Bellin (Krakow am See)
Koordinaten: 53° 43′ N, 12° 12′ O
Bellin ist ein Ortsteil der Stadt Krakow am See im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland. Bis 2004 war Bellin eine eigenständige Gemeinde, der auch die Dörfer Marienhof und Steinbeck angehörten. Die Einwohnerzahl des Ortsteils betrug am 31. Dezember 2023 209.[1]
Geografie
Der Ort liegt im Zentrum Mecklenburg-Vorpommerns etwa zehn Kilometer südlich der Kreisstadt Güstrow im Nordwesten des Krakower Stadtgebietes. Umgeben ist Bellin vorwiegend von Ackerflächen und Wiesen, an die sich im Nordosten und Südwesten Waldgebiete anschließen. Westlich des Ortes liegt ein zu großen Teilen mit Bruchwald bewachsenes Feuchtgebiet, das an seinen Rändern Böschungen aufweist und vom Teuchelbach in Richtung Nebel entwässert wird. Nach einer Fließrichtungsänderung verläuft der Teuchelbach begradigt nördlich des Ortes durch eine feuchte Senke, die unterhalb 25 m ü. NHN liegt. Die Bebauung des Ortes erstreckt sich auf etwa zwei Kilometern entlang der Straßen nach Zehna im Westen und Steinbeck im Osten und liegt auf etwa 40 m ü. NHN. In der Umgebung liegen mehrere benannte Erhebungen wie etwa der Beuckbarg (85 m) im Osten, der Vierberg (54,1 m) im Norden und der Wallberg (45,1 m) im Nordwesten.
Geschichte
Bellin wurde urkundlich erstmals 1229 erwähnt.[2] Die Herren von Bellin, es gab zwei verschiedene Adelsgeschlechter gleichen Namens,[3][4] einer wendischen Familie, wurden bereits kurz danach als werlesche Vasallen mehrfach genannt. Um 1300 besaßen sie die Güter Bellin sowie weitere Güter in umliegenden Orten. Sie errichteten eine Wasserburg. Nach Heirat einer Tochter Bernd (von) Bellins ging das Gut 1449 an Gerd von Linstow über, seine Nachkommen blieben bis 1662 Besitzer, danach ging es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts an das Adelsgeschlecht der Sala, an Angelus von Sala, den Leibarzt von Herzog Gustav Adolf von Mecklenburg-Güstrow.[5]
Im 18. Jahrhundert wurde nachweislich eine Gutsanlage erbaut, der Bauherr blieb bisher ungenannt. Es folgten die Grafen von Hardenberg (1782), von Osten-Sacken (1803), hier Friedrich Ludwig Bernhard Graf von Osten-Sacken.[6] Schon 1827 erwarben die Grafen von Hessenstein Bellin, direkt von der Gräfin von Osten-Sacken, durch Heirat, was auch der Landesherr genehmigte.[7] Dann übernahmen im 19. Jahrhundert bürgerliche Besitzer das Gut, die Familie des Friedrich August Peters (1849). Von 1851 bis 1862 war Wilhelm von Meding (1820–1902), der Gutsherr, er legte im Sommer 1851 seinen Lehnseid auf den Landesherrn ab.[8] 1853 wurde das Patronat der Kirche durch ihn an die Landesherrschaft abgegeben.[9] Ein enger Verwandter, Hr. W. F. C. L. v. Meding, war zeitgleich einflussreicher Erblandmarschall zu Hannover, die gesamte Familie, die Herren, trafen sich 1859 in Güstrow.[10] Die Familie von Meding erwarb dann 1865 das Gut in Kägsdorf bei Bastorf.[11] Folgend erschienen die von Zülow (1862–1876). Otto Karl Friedr. Herm. Koch war seit 1877 im Gutsbesitz, Friedrich Gotthard Ed. von Pentz-Gremmelin seit 1880. Er soll es von seinem Schwager erhalten haben.[9] Die spätere Abtretung des Gutes an die von Marschalls geschah aus finanziellen Gründen. Neuer Belliner Gutsherr wurde so der Rittmeister und spätere Major Gerhard von Marschall, der sogar in amtlichen Schriften fälschlich als Freiherr betitelt wurde, obwohl dies adelsrechtlich unkorrekt ist.[12][13] Er war seit Herbst 1899, mit Ablegung des Homagial-Eides, respektive mit der Verleihung der Mecklenburgischen Staatsangehörigkeit,[14] in der Funktion des örtlichen Gutsherrn. Herr von Marschall stammte aus Thüringen, vom Gut Altengottern III, und war ein Sohn des Landrates des Landkreises Langensalza, Wilhelm von Marschall.[15] Gerhard von Marschall blieb zunächst in Potsdam wohnen und zog etwa 1905 nach Bellin.
1910 erwarb der Hamburger Kaufmann und Unternehmer Henry B. Sloman Gut Bellin und ließ 1911/1912 durch Paul Korff das bis heute erhaltene, neobarocke Schloss errichten.[5]
Marienhof, zuvor Marienthal, heißt so seit 1822. Das Gut gehörte u. a. den Familien von der Osten-Sacken (ab 1806), von von Behr (ab 1850), dem Klavierbauer Heinrich Roloff aus Neubrandenburg (ab 1873)[16] und Bronsart von Schellendorff (ab 1877). Vertreter der Familie war dann Major Hans von Bronsart-Schellendorff, Träger des Pour Le Mérite, vorab mit Besitz in Laase auf Rügen ausgestattet,[17] der 1938 in Marienhof starb. Das Gut wurde Ende der 1930er Jahre teils aufgesiedelt. Die Witwe Charlotte, geb. Edle Herrin von Berger, lebte 1940 in Marienhof. Als Nacherbe ist nachgewiesen der Oberleutnant d. R. Hans-Heinrich von Bronsart-Schellendorff, seit 1943 vermisst.[18][19]
Das Herrenhaus Marienhof entstand um 1880, war nach 1945 im Eigentum der Gemeinde und wurde nach 1995 zu einem Hotel und Veranstaltungsort umgebaut.[20]
Politik
Die seit 1965 bestehende Gemeinde Bellin mit ihren Ortsteilen Marienhof und Steinbeck wurde am 1. Januar 2005 nach Krakow am See eingemeindet.[21] 2004 zählte die Gemeinde 275 Einwohner.[22]
Die ehemalige Gemeinde Bellin führte ein Wappen und eine Flagge. Das Wappen fand auch im Dienstsiegel Verwendung.
Wappen
Blasonierung: „In Rot ein hersehender silberner Widderkopf, begleitet von drei (1 : 2) schräglinks liegenden silbernen Eichenblättern.“
Flagge
Beschreibung: „Die Flagge der Gemeinde ist quer zur Längsachse des Flaggentuchs von Rot, Weiß und Rot gestreift. Die roten Streifen nehmen je ein Viertel, der weiße Streifen nimmt die Hälfte der Länge des Flaggentuchs ein. In der Mitte des weißen Streifens liegt das Gemeindewappen, das zwei Drittel der Höhe des Flaggentuchs einnimmt. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5 zu 3.“[23]
Sehenswürdigkeiten
Gutsanlage
Die weitläufige Gutsanlage besteht aus einem dreiteiligen Wirtschaftshof, dessen Mittelteil mit dem Ehrenhof zusammen der barocken Grundstruktur folgt. Der Hof wird im Norden durch ein Torhaus und im Süden durch das 1910 erbaute Schloss mit seinem sich anschließenden Park begrenzt.
Neben einem Pavillon befindet sich im Park eine Gutskapelle, die wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert stammt, und ein Taufbecken aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.[24] Erwähnenswert ist auch der um 1912 errichtete, heute auf freiem Feld stehende Wasserturm, der in seinem Aussehen an einen Wehrturm erinnert.[25]
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Herrenhaus (2010).
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Torhaus (2010).
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Gutskapelle (2009).
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Pavillon auf der Gutsanlage Bellin (um 1980).
Kirche
Die monumentale Dorfkirche Bellin ist eine spätromanisch-frühgotische Feldsteinkirche aus der Mitte des 13. Jahrhunderts mit reicher Ausmalung im Innern.
Verkehr
Durch Bellin führt die Kreisstraße 23 von Zehna nach Groß Tessin. Weitere Verbindungsstraßen bzw. -wege führen in die umliegenden Orte Steinbeck, Marienhof, Groß Breesen und Mühl Rosin. Der ehemalige Ortsteil Marienhof besaß einst einen etwas abgelegenen Haltepunkt an der im Personenverkehr nicht mehr bedienten Bahnstrecke Güstrow–Meyenburg.
Literatur
- Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. IV. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Schwaan, Bützow, Sternberg, Güstrow, Krakow, Goldberg, Parchim, Lübz und Plau. Schwerin 1901, S. 320–326.[26]
- Georg Dehio Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V. (Hrsg.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern. Deutscher Kunstverlag, München, Berlin 2016, ISBN 3-422-03081-6, S. 61–62.
Quellen
Gedruckte Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Stadt und Ortsteile Krakow am See. In: Stadt-Krakow-am-See.de. Stadt Krakow am See, abgerufen am 10. Mai 2024.
- ↑ MUB, I. (Schwerin 1863) Nr. 369, 411.
- ↑ Christian Friedrich August von Meding-Schnellenberg: Nachrichten von adelichen Wapen. Johann Philipp Chrstian Reuß (Freyheit-Naumburgsches Waysenhaus), Hamburg 1786, S. 31.
- ↑ Ernst Heinrich Kneschke: NaDA-L. Band 1, Friedrich Voigt, Band, Leipzig 1859, S. 291.
- ↑ a b Krakow am See, Ortsteile Bellin, Marienhof, Steinbeck. ( vom 12. Februar 2005 im Internet Archive)
- ↑ H. F. W. Raabe: Gesetzsammlung für die Meklenburgische-Schwerinsche Lande . Zweite Folge-bis 1856, V. Band (Nachträge), Hinstorff, Wismar/Ludwigslust 1857, S. 1156.
- ↑ Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinsches officielles Wochenblatt 1827. Neunundzwanzigstes Stück, Sonnabend, den 4. August 1827, S. 139 f.
- ↑ Regierungsblatt für das Großherogthum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1851, 1 bis 42, Hofbuchdruckerei, Schwerin 1851, S. XXI.
- ↑ a b Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Bellin. In: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. IV. Band, Schwerin 1901, S. 320–326.
- ↑ C. L. v. Lenthe: Archiv für Geschichte und Verfassung des Fürstenthums Lüneburg. Band 4/3, Capaun-Karlowa, Celle 1859, S. 528 f.
- ↑ Vgl. FamilySearch: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. 1907. Jg. 8, Justus Perthes, Gotha 1906, S. 447 f.
- ↑ Marschall, Gerhard L. R. v. Maj. . Adjutant b. Gouvt. v. Berlin * 23. VIII. 1860 Altengottern. Herr auf Bellin (1500 ha). Meckl.-Schwerin., In: Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist's?. Unsere Zeitgenossen. Zeitgenossenlexikon I. Ausgabe, Selbstverlag, Leipzig (Juli) 1905, S. 530.
- ↑ Marschall, Gerhard L. R. v. Major. * 23. VIII. 1860 Altengottern. Herr auf Bellin (1500 ha), In: Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Who’s Who in Germany. Wer ist’s? V. Ausgabe, G. E. Stechert & Co.-New York, Selbstverlag, Leipzig 1911, S. 918.
- ↑ Regierungs-Blatt für das Großherogthum Mecklenburg-Schwerin. Amtliche Beilage. Jahrgang 1899, №. 44, Schwerin, Freitag, den 3. November 1899, S. 263.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1942. Jg. 41, Justus Perthes, Gotha (17. September) 1941, S. 319.
- ↑ Regierungs-Blatt für das Großherogthum Mecklenburg-Schwerin. Amtliche Beilage. Jahrgang 1873, №. 1 bis 51, Hofbuchdruckerei Dr. F. W. Bärensprung, Schwerin 1873, S. XXIII.
- ↑ Internet Archive: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Deutscher Uradel. 1922. Dreiundzwanzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1921, S. 164 f.
- ↑ Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch des Adeligen Häuser. A (Uradel). 1960. Band V, Band 24 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1960, ISSN 0435-2408, S. 95.
- ↑ Matthias Graf von Schmettow (Hrsg.): Gedenkbuch des Deutschen Adels. In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv. Band 3, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1968, S. 46.
- ↑ Guts- & Herrenhäuser – Herrenhaus Marienhof. In: gutshaeuser.de. Abgerufen am 10. Mai 2024.
- ↑ Gebietsänderungen in Mecklenburg-Vorpommern 2005. (PDF; 89 kB) In: service.mvnet.de. Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern, 26. Januar 2006, S. 3, abgerufen am 10. Mai 2024.
- ↑ Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern (Faktoren der Bevölkerungsentwicklung) 2004. (PDF; 473 kB) In: service.mvnet.de. Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern, 25. Juli 2005, S. 14, abgerufen am 10. Mai 2024.
- ↑ Hauptsatzung der Gemeinde Bellin. (PDF; 23 kB) ehemalige Satzung von Bellin. In: krakow-am-see.de. 1. Januar 2002, archiviert vom am 14. Juli 2004; abgerufen am 10. Mai 2024.
- ↑ Georg Dehio Nachfolge (Hrsg.): Bellin, Lkr. Güstrow. In: Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2016, S. 61–62.
- ↑ Wasserturm in Bellin. In: zwillingswindmuehlen.de. Abgerufen am 10. Mai 2024.
- ↑ Neudruck 1993, ISBN 3-910179-08-8.