Bernhard Daltrop

Bernhard Daltrop (* 29. Mai 1882 in Gütersloh; † 24. Januar 1939 ebenda) war ein Gütersloher Schreibwarenhändler, Fotograf und Verleger. Er ist besonders für seine zahlreichen Ansichtskarten bekannt. Aufgrund seines jüdischen Glaubens wurde er Opfer der Reichspogromnacht am 9. November 1938 und starb kurz darauf.

Leben

Bernhard Daltrop wurde 1882 als Sohn von Max Marcus Daltrop und dessen Ehefrau Pauline, geborene Langbein, geboren. Im Jahre 1908 heiratete er Paula Löwenstein (1883–um 1942). Das Paar hatte zwei Kinder, Lieselotte (1910–um 1943) und Herbert (1913–1968).[1]

Bernhard Daltrop betrieb gemeinsam mit seinem Bruder Julius (1880–1939) das elterliche Schreibwarengeschäft in der Kirchstraße 2 in Gütersloh, einem Denkmal aus dem 16. Jahrhundert.[1] Heute sind vor allem von Bernhard fotografierte und gedruckte Postkarten erhalten, die meist Motive aus dem heutigen Kreis Gütersloh zeigen.

Im Zuge der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden Bernhard und sein Bruder Julius gemeinsam mit anderen jüdischen Geschäftsleuten inhaftiert. Die Gefangenen wurden in das KZ Buchenwald deportiert, Bernhard jedoch zuvor aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes freigelassen. In der Zwischenzeit hatten Gütersloher Nationalsozialisten das Wohn- und Geschäftshaus Daltrop niedergebrannt, während die Feuerwehr nur die Nachbarhäuser schützte. Ein Arbeiter fand Bernhard Daltrop am 10. November morgens vor den Trümmern seines Hauses. Bernhard Daltrop starb keine drei Monate später an Darmkrebs. Auch sein Bruder Julius verstarb 1939 nach seiner Rückkehr aus Buchenwald.[1][2][3]

Das Haus von Bernhard Daltrop hatte der Stadt Gütersloh schon zuvor im Zuge einer Straßenerweiterung im Weg gestanden. Bereits am 11. November 1938 legte der Gütersloher Stadtbaurat einen neuen Bebauungsplan für das Grundstück vor.[4] Rechtlich hatte das 400 Jahre alte Fachwerkhaus jedoch schon seit 1907 unter Denkmalschutz gestanden.[3]

Die Frauen der Brüder Daltrop, Paula und Jenny, wurden 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Dort starb auch Bernhards Tochter Lieselotte Beifus, geb. Daltrop, mit ihrem Mann Leonhardt und ihrem Sohn Rudolf. Bernhard Daltrops Sohn Herbert gelang hingegen schon 1938 über Amsterdam die Emigration nach Jerusalem, wo er 1968 starb.[1][2]

In Gütersloh wurde zu Ehren der Familie Daltrop die Göbenstraße in Daltropstraße umbenannt.[2]

Einzelnachweise

  1. a b c d Bastian Fleermann, Gerd Genger, Hildegard Jakobs, Immo Schatzschneider: Gedenkbuch für die Toten des Pogroms 1938 auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Droste Verlag GmbH, Düsseldorf 2019, S. 108–109.
  2. a b c Lieselotte Paula Beifus geb. Daltrop | Stolpersteine in Berlin. Abgerufen am 5. November 2025.
  3. a b Elfi Pracht-Jörns: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Regierungsbezirk Detmold. J. P. Bachem, Köln 1997, S. 64.
  4. Internet-Portal 'Westfälische Geschichte'. 25. März 2014, abgerufen am 5. November 2025.