Berliner Abendpost

Die Berliner Abendpost war eine deutsche Tageszeitung von 1887 bis 1921.

Geschichte

Am 1. September 1887 erschien die erste Ausgabe der Berliner Abendpost. Der Verleger Leopold Ullstein hatte sie zusätzlich zu seiner Berliner Zeitung konzipiert. Sie sollte außerhalb Berlins erscheinen und Informationen aus der Reichshauptstadt schnell in anderen Gegenden des Deutschen Reiches verbreiten. Sie wurde am Abend in Berlin gedruckt, in Nachtzüge verladen und war am nächsten Morgen an anderen Orten erhältlich oder wurde durch die Postbriefträger zugestellt.

Die Berliner Abendpost konnte so eine höchstmögliche Aktualität bieten, die die – meist mittags erscheinenden – Provinzblätter um 1900 selten bieten konnten[1]. Darüber hinaus, so stellt die Pressehistorikerin Juliane Berndt heraus, gab es großen Bedarf an Berichten aus der wachsenden Metropole Berlin. Der Erfolg sei zudem offensiver Werbung und umfangreicher Marketinganstrengungen im ganzen Reich zu verdanken gewesen.[2]

Bereits nach kurzer Zeit gab es eine Auflage von 70.000 Exemplaren täglich. Es gab mehrere Beilagen wie Deutsches Heim.

Die Grundausrichtung der Zeitungen war demokratisch, regierungskritisch und liberal. In ihrer Anfangszeit stand sie der Freisinnigen Partei nahe, war jedoch progressiver. Ullstein-Direktor Georg Bernhard schrieb später im Rückblick, die Abendpost „war von Anfang an als ein Blatt gedacht, das draußen im Reich für freiheitliche Ideen gerade in der Weise werben sollte, daß es durch die vornehme Form der Vertretung liberaler Anschauungen auch für Menschen lesbar war, die anderen Parteien zugehörten“. Die „sozialen Ideen der Zeit“ seien dort und in der Berliner Zeitung schon so behandelt worden, „wie sie damals die freisinnige Parteidoktrin noch nicht vertrug“.[3]

Dem Verlag ging es darum, die Auslastung der Druckmaschinen zu vergrößern. Die Abendpost wurde zu einer Tageszeit gedruckt, in der die anderen, für den städtischen Berliner Markt konzipierten Blätter noch in Vorbereitung waren, sodass eine Pause im Druckbetrieb entstand.[4]

Der Vertrieb beruhte wirtschaftlich, technisch und logistisch darauf, dass die Eisenbahn ihre Expressverbindungen stark verbesserte, und der Postzeitungstarif – die staatliche Post behielt 20 Prozent des Bezugspreises für die Zustellung ein – war für die Abonnenten attraktiv.[2] Anfangs ging es im Wesentlichen um die Nachtzug-Belieferung im märkischen Umland, das heißt in einem Umkreis von etwa 100 bis 150 Kilometern rund um Berlin.[4] Später ließen sich auch die preußischen Ostprovinzen, etwa Schlesien und Ostpreußen, erreichen, im Westen ließ sich das Abendblatt aus Berlin sogar potenziellen Abonnenten an Rhein und Ruhr empfehlen.

Viele Beiträge wurden aus der Berliner Zeitung übernommen, seit 1889 auch die Anzeigen. Auf diese Weise erhöhte der Verlag seine Leistungsfähigkeit und reduzierte die Kosten. Der doppelte Rationalisierungsvorgang, bei der Herstellung und dem Inhalt, sorgte für deutliche Umsatzsprünge. Für die Anzeigenkunden war besonders attraktiv, dass der Verlag dank der Kombination von zwei Zeitungen eine hohe Reichweite und sechsstellige Leserzahlen garantieren konnte.[2]

Der Aktualitätsvorteil der Abendpost wurde im Laufe der Jahrzehnte geringer. In den für das gesamte Zeitungswesen krisenhaften Jahren der von Inflation geprägten Nachkriegszeit entschied sich der Ullstein-Verlag zur Einstellung des Titels. Am 31. Dezember 1921 erschien die letzte Ausgabe. Die Abendpost ging in einer Schwesterzeitung auf, der Berliner Allgemeine Zeitung.[5]

Persönlichkeiten

Leiter
  • Leopold Ullstein, Herausgeber 1887–1889
  • Söhne Ullstein, Herausgeber 1889–1921
  • Hugo Werth († 1930), Chefredakteur um 1904[6]
  • Georg Frankenberg, Chefredakteur
  • Manfred George, Chefredakteur um 1920
Autoren

Viele Artikel erschienen sowohl in der Berliner Zeitung als auch in der Berliner Abendpost

Literatur

  • Juliane Berndt: Die Restitution des Ullstein-Verlags (1945–1952). De Gruyter, Berlin 2020, S. 25f. Digitalisat

Einzelnachweise

  1. Koszyk, Kurt (1966). Geschichte der deutschen Presse: Deutsche Presse im 19. Jahrhundert. Berlin : Colloquium Verlag, S. 285. Abgerufen am 15. Dezember 2025 von Google Books.
  2. a b c Berndt, Juliane (2020). Die Restitution des Ullstein-Verlags (1945-52): Remigration, Ränke, Rückgabe; Der steinige Weg einer Berliner Traditionsfirma. (Europäisch-jüdische Studien - Beiträge, 50). Berlin: De Gruyter Oldenbourg, S. 25. https://+doi.org/10.1515/9783110630503
  3. Bernhard, Georg. „Leopold Ullstein. Zum Gedächtnis seines 100. Geburtstages“. Zeitungs-Verlag, 3. September 1926, Sp. 1892, hier Sp. 1892. Am 15. Dezember 2025 abgerufen von ANNO.
  4. a b Hundert Jahre Ullstein 1877-1977, Band 3. Berlin: Ullstein 1977, S. 49. Abgerufen am 15. Dezember 2025 von Google Books.
  5. Berliner Abendpost, Eintrag in ZDB-Katalog, ZDB-ID 9300-2 der Deutschen National-Bibliothek.
  6. „Gedenkfeier für Hugo Werth“, in: Zeitungs-Verlag 12. Juli 1930, S. 12, am 15. Dezember 2025 abgerufen von ANNO