Benediktinerpropstei Belecke
Bei der Benediktinerpropstei Belecke handelte es sich um eine Gründung des Klosters Grafschaft aus dem 13. Jahrhundert. Sie beherbergte einen Propst, dessen Hauptaufgabe das Chorgebet war. 1804 wurde die Propstei im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Das Propsteigebäude wurde danach als Wohnung des Pfarrers genutzt. In Teilen der Propsteigebäude befindet sich heute das Stadtmuseum Schatzkammer Propstei in Warstein-Belecke. Es zeigt neben stadtgeschichtlichen Exponaten insbesondere Objekte zur Kirchengeschichte insbesondere des Klosters Grafschaft.
Geschichte und Entwicklung
Kloster Grafschaft hatte in Belecke seit dem 11. Jahrhundert Einkünfte aus Grundbesitz und Zehnteinnahmen. Erstmals lässt sich ein Propst in Belecke fürs Jahr 1244 urkundlich nachweisen. Möglicherweise existierte sie schon um 1100.[1] 1270 erhält der Abt des Klosters das Recht der Besetzung der Propstei bestätigt. In diesem Zusammenhang ist erstmals von der „prepositura Belike“ die Rede.
Während der meisten Zeit ihres Bestehens lebte und wirkte in der Propstei nur ein Propst. Nur um 1628 war ihm ein Kaplan zur Seite gestellt. Der aus den Reihen von Kloster Grafschaft entsandte Propst behielt in der Regel seine Stellung bis zu seinem Lebensende bei. Er bezog ums Jahr 1800 Einkünfte aus etwa 300 Morgen Land, die zum Teil in Eigenbewirtschaftung genutzt wurden und zum anderen Teil parzellenweise verpachtet waren.
Der Propst verrichtete das Chorgebet in seiner Hauskapelle, der so genannten Prälatenkapelle. An Sonn- und Feiertagen zelebrierte er dieses Gebet mit Unterstützung von sechs Laienchoralen in der Pfarreikirche. Der Propst trug die Bezeichnung Pfarrpropst.[2]
Am 1. März 1804 wurde die Propstei von den neuen hessischen Landesherren aufgehoben. Die der Propstei zugehörige Kirche blieb auch weiterhin Pfarrkirche. Die Propstei diente als Wohnung des Pfarrers. Vier Jahre später brannte das Propsteihaus ab. Dabei wurde auch das Propsteiarchiv zu großen Teilen vernichtet. Danach wurde das Gebäude als Pfarrhaus wieder neu errichtet. Die Reste des Archivs liegen seit der Zeit im Pfarrarchiv zu Belecke. Ein Teil der Bibliothek gelangte in die Erzbischöflich-Akademische Bibliothek nach Paderborn.
Stadtmuseum Schatzkammer Propstei
Teile der Gebäude der Propstei werden museal als Stadtmuseum Schatzkammer Propstei genutzt. Die Kirchengemeinde und die Stadt Warstein zeigen dort seit 1992 in der Dauerausstellung Exponate zur allgemeinen Kirchen- und Stadtgeschichte und zur Geschichte des Klosters Grafschaft. Ein Großteil der Ausstellungsstücke zum Kloster Grafschaft gehen auf den letzten Abt des Klosters Edmund Rustige zurück, der seine letzten Lebensjahre im ehemaligen Zehnthof der Abtei in Warstein verbracht hatte.[3]
Aus dem Bereich der allgemeinen Stadtgeschichte von Bedeutung ist das Stadtbuch der Stadt Belecke. Auch gibt es die Zunfttruhe der verschiedenen Handwerke oder das Silber der örtlichen Schützengesellschaft zu sehen.[4]
In der Ausstellung zur Kirchen- und Klostergeschichte gehört eine Statue des Erzbischofs Anno von Köln, zahlreiche Dokumente, eine Galerie mit Bildern Grafschafter Äbte. Hinzu kommen verschiedene Heiligenstatuen aus dem 17./18. Jahrhundert, eine Pieta aus dem 15. Jahrhundert und eine Nachbildung des Werler Gnadenbildes.[5] Besonders bemerkenswert sind vollständig erhaltene Pontifikalien von Grafschafter Äbten aus dem 18. Jahrhundert. Ein „goldene Kapelle“ genanntes Gewand aus dem frühen 18. Jahrhundert, ein schwarzes Messgewand aus Altenrüthen sowie die „rote Kapelle“ ein kunstvoll besticktes Grafschafter Pontifikalgewand von 1724/25. In der eigentlichen Schatzkammer befindet sich zahlreiche liturgische Geräte vom 15. bis 18. Jahrhundert aus Edelmetall. Darunter ist ein Abtskelch von 1509 oder eine Monstranz aus dem 18. Jahrhundert. Zur Ausstellung gehört auch eine noch im Original von 1724 erhaltene Kapelle mit verschiedenen Heiligenbildern und Reliquien unter anderem von Benedikt von Nursia und Anno von Köln.[6]
Liste der Pröpste
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Einzelnachweise
- ↑ Lukas Grawe: Museales Kleinod im Norden des Sauerlandes. Das Stadtmuseum Schatzkammer Propstei in Belecke. In: Sauerland 4/2025 S. 17
- ↑ Lukas Grawe: Museales Kleinod im Norden des Sauerlandes. Das Stadtmuseum Schatzkammer Propstei in Belecke. In: Sauerland 4/2025 S. 17
- ↑ Lukas Grawe: Museales Kleinod im Norden des Sauerlandes. Das Stadtmuseum Schatzkammer Propstei in Belecke. In: Sauerland 4/2025 S. 18
- ↑ Lukas Grawe: Museales Kleinod im Norden des Sauerlandes. Das Stadtmuseum Schatzkammer Propstei in Belecke. In: Sauerland 4/2025 S. 18
- ↑ Lukas Grawe: Museales Kleinod im Norden des Sauerlandes. Das Stadtmuseum Schatzkammer Propstei in Belecke. In: Sauerland 4/2025 S. 18
- ↑ Lukas Grawe: Museales Kleinod im Norden des Sauerlandes. Das Stadtmuseum Schatzkammer Propstei in Belecke. In: Sauerland 4/2025 S. 18f
Literatur und Quellen
- Karl Hengst: Westfälisches Klosterbuch, Teil 1, Münster 1992, S. 57–59.
- Lukas Grawe: Museales Kleinod im Norden des Sauerlandes. Das Stadtmuseum Schatzkammer Propstei in Belecke. In: Sauerland 4/2025 S. 17–19
Koordinaten: 51° 29′ 1″ N, 8° 20′ 22″ O