Berliner Fenster
Das Berliner Fenster ist ein durch die Berliner Fenster GmbH betriebenes Fahrgastfernsehen in den Berliner U-Bahnen. Über ein Monitorsystem werden Nachrichten, Veranstaltungshinweise und Werbung gezeigt.
Geschichte
Die Idee für das System entstand 1997, es wurde im Jahr 2000 realisiert. Bereits in den Jahren 1999/2000 wurde es in der Berliner S-Bahn erprobt. Dabei wurde das System ebenfalls dazu genutzt, die Fahrgäste auf die folgende Station aufmerksam zu machen.
Lange kamen die Nachrichten im Berliner Fenster von den Springer-Zeitungen B.Z. und Welt. Diese Auswahl wurde zunehmend als einseitig kritisiert. Zum Oktober 2025 wurde die Welt durch den Tagesspiegel ausgetauscht, die B.Z. bleibt Partner.[1]
Das Programm
Die 15 Minuten lange Sendeschleife wird mehrmals täglich aktualisiert und besteht zu ungefähr jeweils einem Drittel aus Nachrichten, Werbung und selbst produziertem Magazin. Die Sendeschleife des Berliner Fensters enthält Welt- und Regionalnachrichten, Sport, Kultur, Wetter, Veranstaltungshinweise, Ausflugstipps, Musik- und Kinotipps, Werbung und Fahrgastinformationen. Für die aktuellen Nachrichten sorgen und die Berliner Tageszeitungen Tagesspiegel und B.Z., Sportnachrichten liefert das zweimal wöchentlich erscheinende Sportmagazin Kicker.
Es gibt auch verschiedene Aktionen. So gibt es neben dem Buch- bzw. CD-Tipp der Woche für die Fahrgäste die Möglichkeit, ein „Foto des Tages“ einzuschicken. Im Rahmen des Filmfestivals Going Underground werden im Berliner Fenster außerdem selbst gedrehte Kurzfilme gezeigt.
Seit dem 25. Februar 2019 kommt ein neues Layout des Berliner Fensters zum Einsatz. Auf dem linken Bildschirm zeigt ein Fahrgastinformationssystem der BVG die folgenden Stationen sowie die Endstation der aktuellen Linie. Zudem werden Live-Abfahrtszeiten des nächsten Bahnhofs gezeigt. Auf dem rechten Bildschirm läuft weiterhin das übliche Programm des Berliner Fensters.[2][3]
Technik
Um die permanente Übertragung großer Datenmengen in die mobilen Empfänger der Fahrzeuge zu ermöglichen, wird mit dem „Digital Multimedia Broadcasting“-System gesendet. Die Übertragung der Daten erfolgt über Lichtwellenleiterkabel in die U-Bahnhöfe. Dort werden sie in digitale Funksignale umgewandelt und in den einzelnen Zügen empfangen. Über Server gelangen sie dann zu den Bildschirmen.
Das Berliner Fenster als Werbeplattform
Das Berliner Fenster gehört im Bereich der Außenwerbung (Out-of-Home-Medien) zu den elektronischen Transportmedien. Durch die Verbreitung in den Bahnen der BVG hat das Berliner Fenster eine starke Präsenz in der Öffentlichkeit. Es läuft ohne Ton, um durch weniger Störung eine höhere Akzeptanz bei den Fahrgästen zu erreichen.
Das Berliner Fenster erreicht täglich 1,5 Millionen Fahrgäste in Berlin (Stand: 2008).[4] Auch Live-Sendungen sind innerhalb des Regelbetriebs möglich.
Kritik
Immer wieder gibt es öffentliche Kritik an der redaktionellen Ausrichtung der Nachrichtenauswahl im Berliner Fenster, insbesondere daran, dass die Nachrichteninhalte von den Springer-Medien B.Z. und Welt (bis Oktober 2025) stammen. Kritiker bemängeln eine mangelnde inhaltliche Vielfalt und die politische Ausrichtung der Berichterstattung. Seit 2023 fordert eine Petition, die Zusammenarbeit mit dem Axel-Springer-Verlag zu beenden.[5] Die 2025 gestartete Kampagne „Springer raus aus der BVG“ verweist insbesondere auf den Widerspruch zwischen den offiziellen Werten der BVG – wie Vielfalt, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung – und der medialen sowie unternehmerischen Ausrichtung des Springer-Konzerns, dem sie das Gegenteil attestiert.[6] Auch die SPD Berlin schloss sich der Kritik an: Auf ihrem Landesparteitag wurde ein Beschluss gefasst, der die Beendigung der Kooperation zwischen der BVG und dem Axel-Springer-Verlag fordert.[7]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Claudius Prößer: Berliner U-Bahn-Fernsehen: Die Welt fliegt aus dem Fenster. In: Die Tageszeitung: taz. 27. September 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 3. Oktober 2025]).
- ↑ Dynamische Fahrgastinformation. mc R&D GmbH (mcrud), Holding des Berliner Fahrgastfernsehkanals, 10. März 2019, abgerufen am 25. Februar 2025.
- ↑ Simon Schwarz: Der Erfinder des U-Bahn-Fernsehens: Hinter den Kulissen des „Berliner Fensters“. In: Der Tagesspiegel Online. 15. November 2025, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 15. November 2025]).
- ↑ Mediadaten der Berliner Fenster GmbH ( vom 11. Dezember 2008 im Internet Archive)
- ↑ https://weact.campact.de/petitions/bz-und-welt-raus-aus-der-u-bahn
- ↑ https://www.instagram.com/springer_raus
- ↑ https://parteitag.spd.berlin/cvtx_antrag/rechte-nachrichten-in-der-berliner-u-bahn-unterbinden/