Belagerung von Minden (1634)
| Belagerung Gelderns | |||||||||||||||||
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| Teil von: Dreißigjähriger Krieg | |||||||||||||||||
Belagerung von Minden; Gemälde von Fritz Grotemeyer (1942) | |||||||||||||||||
| Datum | 24. Julijul. / 3. August 1634greg. bis 10. Novemberjul. / 20. November 1634greg. | ||||||||||||||||
| Ort | Minden | ||||||||||||||||
| Ausgang | Sieg der Schweden/Lüneburger | ||||||||||||||||
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Frankfurt – Magdeburg – Werben – Breitenfeld – Bamberg – Rain – Wiesloch – Alte Veste – Lützen – Hessisch Oldendorf – Hameln – Steinau – Liegnitz – Regensburg – Minden – Nördlingen
Die Belagerung von Minden war eine militärische Konfrontation während des Dreißigjährigen Krieges. Sie dauerte vom 24. Julijul. / 3. August 1634greg. bis zum 10. Novemberjul. / 20. November 1634greg.. Die von einer kaiserlichen Garnison verteidigte Festung Minden wurde dabei von schwedischen Verbänden und deren niedersächsischen Verbündeten eingeschlossen und schließlich erobert.
Vorgeschichte
Herzog Georg aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg (später Fürst von Calenberg und Stammvater des Kurfürstentums Hannover) hatte sich 1631 der Allianz mit den Schweden angeschlossen, war zum schwedischen General ernannt worden und hatte selbst sechs neue Regimenter aufgestellt. Mit diesen eröffnete er im März 1632 die militärischen Operationen gegen die kaiserlichen Truppen im Niedersächsischen Reichskreis entlang der Weser. Im Herbst zog das Korps zur Verstärkung der schwedischen Hauptarmee nach Sachsen.
Nach der Schlacht bei Lützen am 6. Novemberjul. / 16. November 1632greg. kehrte es nach Niedersachsen zurück, wo Herzog Georg nunmehr als regionaler Oberbefehlshaber der protestantischen Kräfte agierte. Verstärkt wurde er von einem schwedischen Korps unter Freiherr Dodo zu Innhausen und Knyphausen. Im Verlauf des Jahres 1633 gelang dem Herzog neben einem Sieg über die Kaiserlichen in der Schlacht bei Hessisch Oldendorf auch die Einnahme der wichtigen Festung Hameln (→ Belagerung von Hameln). Danach zerstritten sich die protestantischen Heerführer zunächst. Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel zog sein starkes Truppenkontingent unter Generalleutnant Thilo Albrecht von Uslar ab, um zunächst Hildesheim zu erobern (→ Belagerung von Hildesheim). Ohne diese Truppen konnte Herzog Georg starke kaiserliche Stützpunkte wie Nienburg oder Minden nicht angreifen. Er musste sich damit begnügen, Pyrmont zu besetzen und sich im Januar 1634 zum General des Niedersächsischen Reichskreises wählen zu lassen.
Erst nach dem Fall von Hildesheim (Juli 1634) und dem kurz darauf erfolgten Tod Herzog Friedrich Ulrichs (August 1634) konnte Herzog Georg auf das Wolfenbütteler Kontingent unter Generalleutnant von Uslar zurückgreifen und die Operationen gegen Minden eröffnen.
Verlauf
Die Stadt Minden war 1625 von kaiserlichen Truppen unter Johann T’Serclaes von Tilly kampflos besetzt worden und hatte seitdem als Stützpunkt gedient. Die Festung diente als Verbindungsglied zwischen den kaiserlichen Stützpunkten Nienburg und Wolfenbüttel mit dem katholischen Münster und den Spanischen Niederlanden. Von hier aus war der Stadtkommandant Oberst Waldeck(er) noch im Juli 1634 mit 4.000 Mann zum Entsatz von Hildesheim aufgebrochen, war aber in einem verlustreichen Gefecht am 9. Julijul. / 19. Juli 1634greg. bei Sarstedt zurückgeworfen worden. Teile der Besatzung von Hildesheim hatten sich nach der Übergabe der Stadt unter freiem Geleit nach Minden abgesetzt und die dortige Besatzung verstärkt.[1] Im Sommer 1634 verfügte die Festung Minden unter Oberst Waldeck über etwa 60 Geschütze unterschiedlicher Typen, deren Pulver innerhalb Mindens direkt hergestellt werden konnte.[2]
Um Hameln versammelte Herzog Georg ab dem Frühjahr 19.454 Mann (einschließlich der Wolfenbütteler Truppen ab Juli) und einen Belagerungspark. Den Kern des Korps bildete die Besatzung von Hameln unter dem schwedischen Obersten und Generalkriegskommissar Trana Anderson. Es gab jedoch erhebliche Schwierigkeiten bei der Bezahlung und beim Unterhalt der Truppen, die vor allem in der mangelnden Kooperation der Schweden unter Feldmarschall Johan Banér und des Herzogs Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel begründet lagen. Daher konnten die Operationen zur Einnahme Mindens erst im Juli beginnen.[3]
Im Juli 1634 rückte Herzog Georg mit seinen Truppen in Stadthagen ein und ließ von dort aus Bückeburg besetzen. Über Obernkirchen trat er am 24. Julijul. / 3. August 1634greg. den Marsch nach Minden an, wo die kaiserlichen Vorposten am folgenden Tag zurückgeworfen wurden und die ersten 30 Geschütze eintrafen. Bei Hausberge, wo Herzog Georg sein Hauptquartier einrichtete, wurde eine Brücke über die Weser geschlagen. Die Belagerer errichteten vier Lager: (a) vor dem Simeonstor unter Herzog Georg selbst, (b) vor dem Kuhtor unter Gen.Lt. von Uslar, (c) vor dem Marientore unter Gen.Maj. Sperreuter und (d) vor dem Wesertor auf dem jenseitigen Flussufer.[4]
Die Belagerung glich zunächst einer lockeren Einschließung, zumal die Verteidiger vor dem Simeonstor noch das Vorgelände mit dem Galgenberg besetzt hielten. Die Lüneburger Artillerie war zunächst nicht in der Lage, den Fluss zu überschreiten, wahrscheinlich, weil die Schiffsbrücke sie nicht tragen konnte. Die erste Batterie wurde daher gegenüber der Weserschanze errichtet und der Beschuss begonnen. Am 12. August (a.S.) war hier eine zweite und am 21. August eine dritte Batterie hinzugekommen. Die Besatzung wehrte sich, indem sie am 22. August einen Ausfall mit Reitern wagte. Die eintreffende Nachricht von der schweren Niederlage der Schweden in der Schlacht bei Nördlingen (5./6. September 1634) ließ die Zuversicht der Besatzung weiter wachsen.[4]
Herzog Georg entschied den Angriff vor allem gegen das Simeonstor zu richten. Zunächst sollte dazu der Galgenberg im Vorfeld der Stadt besetzt werden, um aus dieser günstigen Position heraus eine Bresche in die Umwallung schießen zu können. Aus dem Umland wurden Bauern zusammengeholt, die in aufwändiger Arbeit die Bastau, welche den Graben der Stadtbefestigungen mit Wasser versorgte, umleiteten. Gleichzeitig wurden zwischen dem 31. August und 19. September drei neue Batterien aufgefahren, die die Verschanzungen auf dem Galgenberg unter Feuer nahmen. Gegen diese Vorbereitungen richtete Oberst Waldecker am 20. September einen großen Ausfall aus dem Simeons- und dem Kuhtor. Die Kaiserlichen erstürmten eine Batterie und drangen bis zum feindlichen Quartier beim Dorf Dützen vor. Im Gegenangriff konnten die Lüneburger die Kaiserlichen zurückwerfen, dabei 2 Offiziere und 20 Mann gefangen nehmen und die verlorene Batterie bis zum 21. September wieder einrichten.[5]
Unter dem Ingenieur Major Johann Konrad Scheither (wahrscheinlich Vater von Johann Bernhard von Scheither) begann jetzt der systematische Angriff mittels Laufgräben gegenüber dem Marientor. Auch gegen diese Bedrohung richteten die Verteidiger Ausfälle, von denen einer am 26. September bis in die Gräben durchdrang. Allerdings waren diese Erfolge von kurzer Dauer, und bald hatten die Belagerer auch hier zwei Batterien errichtet. Die Stadt konnte nun aus drei Richtungen beschossen werden. Bis zum 7. Oktober waren Laufgräben bis zum Galgenberg vorgetrieben und dort Geschütze in Position gebracht worden. Dieses Feuer auf kürzere Distanz wirkte wesentlich besser, da damit nicht nur die Mauern beschossen werden konnten, sondern auch der dahinter gelegene Teil der Stadt. Der Turm der Simeonskirche fiel diesem Beschuss bald zum Opfer. Nach wenigen Tagen wurde Oberst Waldecker am 12. Oktober zur Kapitulation aufgefordert, die er jedoch ablehnte.[5]
Bis zum 25. Oktober gingen weitere fünf Batterien der Belagerer in Stellung und begannen damit am Simeons-, Kuh- und Marientor gleichzeitig Breschen zu schießen. Wahrscheinlich unternahmen die Belagerer daraufhin (mehrmals) einen vergeblicher Sturm auf die Mauern, der abgewehrt werden konnte. Bei einer dieser Gelegenheiten am 25. Oktober / 4. November sollen Gen.Lt. von Uslar gefallen sowie weitere hohe Oberste der Lüneburger gefallen sein.
Die Versorgung mit Munition ging zur Neige, obwohl man bereits die Bleidächer von den Kirchen abgenommen und zu Kugeln eingeschmolzen hatte.[6] Auch an Lebensmitteln mangelte es seit einiger Zeit, und Entsatz war nicht zu erwarten. Daher nahm Oberst Waldecker am 29. Oktober schließlich Übergabeverhandlungen auf. Diese führten am 3./13. November zur Kapitulation und zur Übergabe der Festung gegen Freien Abzug der Besatzung.[6] Am 10./20. November, um 9 Uhr früh, zog diese mit 900 Mann Infanterie und 300 Reitern sowie zwei Geschützen aus der Stadt in Richtung Münster ab.[7] Andere Quellen geben die Besatzung mit 2.000 Mann und drei Geschützen an.[6]
Folgen
Die Einnahme war der vorläufig letzte militärische Erfolg Herzog Georgs. Sie hatte neben zahlreichen Soldaten auch den Verlust wichtiger Offiziere wie Gen.Lt. von Uslar oder Oberst Trana Anderson zur Folge.[3] Als neue Besatzung rückte das Leib-Infanterie-Regiment in Minden ein und dessen Kommandeur Wilhelm von Lüdinghausen wurde gleichzeitig Festungskommandant.[8]
Gleichzeitig wurde das Verhältnis zu den Schweden unter Reichskanzler Axel Oxenstierna immer gespannter, da es immer offensichtlicher wurde, dass es Herzog Georg ausschließlich darum ging seine eigenen und dynastischen Interessen mit schwedischen Mitteln durchzusetzen.[9] Es blieb unklar, ob er Minden und andere Orte als schwedischer General oder als Braunschweiger Herzog erobert hatte und folglich war der Besitz der Orte ungeklärt.[6]
Im folgenden Jahr trat Herzog Georg dem Prager Frieden (1635) bei und schied somit zunächst aus dem Krieg aus. Die Schweden wollten sich des wichtigen Stützpunktes jedoch versichern und führten am 26. Apriljul. / 6. Mai 1636greg. einen Handstreich zur Besetzung der Stadt durch. Dabei spielte der Verrat des stellvertretenden Kommandanten Hieronymus von Plettenberg eine entscheidende Rolle. Die Soldaten des Leib-Infanterie-Regiments wurden in schwedische Dienste gepresst.[10] Im Rahmen des Westfälischen Friedens sollte Minden schließlich an Brandenburg-Preußen fallen.
Der kaiserliche Platzmajor (stellvertretende Kommandant) Johann Schlick verfasste ein Tagebuch über die Belagerung, welches später veröffentlicht werden sollte.[2]
Literatur
- Felix Schütz von Brandis: Übersicht der Geschichte der Hannoverschen Armee von 1617 bis 1866, Hahn'sche Buchhandlung, Hannover/Leipzig 1903.
- Hans Nordsiek: Vom Fürstbistum zum Fürstentum Minden – Verfassungsrechtliche, politische und konfessionelle Veränderungen von 1550 bis 1650, in: Westfälische Zeitschrift 140 (1990), S. 251–274.
- Louis Heinrich Friedrich von Sichart: Geschichte der Königlich-Hannoverschen Armee, Bd. 1, Hahn'sche Buchhandlung, Hannover 1866.
Einzelnachweise
- ↑ Carl Du Jarrys de la Roche: Der dreißigjährige Krieg vom militärischen Standpunkte aus beleuchtet, Bd. 2, Schaffhausen 1851, S. 401f
- ↑ a b Felix Schütz von Brandis: Übersicht der Geschichte der Hannoverschen Armee von 1617 bis 1866, Hannover/Leipzig 1903, S. 36
- ↑ a b Louis Heinrich Friedrich von Sichart: Geschichte der Königlich-Hannoverschen Armee, Bd. 1, Hannover 1866, S. 103
- ↑ a b Felix Schütz von Brandis: Übersicht der Geschichte der Hannoverschen Armee von 1617 bis 1866, Hannover/Leipzig 1903, S. 37
- ↑ a b Felix Schütz von Brandis: Übersicht der Geschichte der Hannoverschen Armee von 1617 bis 1866, Hannover/Leipzig 1903, S. 38
- ↑ a b c d Hans Nordsiek: Vom Fürstbistum zum Fürstentum Minden - Verfassungsrechtliche, politische und konfessionelle Veränderungen von 1550 bis 1650, in: Westfälische Zeitschrift 140 (1990), S. 262
- ↑ Felix Schütz von Brandis: Übersicht der Geschichte der Hannoverschen Armee von 1617 bis 1866, Hannover/Leipzig 1903, S. 39
- ↑ Louis Heinrich Friedrich von Sichart: Geschichte der Königlich-Hannoverschen Armee, Bd. 1, Hannover 1866, S. 104
- ↑ Carl Du Jarrys de la Roche: Der dreißigjährige Krieg vom militärischen Standpunkte aus beleuchtet, Bd. 2, Schaffhausen 1851, S. 404
- ↑ Hans Nordsiek: Vom Fürstbistum zum Fürstentum Minden - Verfassungsrechtliche, politische und konfessionelle Veränderungen von 1550 bis 1650, in: Westfälische Zeitschrift 140 (1990), S. 264f