Bastardschildkröten
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Atlantik-Bastardschildkröte (Lepidochelys kempii) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
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| Fitzinger, 1843 |
Die Bastardschildkröten (Lepidochelys) sind eine Gattung der Meeresschildkröten (Cheloniidae) und kommen in zwei Arten vor: der Echten oder Oliv-Bastardschildkröte (Lepidochelys olivacea) und der Atlantik-Bastardschildkröte (Lepidochelys kempii). Dabei ist die Oliv-Bastardschildkröte die häufigste Art der Meeresschildkröten, während die Atlantik-Bastardschildkröte als die seltenste angesehen wird.
Merkmale
Bastardschildkröten sind mit etwa 50 bis 80 Zentimetern Körperlänge und einem Gewicht von maximal 30 bis 50 Kilogramm die kleinsten Vertreter der Meeresschildkröten.[1] Der mittelgroße Kopf ist dreieckig, von einer variablen Anzahl Schuppen bedeckt und nicht in den Panzer einziehbar. Sowohl Ober- als auch Unterkiefer sind schnabelförmig. Der Hals ist dick und geht breit in den Panzer über. Der Schwanz ist lang, bei adulten Tieren ragt er weit über den hinteren Panzerrand hinaus. An jeder Vorderflosse befindet sich eine zurückgebogene Kralle.[2]
Die beiden Arten ähneln sich im Aussehen und Verhalten, die Grundfärbung der Oliv-Bastardschildkröte ist jedoch olivgrün, olivbraun oder braun[2] mit ebenfalls grünlichen Zeichnungselementen gegenüber dem graugrünen, gelblichgrauen oder grauen[2] Panzer der atlantischen Art. Die Haut der Atlantik-Bastardschildkröte ist gräulich, die der Oliv-Bastardschildkröte oliv bis bräunlich. Nach dem Schlupf sind die Jungtiere vollständig dunkelgrau, ohne Konterschattierung. Mit dem Wachstum werden sie zuerst auf der Bauch-, dann auf der Rückenseite heller.[2][3][4]
Bei beiden Arten ist der Panzer (Carapax) stark gewölbt und in der Regel etwa so lang wie breit, bei der Oliv-Bastardschildkröte ist er höher und länger in der Form als bei der Atlantik-Bastardschildkröte.[1] Die Unterseite des Panzers, das Plastron, beider Arten zeigt einen gelblich-weißen Ton und ist bei adulten Männchen konkav.[1][2]
Lebensweise
Wie alle Meeresschildkröten leben auch die Bastardschildkröten im Salzwasser der Ozeane. Sie kommen vor allem in Küstengebieten im Bereich des Kontinentalschelfs vor und sind vor allem im offenen Freiwasser, dem Pelagial, zu finden. Sie ernähren sich als Fleischfresser hauptsächlich von schwimmenden Krusten- und Weichtieren wie Kalmaren und anderen wirbellosen Tieren wie Quallen, Seeigeln, Seescheiden, Moostierchen sowie gelegentlich auch Fischen.[1]
Die Bastardschildkröten legen ihre Eier in den Sand geeigneter Strandgebiete und verlassen zu diesem Zweck das Wasser. Die beiden Arten der Bastardschildkröten sind dabei die einzigen Arten, bei denen ein massenhaftes Anlanden an den Brutstränden beobachtet werden kann.[5] Bei dem arribada (spanisch für Ankunft, Einlaufen) genannten Ereignis können bis zu Tausende Weibchen zur gleichen Zeit die bevorzugten Strände für die Eiablage aufsuchen. Nach einem Filmdokument von 1947 wurde für die Atlantik-Bastardschildkröte die Anzahl auf 40000 Nester geschätzt.[6][7] Die Eiablage findet bei der Oliv-Bastardschildkröte, wie bei anderen Meeresschildkröten, in der Nacht statt. Die Atlantik-Bastardschildkröte ist bei der Eiablage eine Ausnahme, sie legt ihre Eier fast immer am Tag ab. Das Gelege besteht aus 100 bis 115 Eiern bei der Oliv-Bastardschildkröte und aus 80 bis 100 Eiern bei der Atlantik-Bastardschildkröte. Während andere Meeresschildkröten das Nest nach der Eiablage mit den hinteren Flossen verdichten, benutzen die Bastardschildkröten den Bauchpanzer um den aufgeworfenen Sand des Geleges abzuflachen. Bis die Jungen schlüpfen vergehen bei der Oliv-Bastardschildkröte 45 bis 51 Tage und bei der Atlantik-Bastardschildkröte 50 bis 60 Tage.[8]
Verbreitung
Die beiden Arten der Bastardschildkröten unterscheiden sich in der Ausdehnung ihrer Verbreitungsgebiete sehr deutlich. Während die Oliv-Bastardschildkröte über weitere Teile des Indischen, Pazifischen und Atlantischen Ozeans entlang der Küstengebiete Nord- und Südamerikas, Afrikas, Asiens und Australiens zu finden ist,[9] ist das Verbreitungsgebiet der Atlantischen Bastardschildkröte auf ein sehr begrenztes Verbreitungsgebiet vor der mexikanischen Küste im Atlantischen Ozean beschränkt.[10]
Systematik
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Gattung Lebidochelys stammt von dem deutschen Zoologen Leopold Fitzinger in seiner Systema reptiliae aus dem Jahr 1843. 1953 ordnete Charles Frédéric Girard die 1829 als Chelonia olivacea von Johann Friedrich Eschscholtz beschriebene Oliv-Bastardschildkröte in diese Gattung ein.[9] 1880 beschrieb der amerikanische Zoologe Samuel Walton Garman die Atlantik-Bastardschildkröte als zweite Art der Gattung.[10]
Die Gattung der Bastardschildkröten enthält entsprechend aktuell zwei Arten:[1]
- Oliv-Bastardschildkröte (Lebidochelys oliviaceae)
- Atlantik-Bastardschildkröte (Lebidochelys kempii)
Ihre Namen haben die Bastardschildkröten erhalten, da sie früher als Hybriden zwischen der Suppenschildkröte und der Unechten Karettschildkröte galten.
Gefährdung und Schutz
Aufgrund ihres Fleisches und ihrer Eier wurden die Bastardschildkröten wie alle anderen Meeresschildkröten intensiv bejagt und stehen heute durch das Washingtoner Artenschutzabkommen unter internationalem Schutz.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e N. J. Robinson, F. V. Paladino: Sea Turtles. Reference Module in Earth Systems and Environmental Sciences, 2013; S. 9–10. doi:10.1016/b978-0-12-409548-9.04352-9
- ↑ a b c d e G. R. Zug, C. H. Ernst (1994): Lebidochelys. In: Catalogue of American Amphibians and Reptiles. S. 587.1–587.6. (Online)
- ↑ R. V. Wilson, G. R. Zug (1991): Lepidochelys kempii (Garman) Kemp's Ridley Sea Turtle, Tortuga Lora. In: Catalogue of American Amphibians and Reptiles. S. 509.1–509.8.
- ↑ G. R. Zug, C.H. Ernst, R. V. Wilson, (1998): Lepidochelys olivacea (Eschscholtz) Olive Ridley Seaturtle, Tortuga Golfina, Lora. In: Catalogue of American Amphibians and Reptiles. S. 653.1–653,13.
- ↑ Ingmar Sosa-Cornejo, Rodolfo Martín-del-Campo, Héctor-R. Contreras-Aguilar, Fernando Enciso-Saracho, Zuleika-Beatriz González-Camacho, Jesus-I. Guardado-González, Samuel Campista-Leon, Luz-I. Peinado-Guevara, (2021): Nesting trends of olive ridley sea turtles Lepidochelys olivacea (Testudinata: Cheloniidae) on two beaches in Northwestern Mexico after 30 and 40 years of conservation. In: Revista de Biología Tropical Vol. 69, Nr. 3. doi:10.15517/rbt.v69i3.46490
- ↑ Charles W. Caillouet Jr., Donna J. Shaver, and André M. Landry Jr. (2015): Kemp’s Ridley Sea Turtle (Lepidochelys kempii) Head-Start and Reintroduction to Padre Island National Seashore, Texas. In: Herpetological Conservation and Biology 10 (Symposium), S. 309–377.
- ↑ P. Poornima (2021): Nesting and hatching behaviour of Olive Ridley Turtles Lepidochelys olivacea (Eschscholtz, 1829) (Reptilia: Cryptodira: Cheloniidae) on Dr. Abdul Kalam Island, Odisha, India. In: Journal of Threatened Taxa 13(5); S. 18122–18131, doi:10.11609/jott.6878.13.5.18122-18131
- ↑ T. Franciscus Scheelings (2023): Reproduction in Sea Turtles, a Review. In: The Journal of Herpetological Medicine and Surgery Vol. 33, Nr. 2, S. 82–90. doi:10.5818/JHMS-D-22-00041
- ↑ a b Lepidochelys olivacea In: The Reptile Database; abgerufen am 25. Februar 2020.
- ↑ a b Lepidochelys kempii In: The Reptile Database; abgerufen am 25. Februar 2020.