Beans (Zeichentrickfigur)
Beans ist eine fiktive Figur im Besitz des Time-Warner-Konzern. Es handelt sich bei ihr um eine anthropomorphe Katze, die die Hauptfigur von neun Zeichentrickkurzfilmen der Looney-Tunes-Reihe war, die das Animationsstudio von Leon Schlesinger in den Jahren 1935 und 1936 für die Warner Brothers-Studios produzierten und die damals in Kinos zur Ausstrahlung kamen.
Die Beans-Figur und die Veröffentlichungsgeschichte zu ihr
Die Warner Brothers-Studios stiegen 1929/1930 in das Geschäft der Produktion und Veröffentlichung von Zeichentrickkurzfilmen mit synchronisierten Tonspuren ein. Mit der Produktion ihrer Cartoons beauftragte sie das auf ihrem Studiogelände eingerichtete Animationsstudio von Leon Schlesinger, der unter den Titeln Looney Tunes und Merrie Melodies ab 1930 fortlaufend zwei Reihen von handanimierten Zeichentrickfilmen anfertigen ließ, von denen ihre Untermalung mit Musik (instrumentale Musik und Gesang) ein zentraler Bestandteil war.
Von 1930 bis 1933 war die Zeichentrickfigur Bosko, ein wackerer kleiner Tintenkleckskerl, der erste wiederkehrende „Star“ einer großen Zahl von Cartoons, die Schlesinger für Warner Brothers anfertigen ließ, gewesen. Nachdem Boskos Erfinder Hugh Harman und Rudolf Ising die Schlesinger Studios 1933 verließen, wobei sie ihre Schöpfung (an der sie die Urheberrechte hielten) mitnahmen, wurde als Ersatz für Bosko kurzerhand eine neue Figur namens Buddy konzipiert, die von 1933 bis 1935 der wiederkehrende Star zahlreicher von Schlesingers Team angefertigter Kurzfilme war.
Da Buddy weithin – vom Publikum, wie auch von den Autoren und Animatoren, die die Warner Brothers-Cartoons anfertigten – als eine übermäßig brave, generisch putzige, und uninteressante Figur angesehen wurde, drang Schlesinger 1935 darauf, ihn nicht länger als Hauptfigur für die Warner-Cartoons zu verwenden, sondern eine neue Figur zu entwickeln, die vielseitiger und interessanter sein würde, als Buddy, die an seiner Stelle der neue Star der Looney Tunes werden sollte. Schlesinger beauftragte die Regisseure Fritz Freleng (der die Leitung der Merries Melodies-Reihe innehatte) und Jack King (der die Leitung der Looney-Tunes-Reihe innehatte) neue Figuren zu entwickeln, die die als langweilig empfundene Buddy-Figur ersetzen konnten: Die beiden schufen daraufhin eine ganzes Ensemble aus anthropomorphen Tieren, das sie Schlesinger vorführten. Eine Figur, die sie schufen war eine auf zwei Beinen gehende anthropomorphe schwarzfellige Katze namens Beans, die als ein stets zu Streichen aufgelegte Lausbube (in Katzengestalt) dargestellt wurde.
Dem Publikum wurde Beans in dem Kurzfilm I Haven't Got a Hat vorgestellt, der im Frühjahr 1935 in die amerikanischen Kinos kam. In diesem führt eine Truppe von anthropomorphen Tierkindern unterschiedlicher Tierarten in ihrer Schule eine kleine Varieté-Schau auf, in der sie in kleinen Darbietungen (Singen, Gedichte vortragen und ähnliches mehr) ihre unterschiedlichen Talente zur Schau stellen: Neben Beans traten in diesem Film noch die Figuren Little Kitty, ein Katzenmädchen, in das Beans verliebt ist, zwei Zwillingswelpen namens Ham and Ex (eine Wortspiel, das phonetisch an die Frühstücksmahlzeit Ham and Eggs, Schinken und Ei, angelehnt ist), die dickköpfige und brillentragende Eule Oliver Owl und das stotternde Schweinchen Porky auf. Der als Teil der Merrie Melodies-Reihe veröffentlichte Cartoon diente als eine Art cinematischer Schaukasten, um die neuen Figuren erstmals vorzuführen und zu testen, ob eine der neuen Figuren beim Publikum auf Resonanz stoßen würde und zum neuen Star der Warner-Cartoons aufgebaut werden könnte.
Nachdem I Haven't Got a Hat sich beim Publikum als beliebt erwies, entschied Schlesinger, fortan keine Buddy-Cartoons mehr herstellen zu lassen und das Ensemble der Figuren aus diesem Cartoon fortan als Hauptfiguren der von seinem Studio produzierten Cartoons zu verwenden. Beans wählte er dabei aus, fortan als Star der Looney-Tunes-Reihe zu figurieren. Als Stimme für Beans wurde der Schauspieler Billy Bletcher (der durch seine Rolle als Stimme des Großen Bösen Wolfs in dem Disney-Zeichentrickfilm The Three Little Pigs von 1934 bekannt geworden war) engagiert, der diesen bereits in I Haven't Got a Hat synchronisiert hatte.
Der erste Cartoon, der Beans als Alleinstar in den Mittelpunkt rückte, war der Looney-Tunes-Cartoon A Cartoonist's Nightmare von 1935, bei dem Jack King Regie führte. King führte anschließend bei sechs weitere Cartoons mit Beans als Hauptfigur Regie, bevor er 1936 zu den Disney-Studios wechselte. In einem weiteren Cartoon, in dem Beans als Hauptfigur gefeaturet wurde (Gold Diggers of '49), führte Tex Avery Regie.
In den acht 1935 und 1939 produzierten Cartoons mit Beans als Hauptfigur erscheint dieser jeweils als ein putzig-mutiger und sympathisch-lümmelhafter kindlicher Held, der harmlos-„aufregende“ kleine Abenteuer erlebt. Er ähnelte in dieser Darstellung in auffälliger Weise der frühen Version von Disneys Mickey Mouse (von Ende der 1920er bis Anfang der 1930er Jahre).
Es zeigte sich indessen rasch, dass die Figur des Porky Pig – einem etwas schüchtern und unbeholfenen, aber wackeren, notorisch stotterndem Schweinejungen –, die zusammen mit Beans in I Haven't Got a Hat eingeführt worden war und die anschließend in mehreren Beans-Abenteuern als dessen Sidekick verwendet worden war, von der Masse der Zuschauer als eine deutlich interessantere Figur als Beans wahrgenommen wurde. Nach dem Cartoon Westward Whoa vom April 1936, in dem Beans letztmals als Hauptfigur eingesetzt wurde, wurde dieser daraufhin durch Porky Pig als wiederkehrende Star-Figur in den Mittelpunkt der in der Folgezeit produzierten Filme der Looney-Tunes-Reihe gestellt. Beans trat anschließend noch in zwei weiteren Cartoons als Nebenfigur auf, um nach 1936 gar nicht mehr innerhalb der Looney-Tunes-Reihe verwendet zu werden.
Filme der Beans-Reihe
- I Haven't Got a Hat, ur-aufgeführt am 2. März 1935
- A Cartoonist's Nightmare, ur-aufgeführt am 21. September 1935
- Hollywood Capers, ur-aufgeführt am 19. Oktober 1935
- Gold Diggers of '49, ur-aufgeführt am 2. November 1935
- Alpine Antics, ur-aufgeführt am 18. Januar 1936
- The Phantom Ship, ur-aufgeführt am 1. Februar 1936
- Boom Boom, ur-aufgeführt am 29. Februar 1936
- The Fire Alarm, ur-aufgeführt am 9. März 1936
- Westward Whoa, ur-aufgeführt am 25. April 1936
Literatur
- Michael Barrier: Hollywood Cartoons. American Animation in Its Golden Age, Oxford University Press, 2003.
- Jeff Lenburg: The Encyclopedia of Animated Cartoons, 1999.
- Leonard Maltin: Of Mice and Magic. A History of American Animated Cartoons, 1987.