Bernhard C. Schär
Bernhard Carlos Schär (* 1975 in Pittsburgh, Pennsylvania, USA)[1] ist ein Schweizer Historiker.
Leben
Nach der Matur an der Kantonsschule Olten studierte Bernhard C. Schär von 1996 bis 2003 Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaften an den Universitäten Bern und Genf. Nach dem Studium war er als freischaffender Journalist für die bernische Tageszeitung Der Bund tätig. 2006 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz. Dort entwickelte und leitete er ein Forschungsprojekt zu der Frage, wie das damals politisch umstrittene Thema «Die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg» im Geschichtsunterricht zu behandeln sei. Daneben arbeitete Schär an einer geschichtswissenschaftlichen Dissertation, mit der er 2013 an der Universität Bern promoviert wurde. Von 2014 bis 2021 war er Oberassistent am Lehrstuhl für die Geschichte der modernen Welt an der ETH Zürich. Er leitete dort eine Forschungsgruppe zur Geschichte schweizerischer Söldner in der niederländischen Kolonialarmee. Seit 2022 hat er eine auf fünf Jahre befristete, vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) im Rahmen von dessen Eccellenza-Programm finanzierte Assistenzprofessur an der Universität Lausanne.
Zu Schärs Forschungsschwerpunkten gehören die Wissenschafts- und Kolonialgeschichte des niederländischen Kolonialreichs, insbesondere mit ihren Bezügen zum deutschsprachigen Europa; die Geschichte der Roma, Sinti und Jenischen; die Geschichte Neuer Sozialer Bewegungen; die Globalgeschichte der Schweiz; die Geschichte von Männlichkeiten und Gewalt in der niederländischen Kolonialarmee sowie die Geschichte des Rassismus. Seine Forschungen stiessen in der Schweiz und im Ausland bei zahlreichen Medien, aber auch bei Kunstschaffenden auf Interesse.[2][3][4][5][6] So wurde im Theater Basel 2020 das Stück Die Wiederauferstehung der Vögel von Thiemo Strutzenberger uraufgeführt, das auf Schärs Dissertation Tropenliebe basiert.[7][8] Darin ging Schär der Geschichte der Basler Naturforscher Paul und Fritz Sarasin nach, die um 1900 für Expeditionen in die niederländischen Kolonien Indonesiens reisten. Der Historiker zeichnete ein Bild eines Freundes- und Liebespaars, dessen Lebensweise nicht den bürgerlichen Rollenvorstellungen an Männer entsprach, das durch ihre Schädelvermessungen zu Pionieren der deutschsprachigen "Rassenforschung" wurde, Säugetiere und Vögel für seine wissenschaftliche Forschung jagte sowie den Niederländern dabei half, die Insel Celebes (heute Sulawesi) zu erobern.[9] Die Ethnologieprofessorin Brigitta Hauser-Schäublin, deren Lehrer Alfred Bühler zusammen mit Fritz Sarasin geforscht hatte,[10] widersprach heftig. In der «Basler Zeitung» warf sie Schär «selektives Lesen und Zitieren» vor und sprach von einem «Rufmord» an den beiden Forschern.[11] Allerdings hat sich Hauser-Schäublin nie wissenschaftlich mit Fritz und Paul Sarasin oder der Schweizer Kolonialgeschichte auseinandergesetzt.[12] Andere Rezensenten lobten Schärs Arbeit als "detaillierte und behutsam argumentierende Fallstudie"[13] und als Buch, das bei einem historisch belasteten Thema ohne Moralismus auskomme[14].
Werke (Auswahl)
- On the Tropical Origins of the Alps. Science and the Colonial Imagination of Switzerland, 1700–1900, in: Purtschert, Patricia/Fischer-Tiné, Harald (Hrsg.): Colonial Switzerland. Revisiting Colonialism from the Margins, London: Palgrave, 2015. Online: https://link.springer.com/chapter/10.1057/9781137442741_2
- Tropenliebe. Schweizer Naturforscher und niederländischer Imperialismus in Südostasien um 1900. Dissertation Universität Bern. Campus, Frankfurt/M. 2015, ISBN 978-3-593-50287-8 (374 S.).[15]
- Harmonie mit Biss – zur Geschichte der Kieferorthopädie und der Zahnärzteschaft im schweizerischen Gesundheitswesen. Studie zum Jubiläum der Schweizerischen Gesellschaft für Kieferorthopädie 1957–2007. Schweizerische Gesellschaft für Kieferorthopädie, Gümligen 2007 (180 S.).
Weblinks
- Publikationen von und über Bernhard C. Schär im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
- Interview mit Bernhard C. Schär auf Radio SRF, 2020
- Website der Universität Lausanne
- Bernhard C. Schär auf Academia.edu
- Interview mit Bernhard C. Schär im Sonntagsblick, 2021
- Wie eine Frau aus Borneo die Gründung der Schweiz mitprägte. In: Republik, 15.12.2020
Einzelnachweise
- ↑ Team. In: daswandbildmussweg.ch. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 23. Mai 2022; abgerufen am 1. Juni 2022.
- ↑ Inas Halabi, Letters to Fritz and Paul
- ↑ Vera Ryser & Sally Schonfeldt, Stimmen aus einer archivierten Stille
- ↑ Deneth Piumakshi, Voices from an archived Silence
- ↑ Olivia Abächerli, Ibu Silla
- ↑ Warum wir die Geschichte der Schweiz neu denken sollten. In: Republik 23.4.2018
- ↑ Wiederauferstehung der Vögel 2019/20 | Archiv Theater Basel. Abgerufen am 12. November 2025.
- ↑ Die Erkundung von Begehren und Betrug theaterderzeit.de
- ↑ Bernhard C. Schär. Tropenliebe. Schweizer Naturforscher und niederländischer Imperialismus in Südostasien um 1900. Dissertation Universität Bern. Campus, Frankfurt/M. 2015
- ↑ Th. Verhoeven: Die Klingenkultur der Insel Timor. In: Anthropos, Bd. 54, H. 5./6. (1959), S. 972 (online).
- ↑ Brigitta Hauser-Schäublin: Sarasin-Bashing – oder wie man frühere Wissenschaftler an die Wand klatscht Basler Zeitung, 3. März 2020.
- ↑ vgl.: Publikationen von Prof. Dr. Brigitta Hauser-Schäublin
- ↑ Lukas Meier: Rezension zu: Bernhard C. Schär, Tropenliebe. Schweizer Naturforscher und niederländischer Imperialismus in Südostasien um 1900, Frankfurt a. M.: Campus Verlag, 2015 Zuerst erschienen in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte Vol. 67 Nr. 1, 2017, S. 114–116.
- ↑ Urs Hafner: Tropische Schweiz Neue Zürcher Zeitung, 17. Juli 2015.
- ↑ Anna-Katharina Wöbse: Rezension zu B. Schär: Tropenliebe. In: Sehepunkte. 15. Februar 2016, abgerufen am 1. Juni 2022 (Rezension).