Bernhard Wenig

Bernhard Wenig (* 1. Mai 1871 in Berchtesgaden; † 10. Dezember 1940 in München) war ein deutscher Maler, Bildhauer, Kunsthandwerker, Illustrator und Exlibriskünstler.[1]

Leben und Wirken

Bernhard Wenig wurde in Berchtesgaden geboren und verbrachte dort Kindheit und Jugend. Sein Vater war Lorenz Wenig († 1923), der das Schnitzerhandwerk erlernt und sich 1868 neben dem Schnitzen auch mit einer Schreinerei und einem Möbelgeschäft selbstständig gemacht hatte. Von 1888 bis 1915 war Lorenz zudem Berchtesgadener Gemeindebevollmächtigter und Magistratsrat.[2]

Nach dem Besuch der Schnitzschule in Berchtesgaden von 1884 bis 1888 studierte Bernhard Wenig anschließend in München für je drei Jahre an der Königlichen Kunstgewerbeschule und dann an der Akademie der Bildenden Künste bei den Professoren Rudolf Seitz (1842–1910) und Franz Stuck (1863–1928). Nach seiner Rückkehr 1896 wieder in Berchtesgaden, arbeitete er bis 1901 im Geschäft seines Vaters und trat dann an der Zeichenakademie in Hanau eine Stelle als Zeichenlehrer an.[2][3] 1906 zog er nach München und lebte dort als freischaffender Künstler.[4] Während des Ersten Weltkrieges war er von 1916 bis Kriegsende in einem Topographischen Büro beschäftigt.[2] Ab 1920 wieder in Berchtesgaden wurde er erst als Lehrer, ab 1922 zum Direktor der inzwischen in Fachschule für Holzschnitzerei umbenannten, ehemaligen Schnitzschule berufen.[2] Sein Atelier hatte er sich neben dem 1871 von seinem Vater errichteten Haus in der damaligen Haberlgasse direkt an das noch heute existierende Lebzelterhäuschen angebaut,[4] das später dem Grafiker und Maler Fritz Richter (1904–1981) als Ausstellungs- und Verkaufsraum für die Abdrucke seiner Holzschnitte diente.

Parallel zu seinen Festanstellungen war er schon kurz nach seinen Studienjahren als freischaffender Künstler in vielfältiger Weise erfolgreich. So entstammen seiner Hand zahlreiche Entwürfe für Edelmetallarbeiten, Textilien[5] sowie Möbel, u. a. für Julius Glückert in Darmstadt. Größere Bekanntheit erlangte er aber nicht zuletzt als Buchillustrator und Spezialist für Exlibris-Entwürfe, von denen er über 150 geschaffen hat.[2] Ab 1920 waren auch nach seinen Entwürfen gedruckte Notgeldscheine in Berchtesgaden und der damals noch eigenständigen Gemeinde Königssee in Gebrauch.[4]

Er war Mitglied im Deutschen Werkbund, im Münchner Bund und im Bayerischen Kunstgewerbeverein,[6] daneben bekleidete er ehrenamtliche Ämter wie die Mitgliedschaft im Vorstand des Berchtesgadener Künstlerbundes, des Berchtesgadener Volkskunstrates, der Berchtesgadener Bauernkunst GmbH und der hiesigen Liedertafel. Zudem war er Bezirksvorsitzender der Bayerischen Volkspartei und Bezirksleiter der Einwohnerwehr.[4] In der letztgenannten Funktion hatte er im Juni 1921 als Verbindungsmann in Berchtesgaden auch Anteil an geheimen Waffentransaktionen nach Österreich.[7]

Die Grabstätte von Bernhard Wenig ist auf dem Alten Friedhof in Berchtesgaden.[4]

Ausstellungen (soweit bekannt)

Auszeichnungen (soweit bekannt)

Abbildungen von Entwurfbeispielen

Dekorative Seitenbegrenzungen

Exlibris u. Buchillustrationen

Glasmalerei und Textilien

Notgeld

Unterschiedliche Pfennigbeträge als Notgeld von Gemeinden im Berchtesgadener Land:

Bibliografie (soweit bekannt)

Exlibris

  • Bernhard Wenig: Exlibris. Fischer u. Franke, Berlin 1902.
  • Exlibris-Werkliste, 132 Arbeiten von Bernhard Wenig, z. T. datiert von 1897 bis 1927, zusammengestellt von Gernot Blum, Stand: Juni 2021[8]

Illustrationen

  • Karnevals-Vignetten / nach Originalzeichungen von Willi Wegener und Bernhard Wenig. Schriftgießerei Flinsch (hrsg.), Frankfurt am Main 1908
  • Roosevelt : Neue Buch- u. Akzidenz-Schrift in 3 Garnituren: normal, Kursiv und halbfett. Schriftgießerei Flinsch (hrsg.), Frankfurt am Main 1908, 2. Aufl. 1913.
  • Toni Eichelmann: Berchtesgadner Sagen – in ein Büchl gebracht. Vonderthann & Sohn, Berchtesgaden 1914 (7. Aufl. 1935).

Literatur

  • Hellmut Schöner (Hrsg.), A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Reprint von 1929. Verein für Heimatkunde d. Berchtesgadener Landes. Verlag Berchtesgadener Anzeiger sowie Karl M. Lipp Verlag, München 1973, S. 389, 390.
  • Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Ergänzungsband 1. Verein für Heimatkunde des Berchtesgadener Landes, Berchtesgaden 1982, ISBN 3-87490-528-4, S. 404, 405.
  • Wolff, Fritz: Bernhard Wenig - Berchtesgaden, ausführliche Erörterung der Arbeitsweise von Bernhard Wenig. In: Deutsche Kunst und Dekoration – illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten August 1901; S. 365–373
Commons: Bernhard Wenig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wenig, Bernhard (1871-1940), exakte Geburts- und Sterbedaten zu ihm auf der Webseite des Kalliope-Verbunds, online unter kalliope-verbund.info.
  2. a b c d e f g h Hellmut Schöner (Hrsg.), A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Reprint von 1929. Verein für Heimatkunde d. Berchtesgadener Landes. Verlag Berchtesgadener Anzeiger sowie Karl M. Lipp Verlag, München 1973, S. 389.
  3. Atelier-Nachrichten, erster Beitrag. In: Deutsche Kunst und Dekoration Bd. 1, Oktober 1897 bis März 1898, S. 42, rechte Spalte.
  4. a b c d e Alfred Spiegel-Schmidt: Alter Friedhof oder Friedhof am Anger in Berchtesgaden, PDF, S. 4 von 14 Seiten, online unter heimatkundeverein-berchtesgaden.de.
  5. Siehe zu seinen Entwürfen von Textilien auch Wiederentdeckte Arbeiten der Münchner Frauenarbeitsschule aus der Zeit von 1904 bis 1914, PDF S. 4 von 15 Seiten, online unter fv-textil.de.
  6. a b c d Hellmut Schöner (Hrsg.), A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Reprint von 1929. Verein für Heimatkunde d. Berchtesgadener Landes. Verlag Berchtesgadener Anzeiger sowie Karl M. Lipp Verlag, München 1973, S. 390.
  7. Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Ergänzungsband 1. Verein für Heimatkunde des Berchtesgadener Landes, Berchtesgaden 1982, ISBN 3-87490-528-4, S. 404, 405.
  8. Exlibris-Werkliste, zusammengestellt von Gernot Blum, Stand: Juni 2021 (bearb. 2019 von Heinz Decker, ergänzt 2021 von Anne Büsing), online unter exlibris-deg.de.