Belagerung von Toma

Belagerung von Toma
Teil von: Erster Weltkrieg außerhalb Europas

Übersichtskarte des Gebiets um Rabaul, Neupommern (Neubritannien), mit der Nomenklatur und Ortsnamen von 1914.
Datum 14. bis 17. September 1914
Ort Toma, Neupommern
Ausgang Sieg der AN&MEF
Konfliktparteien

Vereinigtes Konigreich 1801 Vereinigtes Königreich

Deutsches Reich Deutsches Reich

Befehlshaber

Australien 1903 Edward Fowell Martin

Deutsches Reich Eduard Haber

Truppenstärke

Land:
200 Mann Infanterie,
1 Feldkanone
See:
1 Geschützter Kreuzer

10 Mann Infanterie,
110 Mann Polizeitruppen

Verluste

keine

120 Gefangene

Die Belagerung von Toma war eine unblutige Militäraktion im Ersten Weltkrieg auf der Insel Neupommern (heute Neubritannien) zwischen dem 14. und 17. September 1914. Sie fand im Rahmen der Besetzung Deutsch-Neuguineas durch die australische Marine- und Militärexpeditionsstreitmacht (Australian Naval and Military Expeditionary Force AN&MEF) in und bei der Ortschaft Toma statt.

Australische Streitkräfte waren entsandt worden, um deutsche Funkstationen im Südwestpazifik zu erobern und zu zerstören, da diese vom deutschen Ostasiatischen Kreuzergeschwader unter Vizeadmiral Maximilian Graf von Spee genutzt wurden und somit die alliierte Handelsschifffahrt in der Region bedrohten. Neuseeland stellte eine ähnliche Streitmacht für die Besetzung Deutsch-Samoas. Schließlich musste die deutsche Kolonialregierung nach ihrer Einschließung kapitulieren, womit der letzte bedeutende Widerstand in dem Gebiet gebrochen war.

Vorgeschichte

Die australische Marine- und Militärexpeditionsstreitmacht (AN&MEF) erreichte Rabaul am 11. September und fand den Hafen frei von deutschen Truppen vor. Kleine Gruppen von Marine-Reservisten landeten in der Kabakaulbucht und bei Herbertshöhe auf Neupommern, südöstlich von Rabaul. Diese Truppen wurden zunächst durch Matrosen und später durch Infanterie verstärkt und rückten ins Landesinnere vor, um die mutmaßlich in Betrieb befindliche Funkstation in Bita Paka, 6,9 km südlich, einzunehmen.[1] Die Australier stießen auf Widerstand einer gemischten Truppe aus deutschen Reservisten und melanesischen Polizisten, die sie zwangen, sich den Weg zum Ziel im sog. Gefecht bei Bita Paka freizukämpfen. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde die Funkstation erreicht. Sie war verlassen, der Mast war umgestürzt, aber die Instrumente und Maschinen waren intakt. Während der Kämpfe bei Bita Paka waren sieben Australier gefallen und fünf wurden verwundet, während die Verteidiger einen deutschen Unteroffizier und etwa 30 Melanesier verloren, sowie einen Deutschen und zehn Melanesier, die verwundet wurden.[1] Am Abend des 12. September landete das Infanteriebataillon der AN&MEF in Rabaul. Am folgenden Nachmittag fand eine Zeremonie statt, um die britische Besetzung Neubritanniens zu signalisieren, obwohl der deutsche Gouverneur das Gebiet noch nicht abgetreten hatte.[2]

Belagerung

Nach ihrer Niederlage bei Bita Paka am 11. September zogen sich die verbliebenen deutschen Truppen weitere 31 km zu der Ortschaft Toma zurück, in der Annahme, sich dort vor dem Eintreffen der Australier erholen zu können. Unbemerkt von den Deutschen war ihnen jedoch eine 200 Mann starke Vorhut unter Major Edward Martin von Bita Paka aus gefolgt. Die Stadt wurde von den australischen Truppen eingekreist und mit einer 12-Pfünder-Feldkanone beschossen. Auch der Geschützte Kreuzer HMAS Encounter traf ein und beschoss einen nahegelegenen Hügelkamm.[2] Der deutsche Gouverneur Eduard Haber wusste, dass seine kleine Truppe sich letztendlich ergeben musste, hielt aber noch einige Tage durch in der Hoffnung, dass das deutsche Ostasiengeschwader zum Entsatz eintreffen würde.[3] Die australische Feuerkraft reichte jedoch aus, um Verhandlungen einzuleiten und Haber die Vergeblichkeit seiner Hoffnungen erkennen zu lassen. Die Deutschen einigten sich schließlich mit den Australiern auf günstige Bedingungen, übergaben die Kolonie und beendeten die Belagerung. Am 17. September wurden die Bedingungen unterzeichnet und jeglicher militärische Widerstand wurde eingestellt. Die verbliebenen 40 deutschen Soldaten und 110 Einheimischen kapitulierten am 21. September.[3] Haber durfte nach Deutschland zurückkehren, während deutsche Zivilisten bleiben durften, solange sie einen Neutralitätseid leisteten. Wer sich weigerte, wurde nach Australien transportiert, von wo aus er frei nach Deutschland zurückreisen konnte.[2]

Folgen

Mit der Kapitulation der Regierung geriet fast ganz Deutsch-Neuguinea unter australische Kontrolle. Die Mehrheit der dort lebenden Deutschen wurde interniert und später deportiert. Nur wenige isolierte Gruppen deutscher Streitkräfte leisteten nach dem Fall von Toma weiterhin Widerstand. 1915 bestand der einzige verbliebene deutsche Widerstand in der Kolonie neben gelegentlichen Überfällen von Handelsschiffen aus Leutnant Hermann Detzner und seiner 20-köpfigen Gruppe einheimischer Polizisten, die sich während des gesamten Krieges im Landesinneren Neuguineas der Gefangennahme entzogen hatten.[4] Nach der Einnahme der deutschen Besitzungen in der Region stellte die AN&MEF für die Dauer des Krieges Besatzungstruppen.[5] Nach dem Krieg wurde die deutsche Kolonie Teil des australischen Mandatsgebietes des Völkerbundes.

Literatur

  • Kevin Meade: Heroes before Gallipoli: Bita Paka and that One Day in September. Milton: John Wiley & Sons Australia. Milton. 2005. ISBN 1-74031-117-5.

Einzelnachweise

  1. a b Chris Coulthard-Clark: Where Australians Fought - the Encyclopaedia of Australia's Battles. Allen & Unwin. 1998. ISBN 978-1864486117. S. 96-97.
  2. a b c Charles Bean: Anzac to Amiens. Australian Capital Territory: Australian War Memorial. Canberra. 1946. OCLC 28535580. S. 36-37.
  3. a b George Odgers: 100 Years of Australians at War. Lansdowne. Sydney. 1994. ISBN 1-86302-669-X. S. 42.
  4. Kevin Meade: Heroes before Gallipoli: Bita Paka and that One Day in September. Milton: John Wiley & Sons Australia. Milton. 2005. ISBN 1-74031-117-5.
  5. Seaforth MacKenzie: The Australians at Rabaul: The Capture and Administration of the German Possessions in the South Pacific. In: Official History of Australia in the War of 1914–1918. Band X. 10. Auflage. Australian Capital Territory: Australian War Memorial. Canberra. 1941. OCLC 494426919.