Beatrice Venezi
Beatrice Venezi (geboren 5. März 1990 in Lucca) ist eine italienische Dirigentin, Pianistin und Komponistin.[1]
Leben
Venezis Vater Gabriele, ein Immobilienentwickler, war Kandidat für die rechtsextreme Forza Nuova bei den Kommunalwahlen 2007 in Lucca. Beatrice Venezi schloss 2010 ein Klavierstudium bei Norberto Capelli ab und absolvierte ergänzend Meisterklassen bei Andrea Lucchesini, Pietro De Maria und Vincenzo Balzani. Anschließend studierte sie Orchester-Dirigieren bei Vittorio Parisi am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand und schloss 2015 mit der Höchstnote 110/110 cum laude ab. Danach setzte sie ihre Studien bei Piero Bellugi in Florenz, bei Gianluigi Gelmetti an der Accademia Musicale Chigiana in Siena sowie bei John Axelrod fort, dessen Assistentin sie wurde.[2]
Als Orchesterdirigentin dirigiert sie neben italienischen Orchestern (Orchestra I Pomeriggi Musicali Milano, Filarmonica Campana Orchestra, Orchestra Da Camera Fiorentina, Lucca Philharmonic Orchestra, Nuova Orchestra Scarlatti Neapel, Orchestra Filarmonica Italiana u. a.) auch internationale Orchester, darunter das National Radio Company of Ukraine Symphony Orchestra, das Orchester des Bolschoi-Theaters in Minsk, das Orchestra of the Bulgaria Classic Foundation, Japan Virtuoso Symphony Orchestra, Classical Orchestra of Madeira, Belarusian State Radio und Television Symphony Orchestra, das Orchester der Georgischen Staatsoper, Orquesta Sinfónica de Córdoba, Toronto Concert Orchestra, Neues Philharmonieorchester Japan Tokyo, National Philharmonic Orchestra Odessa und weitere Orchester.[2]
Sie erhielt einige Auszeichnungen, so wurde sie 2015 von der Assami – Associazione Amici del Conservatorio di Milano mit dem Premio “Donna 8 marzo” – La Musica per la Vita ausgezeichnet.[3] 2018 wurde sie von Forbes Italia in die Liste von 100 Young People Under 30 to become leaders of the future gewählt.[4] Von 2019 bis 2021 war sie Mitglied des Consulta femminile del Pontificio Consiglio per la Cultura (Frauenrat des Päpstlichen Kulturrats).[5]
Venezi wurde 2016 Chefdirigentin des Nuova Orchestra Scarlatti Young und debütierte beim Festival Puccini in Torre del Lago. 2019 wurde sie außerdem Chefdirigentin des Orchestra Sinfonica Milano Classica sowie Erste Gastdirigentin des Orchestra della Toscana.[2]
Ihr dirigentisches Schaffen beinhaltet sowohl Konzerte als auch Opern-Aufführungen. 2019 veröffentlichte sie mit dem Orchestra della Toscana ihre erste CD My Journey mit symphonischer Musik von Giacomo Puccini bei Warner Classics.[6]
Am 17. November 2022 wurde sie vom Kulturminister Gennaro Sangiuliano zur Musikberaterin ernannt.[7] Von Premierministerin Giorgia Meloni wurde sie mehrfach gelobt und erhielt eine Auszeichnung von Melonis rechter Regierungspartei Fratelli d’Italia.
Im Herbst 2025 wurde sie zur Musikdirektorin des Teatro La Fenice ernannt. Diese Ernennung wird kritisiert, weil ihr einerseits die Erfahrung für einen solchen Posten fehle, die Entscheidung andererseits ohne die übliche Beteiligung von Orchester, Chor und Mitarbeitenden erfolgte. Am ersten Spieltag der Saison, dem 17. Oktober 2025, streikte das Orchester und protestierte im Rahmen eines Flashmobs gegen die Entscheidung.[8] Beim Neujahrskonzert 2026 trugen die Orchestermitglieder und Dirigent Michele Mariotti eine kleine Anstecknadel in Form eines Violinschlüssels mit einem Herz in der Mitte, schwarz auf goldenem Grund als Zeichen des Protests gegen Venezi.[9]
Diskografie (Auswahl)
- Beatrice Venezi: My Journey – Puccini’s Symphonic Works (Warner Classics; 2019)
Weblinks
- Ehemalige Website von Beatrice Venezi archiviert vom Original im Internet Archive am 3. März 2024 (englisch)
- Beatrice Venezi bei der Agentur askcircus (italienisch)
- Beatrice Venezi bei Discogs
- Beatrice Venezi beim Lucca Classica Music Festival (italienisch)
- Veröffentlichungen von Venezi im Opac des Servizio Bibliotecario Nazionale (SBN)
- Thomas Migge: Die Dirigentin Beatrice Venezi: Dank rechter Politik ein „Star“ bei SWR Kultur vom 14. Mai 2024, archiviert vom Original im Internet Archive
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ Chi è Beatrice Venezi ospite al Festival di Sanremo 2021. In: teamworld.it. 2. März 2021, abgerufen am 14. März 2021 (italienisch).
- ↑ a b c Beatrice Venezi Conductor. Abgerufen am 8. August 2020.
- ↑ Preisträger auf der Seite der Assami – Associazione Amici del Conservatorio di Milano ( vom 29. April 2016 im Internet Archive) (italienisch)
- ↑ Beatrice Venezi: „Porterò la musica di Puccini al Summer Festival“. 18. Juni 2018, abgerufen am 8. August 2020.
- ↑ Agentur „askcircus“: Beatrice Venezi Conductor. Abgerufen am 8. August 2020.
- ↑ The Musical Partnership: Beatrice Venezi. Abgerufen am 8. August 2020.
- ↑ https://www.repubblica.it/politica/2022/11/17/news/beatrice_venezi_consigliere_musica_sangiuliano-374990592/
- ↑ Salzburger Nachrichten: Streik am Fenice-Opernhaus: Orchester spielte auf der Straße. 18. Oktober 2025, abgerufen am 18. Oktober 2025.
- ↑ ORF at red: Anstecknadel als Protest gegen Chefin: Fenice traf ins Schwarze. 7. Januar 2026, abgerufen am 7. Januar 2026.