Bella Rosenak

Bella Rosenak (geborene Carlebach, geboren 24. November 1876 in Lübeck; gestorben 17. September 1961 in New York) war eine deutsche Jugendpflegerin und Fürsorgerin.

Leben

Bella Carlebach wurde am 24. November 1876 in Lübeck als Tochter des Rabbiners Salomon Carlebach und der Esther Carlebach geboren. Sie hatte acht Brüder und drei Schwestern und da ihr Vater so das Einkommen der Familie aufbessern wollte, lebten sechs weitere Jungen im Haushalt, die dort erzogen wurden. Somit war die Familie Carlebach stark männlich dominiert, was bei Bella Carlebach durchaus zu Unzufriedenheiten führte. Als Mädchen standen ihr nicht die Bildungsmöglichkeiten ihrer Brüder zur Verfügung, so gab es keine weiterführende Schule oder eine Universitätsausbildung für sie und es gab für sie kein mit der Bar Mitzwa vergleichbares Fest zur Aufnahme in der Gemeinde mit einer großen Familienfeier und Geschenken. Sie durfte nur, genau wie ihre Schwestern, der Mutter bei der Ausrichtung helfen. Sie besuchte von 1886 bis 1892 die Ernestinenschule, danach erhielt sie zwei Jahre Unterricht in Kunsthandwerk, Handarbeiten, Zeichnen und Sprachen als Vorbereitung für ein Leben als Frau in ihren Kreisen.[1]

Am 4. Januar 1897 heiratete sie den Rabbiner Leopold Rosenak. Das Paar zog nach Bremen. In Bremen arbeitete Leopold Rosenak als Rabbiner und sie bekamen zwischen 1897 und 1904 drei Kinder, den Sohn Ignatz Rosenak (1897–1957), der Jurist wurde und in die Vereinigten Staaten emigrierte, die Tochter Cilly (1900–1945), die mit ihrem Mann im KZ Bergen-Belsen ermordet wurde, und die Tochter Hanna (1904–1995), die den Nachfolger ihres Vaters, den Rabbiner Felix Aber, heiratete und nach Kanada emigrierte.[2] Bella Rosenak engagierte sich in sozialen Bereichen, vor allem für Auswanderer. Sie arbeitete im „Bremer Komitee für hilfsbedürftige jüdische Emigranten“, kümmerte sich um ältere Menschen, betreute diese, schrieb ihnen Briefe an Angehörige, kümmerte sich um saubere Kleidung und Wäsche für Kinder. Sie initiierte eine Gruppe der jüdischen Bahnhofshilfe, die sich bemühte, junge Frauen vor Mädchenhändlern zu warnen und vor unüberlegten Schritten zu bewahren.[1]

Leopold Rosenak starb 1923 auf der Rückreise von Amerika nach Bremen auf See. Er wurde in Bremen bestattet. Bella Rosenak verstärkte danach ihre Sozialarbeit. Für die Stadt Bremen arbeitete sie als Jugendpflegerin und Fürsorgerin. Sie wohnte ab 1927 im neuen jüdischen Gemeindehaus, dem Rosenak-Haus im Schnoor, welches nach ihrem Mann benannt worden war. Es lag neben der Synagoge. Sie engagierte sich auch dabei, das jüdische Kinder-Erholungsheim in Wyk auf Föhr zu finanzieren, und sammelte dafür Spenden. Mit Beginn des Nationalsozialismus wurde auch die Arbeit im sozialen Bereich, die zuvor über alle Konfessionen stattgefunden hatte, schwieriger. Antisemitische Haltungen zogen ein. Bella Rosenak beantragte 1935 ein Einreisevisum für die Vereinigten Staaten und erhielt es 1938. So konnte sie noch rechtzeitig Deutschland verlassen und lebte danach in New York.[1] Sie erreichte New York mittellos, da in der Pogromnacht 1938 auch die Synagoge in Bremen angezündet und das Rosenak-Haus geplündert worden war. Bella Rosenak war zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause.[3]

Bella Rosenak starb am 17. September 1961 in New York. In Bremen wurde sie mit einem FrauenOrt geehrt.[3]

Einzelnachweise

  1. a b c Frauenwerk Lübeck-Lüneburg: Bella Rosenak (PDF), abgerufen am 5. Dezember 2025
  2. Frank Hethey: Vor 100 Jahren: Tod des Rabbiners Rosenak. In: weser-kurier.de. weser-kurier-de, 2023, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  3. a b Der digitale Stadtplan FrauenOrte Mitte. In: bremer-frauenmuseum.de. 2021, abgerufen am 5. Dezember 2025.