Bergkirche (Worms-Hochheim)

Die Bergkirche (ehemals St. Peter[1]) ist ein im Kernbestand romanisches Kirchengebäude in Worms-Hochheim und heute die evangelische Gemeindekirche des Stadtteils.

Geografische Lage

Die Bergkirche liegt nördlich und oberhalb des historischen Ortes an der Kante des Berghanges.

Geschichte

Die Baugeschichte der Pfarrkirche begann während der Amtszeit des Wormser Bischofs Burchard. Die ältesten erhaltenen Bauabschnitte, die Krypta – sie war dem Hl. Nikolaus geweiht – und die unteren Geschosse des Turms, werden in die Zeit zwischen 1000 und 1025 datiert. Die Kirche ist damit älter als die älteste erhaltene Urkunde von 1068, die Hochheim namentlich nennt.[2] 1141 wurde die Kirche erstmals urkundlich erwähnt. Historisch war die Kirche dem Wormser Andreasstift unterstellt.[3]

Das ursprüngliche, romanische Kirchenschiff maß etwa 12 × 6 m und hatte einen eingezogenen, rechteckigen Chor. Die Obergeschosse des Turms wurden um 1200 ergänzt.[4] Hochheim gehörte seit Mitte des 16. Jahrhunderts zur Kurpfalz und war so deren mehrfachen konfessionellen Wechseln unterworfen.[5] Die Kirche wurde 1556 lutherisch, 1563 reformiert, 1577 erneut lutherisch, 1583 erneut reformiert und war seit der Kirchenunion in Rheinhessen 1822/24 evangelische Pfarrkirche.[6] Ein Brand 1607 zerstörte den Dachstuhl und beschädigte den Turm.[7] Die Kirche wurde bis 1609 nachgotisch mit einem um 3 m nach Norden verbreiterten Kirchenschiff wieder aufgebaut. Die Jahreszahl findet sich am Südportal.[Anm. 1]

In der pfälzischen Kirchenteilung 1706 erhielt die reformierte Gemeinde die Bergkirche, während die ehemalige Klosterkirche Maria Himmelskron den Römisch-Katholischen zugesprochen wurde.[8] 1724 und 1797 wurden in die Bergkirche Emporen und 1761 eine Orgel eingebaut.[9] 1852 wurde die Kirche renoviert.[10] 1885/86 erfolgte im Innern eine Umgestaltung in Formen der Neuromanik und die Krypta wurde verfüllt, die dann bei der folgenden Renovierung (außen, 1923; innen 1924/25; Turm 1929[11]) 1930 wieder freigelegt wurde.[12] 1948 bis 1950 wurde der Innenraum erneut umgestaltet: Die Nordempore und die Kanzel wurden herausgenommen und der Wormser Kirchenmaler Kurt Scriba (* 1908[13]) malte den Raum aus.[14]

1964/65 wurde der Chor auf einem modernen Untergeschoss verlängert und dabei das Ostfenster in die Südwand des neuen Chores versetzt.[15] 1980 wurde die Kirche erneut renoviert.[16]

Baubeschreibung

Das Untergeschoss des Turmes dient heute als dreischiffige Eingangshalle. Der ursprüngliche Haupteingang befand sich an der Seite des Kirchenschiffs. Der Turm war ursprünglich ein Wehrturm und wichtigster Teil des als Wehrkirche konzipierten Gebäudes. Er hatte im Erdgeschoss keinen Zugang, sondern konnte nur über eine Leiter aus dem Kircheninneren betreten werden, die notfalls nach oben gezogen werden konnte. Unter dem Turm befindet sich ein Kellerraum mit Tonnengewölbe. Er misst 2,20 × 5,75 m und ist ca. 2 m hoch.[17] Das ursprünglich wahrscheinlich pyramidenförmige Zeltdach des Turmes wurde beim Wiederaufbau der Kirche am Anfang des 17. Jahrhunderts zur heutigen Form mit Satteldach umgestaltet.[18]

Das Langhaus ist einschiffig. Die Wandmalereien von Kurt Scriba in „verspäteten Stilformen des Expressionismus und des Jugendstils“ zeigen Stationen aus dem Leben Jesu. Sie entstanden 1948 bis 1955.[19]

Die quadratische, romanische Krypta liegt unter dem Bereich, den der Chor vor der Erweiterung von 1964/65 einnahm. Sie ist etwa 20 m² groß, hat vier Mittelsäulen, die mit Würfelkapitellen geschmückt sind, und neun Kreuzgewölbe tragen.[20] Deren Scheitelhöhe beträgt nur etwa 2,40 m.[21] Die Krypta wurde nach der Reformation als Beinhaus genutzt.[22] Bei der Wiederherstellung in den 1920er Jahren wurde nur noch einer von ursprünglich zwei Zugängen reaktiviert. Der damals freigelegte Bodenbelag bestand aus Resten gotischer Fliesen und wurde modern ersetzt. Auch der Altar wurde damals neu gesetzt.[23][Anm. 2]

Ausstattung

Innenraum

Eine romanische Altarplatte aus der Erbauungszeit der Bergkirche blieb erhalten, die wegen ihres kleinen Formats vermutlich vom Altar der Krypta stammt. Sie war bei nachreformatorischen Umbaumaßnahmen sekundär in der Decke der Krypta eingemauert worden. Als die Krypta in den 1920er Jahren wieder hergestellt wurde, erhielt sie zwar wieder einen Altar, die historische Platte wurde dafür aber nicht mehr verwendet. Das geschah erst nach dem Jahr 2000.[24]

1948 bis 1955 entstand der Flügelaltar[25] mit einer Weihnachts- und einer Osterszene. Die Weihnachtsszene auf der Mitteltafel zeigt rechts im Hintergrund den Turm der Bergkirche. Der Flügelaltar stammt von Kurt Scriba und steht auf einem Altarblock, den Madeleine Dietz um die Jahrtausendwende geschaffen hat. Der Altarblock besteht aus einem großen Quader geschwärzten lndustriestahls mit einer senkrechten Aussparung in der Mitte, gefüllt mit gebackenen Lehmplatten.[26]

Orgel

Der barocke Orgelprospekt stammt von 1761 und wurde von dem Wormser Orgelbauer Johann Georg Linck geschaffen.[27] Er war ein Geselle von Johann Christian Köhler und stand unter dessen Einfluss. Die Hochheimer Orgel gilt als Lincks erster eigenständiger Neubau und verfügte über 9 Register auf einem Manual und Pedal.[28] 1910 wurde das Innenwerk durch Förster & Nicolaus ersetzt und um ein Rückpositiv erweitert, sodass die Orgel seitdem über 18 Register auf 2 Manualen und Pedal verfügt. 1955 erfolgte ein Umbau durch Werner Walcker-Mayer.[29] Die Disposition der Orgel lautet seit 1955 wie folgt:[30]

I Hauptwerk C–
Principal 8′
Gemshorn 8′
Oktav 4′
Nachthorn 4′
Waldflöte 2′
Mixtur V–VI
II Rückpositiv C–
Gedackt 8′
Rohrflöte 4′
Prinzipal 8′
Nasat 113
Sifflöte 1′
Zimbel III–IV 112
Krummhorn 8′
Tremolo
Pedal C–
Subbass 16′
Offenbass 8′
Choralbass 4′
Rauschpfeife II
Posaune 16′
  • Koppeln: II/I, Pedalkoppeln I und II als Tritte

Glocken

Geschichte

Die älteste erhaltene Glocke stammt von 1463 und hing ursprünglich in der ehemaligen Klosterkirche und heutigen römisch-katholischen Ortskirche Maria Himmelskron. Sie wurde am Ende des Dreißigjährigen Krieges in die Bergkirche transloziert, nachdem deren beide Glocken während des Krieges verloren gegangen waren.[31]

Eine 1885 von der Glockengießerei Hamm in Frankenthal geschaffene Glocke wurde 1917 eingeschmolzen. Sie wurde 1924 durch drei Glocken von Georg Pfeiffer, Kaiserslautern, ersetzt, die 1943 ebenfalls eingeschmolzen wurden.[32]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1950 zwei neue Glocken beschafft und eine weitere 1961.[33]

Heutiges Geläut
Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer
 
Gewicht
(kg)
Ø
(mm)
Nominal
(16tel)
Inschrift(en)
 
Anmerkung
 
1 Marienglocke 1463 unbekannt 310 800 c‘‘ +marchus[Anm. 3] ave + maria +gratia +plena +dominus +fecum +anno +domini + MCCCCLXIII – Vor dem Wort „Marchus“ ist ein Adeler (Symbol des Evangelisten Johannes) und dahinter ein Engel mit Spruchband (Symbol des Evangelisten Matthäus) dargestellt. In der Mitte des Glockenmantels ist Maria mit dem Kind als Relief dargestellt.[34]
2 Lutherglocke[35] 1950 Glockengießerei Hamm in Frankenthal 417 945 g‘ EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT Stiftung von Amanda Schill-Gorth zum Andenken an ihre Eltern
3 St. Petrus-Glocke[36] 1950 Glockengießerei Hamm in Frankenthal 300 842 a‘ WIR WARTEN ABER EINES NEUEN HIMMELS UND EINER NEUEN ERDE NACH SEINER VERHEISSUNG[Anm. 4]
4 Gloria-Glocke[37] 1961 Glockengießerei Rincker in Sinn 1000 1215 e‘ GLORIA IN EXCELSIS DEO ET IN TERRA PAX HOMINIBUS BONAE VOLUNTATIS / LAUDAMUS TE + ADORAMUS TE + GLORIFICAMUS TE + GRATIAS AGIMUS TIBI PROPTER MAGNAM GLORIAM TUAM + A. D. 1961 + Das Relief der lobsingenden Engel auf dem Glockenmantel wurde von Gustav Nonnenmacher geschaffen und gestiftet.

Gemeinde

Die Kirchengemeinde der Bergkirche gehört heute zu der Gesamtkirchengemeinde in den Weinbergen Worms im Evangelischen Dekanat Worms-Wonnegau der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).[38]

Wissenswert

Ein um 1500 für die Bergkirche geschaffener Taufstein mit einem Löwenmotiv steht heute in der benachbarten römisch-katholischen Kirche Maria Himmelskron.[39]

Im Südosten der Kirche sind Mauerreste der Kirchenbefestigung erhalten.[40]

Literatur

  • Jobst Bodensohn: Die Bergkirche St. Peter zu Worms-Hochheim. Ein Streifzug durch nahezu 1000 Jahre Orts-, Kirchen- und Baugeschichte. Worms 1965.
  • Otto Böcher: Die Kirchen St. Peter und Maria Himmelskron zu Worms-Hochheim (= Rheinische Kunststätten 207). Neuss 1978, ISBN 3-88094-230-7
  • Hans Caspary (Bearb.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Rheinland-Pfalz – Saarland. 2. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München 1984. ISBN 3-422-00382-7
  • Carl Bronner: Die evangelische Kirche in Hochheim-Worms und ihre wiederfreigelegte Krypta. In: Volk und Scholle. Heimatblätter für beide Hessen, Nassau und Frankfurt am Main. Verbandszeitschrift des Hessischen Verkehrsverbandes 10 (1932), Heft 5, S. 128–133.
  • J. Gerlach: Die Hochheimer Krypta und ihre Wiederherstellung. In: Der Wormsgau 1, Heft 9, S. 360 f.
  • Irene Spille: Stadt Worms = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler Rheinland-Pfalz 10. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1992, ISBN 3-88462-084-3
  • Irene Spille: Die mittelalterliche Altarmensa in der Bergkirche in Worms-Hochheim. In: Der Wormsgau. 22, 2003, S. 35–39.
  • Diether Weirich: Die Bergkirche zu Worms-Hochheim und ihre Krypta. Ein Beitrag zur Baugeschichte des frühen Mittelalters, insbesondere zur Frage der Herkunft und Bedeutung vierstütziger Krypten (= Der Wormsgau Beiheft 13). Worms 1953.
Commons: Bergkirche Worms – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Bergkirche, Webpräsenz der Evangelischen Bergkirchen-Gemeinde Worms-Hochheim, abgerufen am 25. Oktober 2015 (Darstellungen zu Aussehen, Inventar, Geschichte und Baugeschichte, verschiedene Autoren)

Anmerkungen

  1. Die Einstufung als „nachgotisch“ beruht vor allem auf dieser Jahreszahl, die aber auch nachträglich, bei Abschluss des Wiederaufbaus an älterem Bestand angebracht worden sein kann. Weirich, S. 29, weist diesbezüglich auf stilistische Diskrepanzen hin, ohne daraus Konsequenzen zu folgern.Bronner, S. 129, schätzt die zeitliche Einordnung des gotischen Maßwerks auf „gegen 1500“.
  2. Die Angaben zur Krypta in Ernst Wörner: Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen […] Provinz Rheinhessen. Arnold Bergstraesser, Darmstadt 1887, S. 84, sind teilweise unzutreffend. Die Krypta war damals nicht zugänglich. Vgl. dazu auch Bronner, S. 130f.
  3. So Bodensohn, S. 34; Böker, S. 10, gibt „marckus“ an.
  4. Petr. 3, 13.

Einzelnachweise

  1. Spille: Denkmaltopographie, S. 220.
  2. Böcher, S. 3.
  3. Spille: Denkmaltopographie, S. 220.
  4. Böcher, S. 5.
  5. Böcher, S. 4.
  6. Böcher, S. 5.
  7. Böcher, S. 6.
  8. Böcher, S. 6.
  9. Böcher, S. 6.
  10. Böcher, S. 6.
  11. Böcher, S. 8.
  12. Gerlach, S. 360.
  13. Böcher, S. 11.
  14. Böcher, S. 8.
  15. Böcher, S. 9.
  16. Spille: Denkmaltopographie, S. 220.
  17. Bronner, S. 132.
  18. Caspary, S. 1187; Bronner, S. 133.
  19. Spille: Denkmaltopographie, S. 220.
  20. Spille: Denkmaltopographie, S. 220.
  21. Böcher, S. 9.
  22. Spille: Die mittelalterliche Altarmensa, S. 38.
  23. Gerlach, S. 360f.
  24. Spille: Die mittelalterliche Altarmensa.
  25. Spille: Denkmaltopographie, S. 220; Böcher, S. 11, 13.
  26. Bergkirche – Kunst; abgerufen am 11. Januar 2026.
  27. Spille: Denkmaltopographie, S. 220.
  28. Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins (= Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte. Band 6). Band 1: Mainz und Vororte – Rheinhessen – Worms und Vororte. Schott, Mainz 1967, ISBN 978-3-7957-1306-5, S. 512–513.
  29. Böcher, S. 8, 10.
  30. Bodensohn, S. 43.
  31. Böcher, S. 6.
  32. Böcher, S. 11.
  33. Böcher, S. 8, 11; Bodensohn, S. 38.
  34. Bodensohn, S. 33f.
  35. Bodensohn, S. 38.
  36. Bodensohn, S. 38.
  37. Bodensohn, S. 38.
  38. Die Nachbarschaftsräume im Evangelischen Dekanat Worms-Wonnegau.
  39. Spille: Denkmaltopographie, S. 220.
  40. Spille: Denkmaltopographie, S. 220.

Koordinaten: 49° 38′ 30,3″ N, 8° 20′ 1,3″ O