Belmiro de Almeida

Belmiro Barbosa de Almeida (* 22. Mai 1858 in Serro, Minas Gerais, Brasilien; † 12. Juni 1935 in Paris) war ein brasilianischer Maler, Bildhauer, Karikaturist, Schriftsteller und Hochschullehrer.[1]

Leben

Belmiro Barbosa de Almeida wurde 1858 in Serro im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais geboren. Er begann seine Ausbildung am Liceu de Artes e Ofícios in Rio de Janeiro und setzte sie ab 1877 an der Academia Imperial de Belas Artes fort. Dort studierte er unter anderem bei Zeferino da Costa, Agostinho José da Mota und Souza Lobo. Bereits im Jahr 1877 veröffentlichte er seine erste Karikatur in der Comédia Popular. Ab 1883 war er Kustos der Pinakothek der Akademie. Zwischen 1888 und 1890 studierte er in Paris bei Jules-Joseph Lefebvre, Benjamin Constant und Fernand Pelez. Während dieser Zeit stellte er einen Akt im Stil des Realismus des 19. Jahrhunderts in der Société des Artistes Français aus. Um 1890 kehrte er nach Brasilien zurück und unterrichtete von 1893 bis 1896 sowie 1916 an der Escola Nacional de Belas Artes in Rio de Janeiro. Parallel dazu wirkte er als Karikaturist für zahlreiche Zeitschriften, darunter O Mefisto, O Malho, Fon-Fon, O Diabo da Meia Noite, A Bruxa, Almanaque da Noite, Gazeta de Notícias und Don Quixote. Bereits 1886 hatte er die satirische Zeitschrift O Rataplan gegründet. 1916 war er Mitbegründer des Salão dos Humoristas im Liceu de Artes e Ofícios. 1930 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Sindicato dos Artistas und wurde dessen erster Präsident. Zwischen 1918 und 1935 lebte er erneut in Paris, wo er 1935 verstarb.[1]

Werk

Das künstlerische Schaffen Barbosa de Almeidas umfasst Malerei, Zeichnung und Karikatur sowie in geringerem Umfang Bildhauerei. Zwar begann er mit Werken im Stil des Naturalismus des 19. Jahrhunderts, entwickelte jedoch ab etwa 1912 und während seiner Pariser Zeit nach 1918 einen vielseitigen Stil, in dem sich Einflüsse des Symbolismus, der Nabis, des Neoimpressionismus und des Futurismus erkennen lassen. Sein Malstil zeichnet sich durch eine präzise zeichnerische Anlage, farbliche Vielfalt und eine gelegentliche Nähe zur Pleinair-Malerei aus. In seinem Œuvre finden sich Porträts, Akte, Landschaften, allegorische Darstellungen, Motive aus Folklore, Alltagsleben und Geschichte sowie selten religiöse Themen. Zu seinen bedeutenden Werken zählen unter anderem Arrufos (1887), Flagelação de Cristo, Os Descobridores, Vaso com Flores (1893), Bom Tempo (1893), Efeitos do Sol (1892) und A Tagarela (1893). In späteren Jahren verwendete er gelegentlich pointillistische Techniken, insbesondere in seinen Landschaften von Dampierre vor dem Ersten Weltkrieg. Seine Bildhauerei umfasst wenige Werke, darunter eine Frauenfigur am Grabmal von Afonso Pena auf dem Friedhof São João Batista in Rio de Janeiro sowie die Bronzeplastik O Manequino (auch Menino urinando genannt), die sich an der Praia de Botafogo befindet. Arbeiten Almeidas befinden sich unter anderem im Museu Nacional de Belas Artes in Rio de Janeiro, im Palácio do Governo in Belo Horizonte, im Museu de Arte de São Paulo sowie in privaten Sammlungen. Barbosa de Almeida stellte zwischen 1888 und 1893 regelmäßig in Rio de Janeiro und Paris aus. 1894 und 1921 wurde er bei den Ausstellungen der Sociedade Nacional de Belas Artes in Rio de Janeiro jeweils mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Weitere Ausstellungsbeteiligungen umfassen unter anderem den Pariser Salon von 1898 sowie zahlreiche posthume Präsentationen in Brasilien.[1]

Literatur

  • Ulrich Thieme: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 1, E. A. Seemann, Leipzig, 1907.
  • Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts, Band 5, E. A. Seemann, Leipzig, 1961.
  • Roberto Pontual: Dicionário das artes plásticas no Brasil, Civilização Brasileira , 1969.
  • Carlos Cavalcanti: Dicionário biográfico dos pintores, escultores, desenhistas e gravadores do Brasil, Band I, Bloch, Rio de Janeiro, 1973.
  • Fernando Jorge: Vidas de grandes pintores do Brasil, Martins, São Paulo, 1954.
  • Herman Lima: História da Caricatura no Brasil, José Olympio, Rio de Janeiro, 1963.
  • Ernesto Ramos Peixoto: Catálogo geral da pintura brasileira, Museu Nacional de Belas Artes, Rio de Janeiro, 1968.
  • Afonso Morales de los Rios Filho: Revista do Instituto Histórico e Geográfico Brasileiro, Band 296, Rio de Janeiro, 1972.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionnaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs, Band I, Gründ, Paris, 1976.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 1: A – Bedeschini. Paris, 2006.
Commons: Belmiro de Almeida – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Carlos Cavalcanti: Dicionário biográfico dos pintores, escultores, desenhistas e gravadores do Brasil, Band I. Bloch, Rio de Janeiro 1973.