Befreite Brüste
| Film | |
| Titel | Befreite Brüste |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2024 |
| Länge | 43 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Anika Tietze |
| Drehbuch | Anika Tietze |
Befreite Brüste ist ein deutscher Dokumentarfilm aus dem Jahr 2024. Er thematisiert die Evolution der weiblichen Brüste und kulturelle Aspekte um sie.
Handlung
Als im Jahr 2021 eine Frau in einem Berliner Bad mit nacktem Oberkörper badete, löste dies einen Polizeieinsatz aus, als die Frau sich weigerte, ihre Brüste zu bedecken. 2023 bekam sie vor Gericht Recht, woraufhin die Badevorschriften vieler deutscher Bäder geändert werden und Frauen seither mit nacktem Oberkörper baden gehen können. Die feministische Bewegung „Gleiche Brust für Alle“ engagiert sich gegen die Sexualisierung der Brust und für Gleichberechtigung und organisiert auch sportliche Aktivitäten wie oberkörperfreies Bouldern.
Die Künstlerin Annique Delphine kreiert ein Oberteil aus Silikon in Form zahlreicher Brüste, wobei sie auf Gummi-Brust-Bälle zurückgreift, die man im Handel kaufen kann. Damit will sie humorvoll verdeutlichen, wie normal in der Gesellschaft die Objektifizierung des weiblichen Körpers ist. Eines ihrer Bilder auf Instagram wird wegen angeblicher Pornographie gelöscht, obwohl keine echte Brust gezeigt wird. Auf Social Media hat sich die Zensur weiblicher Nacktheit inzwischen verändert. So protestierten 2008 erfolgreich stillende Mütter gegen die Zensur ihrer Bilder, doch Bilder und Videos von Brüsten werden nach wie vor auf Instagram und Facebook blockiert. Umgehen lässt sich die Zensur etwa durch das Setzen von Emojis auf die Brustwarzen.
Der Wunsch nach einer perfekten Brust hat gesellschaftliche Auswirkungen. Die Zahl der Schönheitsoperationen hat sich in Deutschland zwischen 2017 und 2022 um 58 Prozent erhöht, darunter auf Platz 2, 5 und 7 Brustvergrößerung, Bruststraffung und Brustverkleinerungen. Ein weiteres Thema ist das Selbstwertgefühl von Frauen, die Brustkrebs überlebt haben. Für ihr Projekt Fuck it, I’m alive fotografiert Iris Edinger Frauen, die Brustkrebs überlebt haben, darunter Käthe Lorenz, die sich eine Brust amputieren ließ. Lorenz trug eine Zeit lang BHs, in denen Silikonbrüste eingelegt werden können. Bei 27 % aller Brustkrebs-Fälle, die eine Operation erfordern, muss die Brust amputiert werden. In ihrem Gedichtband Amazonen-Poesie verarbeitet Lorenz ihre Erfahrung.
Die weibliche Brust ist einzigartig, da sie im Gegensatz zu allen anderen Säugetierspezies dauerhaft gerundet bleibt. Über den Grund ihrer evolutionären Entwicklung gibt viele Theorien, die heute als widerlegt gelten, darunter die Theorie des verschobenen Hinterns von Desmond Morris (The Naked Ape). Eine weitere Theorie geht davon aus, dass eine Selektion von weiblichen Partnerinnen stattfand, bei denen Männchen davon ausgingen, das eine größere Brust mehr Fruchtbarkeit signalisiere. Eine dritte These ging davon aus, dass größere Brüste mehr Muttermilch bedeuteten. Die Humanbiologin Agnieszka Zelaziewicz glaubt, dass die Entwicklung der menschlichen Brust beim Homo ergaster begann.
Im Familienzentrum Dresden kommen regelmäßig Frauen zusammen, die ihre Kinder stillen. Stillen in der Öffentlichkeit ist oft noch ein Tabuthema, das zu Kommentaren oder Anfeindungen führt.
Ein weiteres Thema ist Objektifizierung, wo Studien zeigen, dass Frauenkörper deutlich häufiger objektifiziert werden als die von Männern.
Interviewpartner
- Monika Belka, Still- und Laktationsberaterin
- Amelie Boehm, Psychologin und Sexologin
- Annique Delphine, Künstlerin
- Iris Edinger, fotografiert für ihr Projekt Fuck it, I’m alive Frauen, die Brustkrebs überlebt haben.
- Käthe Lorenz, überlebte Brustkrebs, ließ sich eine Brust amputieren.
- Mandy Mangler, Professorin für Frauengesundheit und Geburtshilfe und Chefärztin für Gynäkologie
- Daniela Ruzzante, Neurowissenschaftlerin
- Jeroen Vaes, Professor für Psychologie und Neurowissenschaft
- Jana Welch, Sexologin
- Agnieszka Zelaziewicz, Humanbiologin an der Universität Breslau
Weblinks
- Befreite Brüste in der 3sat-Mediathek (43 Min.), abrufbar bis 11. Juli 2029