Bedřich Geminder
Bedřich Geminder, auch Friedrich Geminder, Pseudonym G. Friedrich, (geboren 19. November 1901 in Witkowitz, Österreich-Ungarn; gestorben 3. Dezember 1952 in Prag) war ein tschechoslowakischer Politiker.
Leben
Friedrich Geminder war ein Sohn des Kaufmanns Moritz Geminder und der Viktoria Lindenberger und wuchs deutschsprachig auf, seine mangelnden tschechischen Sprachkenntnisse schränkten seine politischen Auftrittsmöglichkeiten ein.[1] Während der Zeit an der deutschsprachigen Mittelschule wurde er Mitglied des jüdischen Wanderbunds Blau-Weiss. Von 1919 bis 1921 studierte er an der Handelshochschule Berlin. 1921 schloss er sich der kommunistischen Jugendorganisation Komsomol an und wurde Mitglied der Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei (KSČ). Ab 1924 war er Kreissekretär der verbotenen kommunistischen Jugendorganisation Mährens unter dem Decknamen G. Friedrich. Unter dem Decknamen G. Kramer war er Mitarbeiter des in der Tschechoslowakei illegalen Apparats der Komintern und möglicherweise[1] auch der sowjetischen Geheimpolizei GPU. Im Jahr 1928 nahm er am 6. Weltkongress der Komintern und am 5. Kongress der Kommunistischen Jugendinternationale teil. 1934/35 arbeitete er für die Propagandaabteilung der Komintern, die von Georgi Dimitroff geleitet wurde, und verfasste verschiedene Propagandaschriften. Nach dem Münchener Abkommen 1938 emigrierte er in die Sowjetunion. Er leitete in Moskau die Informations- und Presseabteilung der Komintern und nach deren Auflösung 1943 die der Nachfolgeorganisation „Institut Nr. 205“. Er wurde 1945 mit dem Leninorden und der Medaille „Sieg über Deutschland“ ausgezeichnet. Er war zeitweilig mit Marta Čepičková (1920–1998) und auch mit der spanischen Kommunistin Irene Falcón liiert.
Im August 1946 kehrte er in die Tschechoslowakei zurück. Er wurde Leiter der internationalen Abteilung des Zentralsekretariats der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei und Redakteur der Parteizeitschrift Funktionář. 1947 nahm er an der Gründungskonferenz der Kominform teil. Zu seinen Aufgaben gehörten die Kontakte der Partei zu ausländischen kommunistischen Parteien und zu kommunistischen Emigranten in der Tschechoslowakei, so zu der Gruppe jugoslawischer Staatsbürger, die sich nach dem Bruch zwischen Stalin und Tito in Prag aufhielten. Im Jahr 1950 war er führend an einer innerparteilichen Säuberungsaktion der KSČ beteiligt.
Im September 1951 übernahm er die Leitung des Auslandsrundfunks beim Tschechoslowakischen Rundfunk. Kurz darauf, am 24. November 1951, wurde er verhaftet. Im Slánský-Prozess wurde er des Hochverrats und der Spionage angeklagt, am 27. November 1952 zum Tode verurteilt und am 3. Dezember 1952 im Gefängnis Pankrác gehängt. Geminder wurde im Jahr 1963 gerichtlich rehabilitiert, in der Partei aber erst 1968.[2]
Schriften (Auswahl)
- G. Friedrich: Dussja Winogradowa. Umschlag Hans Leistikow. Moskau: Verlagsgenossenschaft Ausländischer Arbeiter in der UdSSR, 1936
- G. Friedrich ; F. Lang (Hrsg.): China im Kampf : Sammelband über den imperialistischen Einfall Japans in China. Strasbourg: Editions Prométhée, 1937
- G. Friedrich ; F. Lang (Hrsg.): 20 Jahre Sowjetmacht : Materialien über den sozialistischen Aufbau, über das politische, kulturelle und wirtschaftliche Leben der Sowjetunion. Mit einem Anhang: Ziffern der sozialistischen Siege. Strasbourg: Editions Prométhée, 1937
- G. Friedrich: Aus dem Gerichtssaal : Reportagebericht vom Moskauer Prozeß gegen den Block der Rechten und Trotzkisten. Strasbourg: Ed. Prométhée, 1938
Literatur
- Geminder, Friedrich (Bedřich), in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München: Saur, 1980, S. 217
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Geminder, Friedrich (Bedřich), in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München: Saur, 1980, S. 217
- ↑ Jiří Pelikán (Hrsg.): Das unterdrückte Dossier : Bericht der Kommission des ZK der KPTsch über politische Prozesse und "Rehabilitierungen" in der Tschechoslowakei 1949 - 1968. Wien: Europa-Verlag, 1970