa. Sie machte sich jedoch weniger Sorgen um Gewalt in den niederländischen Kolonialgebieten, diese seien von großer Bedeutung für den Wohlstand des Mutterlandes und um den zu sichern, erfordere es mitunter militärische Interventionen. Sie engagierte sich in den Vorbereitungen für die erste Haager Friedenskonferenz im Jahr 1899. Auf der Konferenz sollte ein internationales Abkommen zur Rüstungsbegrenzung erreicht werden. Dabei leitete sie ein niederländisches Komitee, welches zur internationalen „Friedenskampagne“ gehörte, die von Politikern, Wissenschaftlern und Schriftstellern unterstützt wurde. Zu den Teilnehmern der Konferenz im Sommer 1899 gehörte sie nicht, war jedoch mit dem Ergebnis, einen ständigen Schiedshof in Den Haag einzurichten, zufrieden.[1]
Sie verfasste ein Jahr nach der Konferenz das Vorwort zum Buch von Bertha von Suttner Den Haag und die Friedenskonferenz. In dem Vorwort brachte sie ihre Sorge über den zweiten Burenkrieg zum Ausdruck, der zu der Zeit stattfand. Auch schrieb sie einen Bericht über den Aufenthalt des Burenführers Paul Kruger in Europa, mit dem Titel Paul Krugers Reise (1900). Einen Appell zur Errichtung einer neutralen Zone in Südafrika, in der Frauen und Kinder während des Krieges Schutz finden könnten, veröffentlichte sie im Jahr 1901. Sie reiste in dem Jahr auch nach London, um beim König und dem Kolonialminister Joseph Chamberlain gegen das britische Vorgehen zu protestieren. Dort wurde sie nicht empfangen, doch Kriegsgegner lobten ihren Einsatz.[1]
Späte Jahre
Ihr Ehemann, Graf Adam Ernest Waszklewicz, starb am 17. Januar 1901. Kurze Zeit später trat sie aus dem Frauenbund aus, da sie die Fusion mit dem Allgemeinen Niederländischen Friedensbund nicht mitgehen wollte. Bertha Waszklewicz-van Schilfgaarde reiste nach Rom. Dort konvertierte sie zum Katholizismus und gründete das Forschungsinstitut „Institut Catholique International“. Sie nutzte das Pseudonym B. Teresia Pia und verfasste Artikel zu religiösen Themen. Einige Zeit später war sie vom amerikanischen Okkultisten, Musiker und Dichter Jesse Francis Shepard begeistert und übersetzte seine Werke in das Niederländische. Sie kehrte in die Niederlande zurück und ließ sich erneut in Den Haag nieder.[1]
Bertha Waszklewicz-van Schilfgaarde starb am 14. Dezember 1937 in Den Haag.
Veröffentlichungen
- Open brief aan Felix Ortt: een woord tot de Tolstoïanen en christelijk-anarchisten, Amsterdam, Versluys, 1899
- Frédéric Passy, Haarlem, Tjeenk Willink & zoon, 1900
- «Paul Kruger's tocht. Getrouwe beschrijving van oom Paul's bezoek aan Frankrijk, de Rijnprovincie en Nederland», La Haye, 15 April 1900
- «Plea for the Grant of a Neutral Territory for the Boer Women and Children», 1901
- Carmen Pro Invictis, Waszklewicz-Van Schilfgaarde, Bertha (éd.), La Haye, N. Veenstra, 1901 – recueil de poèmes Protestant contre la poursuite anglaise de la guerre des Boers, principalement en français, don't *ceux de Sully Prudhomme
- Romeinsche Kronijk, Amsterdam, C. L. Van Langenhuysen, 1905 (lire en ligne (archive))
- Het dogma der heilige eucharistie in de Romeinsche catacomben, en andere documenten der eerste eeuwen, Amsterdam, Borg, 1906
- Maria in de eerste tijden der Kerk, Nimègue, Malmberg, 1911
- Sancta Melania de Jongere: Romeinsche senatrix, avec Mariano Rampolla del Tindaro, Leiden, Van Leeuwen, 1911
- Nova et vetera: apologetische brieven aan een modern Protestant, Baarn, Hollandia, 1912
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Annemarie van Heerikhuizen: Schilfgaarde, Johanna Maria Cornelia Bertha van. In: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland. 12. September 2014, abgerufen am 4. Januar 2026 (niederländisch).
Weblinks
- Bertha Waszklewicz-van Schilfgaarde auf der Seite des Huygens Instituut
- Bertha Waszklewicz-van Schilfgaarde auf Biografisch portaal van nederland