Baruch Togarmi
Baruch Sheli’aḥ Ẓibbur Togarmi, kurz auch Baruch Togarmi oder Baruch ha-Togarmi (hebräisch ברוך שליח ציבור תוגרמי) war ein jüdischer Gelehrter und Kabbalist des 13. Jahrhunderts. Er lebte wahrscheinlich zeitweise (um 1270) in Barcelona, (Katalonien), über sein genaues Leben ist nur sehr wenig bekannt und belegt. Er gilt als Lehrer von Abraham Abulafia, einem der wichtigsten Vertreter der ekstatischen Kabbala. Spätere Kabbalisten, darunter Isaac von Akko, zitieren ihn als Autorität. In der modernen Forschung, etwa bei Gershom Scholem, wird er einem frühkabbalistischen Kreis zugeordnet, der sich besonders mit sprach- und schriftzentrierten Techniken beschäftigte.
Leben und Wirken
Der Beiname „Togarmi“ verweist wahrscheinlich auf seine Herkunft aus dem Osten, so vielleicht Kleinasien. Sein Stil war geprägt von einer Zurückhaltung in der vollständigen Offenlegung mystischer Inhalte – viele Geheimnisse durften seiner Auffassung nach nur angedeutet oder gar nicht schriftlich fixiert werden.
Um 1270 begann Abraham Abulafia in Katalonien bei Rabbi Baruch ha-Togarmi die Geheimnisse der Kabbala zu studieren.[1] Dessen Traditionen scheinen sich auf die göttlichen Namen, die Buchstabenmystik und ekstatische Erfahrungen konzentriert zu haben. So wird Baruch Togarmi in der kabbalistischen Überlieferung als Verfasser des Werkes MafteḥOt ha-Kabbalah („Die Schlüssel der Kabbala“) genannt, es stellt einen Kommentar zum Sefer Jeẓirah dar und behandelt kabbalistischen Methoden wie Buchstaben-Permutationen. Dieses Werk wurde in Handschriften überliefert und von späteren Kabbalisten zitiert, darunter Isaak ben Samuel von Akko.[2]
Sein erhaltener Text, Mafteḥot ha-Kabbalah („Die Schlüssel der Kabbala“), ist ein Handbuch zur mystischen Interpretation des Sefer Jeẓirah und war besonders unter seinen Schülern verbreitet. In diesem Werk wird deutlich, dass Baruch Togarmi die drei klassischen Methoden der kabbalistischen Buchstabenmystik – Gematria, Notarikon und Temurah – einsetzte. Dabei widmete er sich insbesondere der Praxis des Tzeruf (hebräisch צֵרוּף, auch Tziruf oder Ẓeruf; Buchstabenkombinationen) und interessierte sich vor allem für numerische Manipulationen hebräischer Wörter sowie des Heiligen Namens Gottes.[3]
Literatur
- Gershom Scholem: Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen. Metzner, Frankfurt am Main 1957.
- Moshe Idel: Kabbalah. New Perspectives. Yale University Press, New Haven CT u. a. 1988, ISBN 0-300-03860-7.
- Moshe Idel: Abulafia (Abū ʾl-ʿĀfiya), Abraham ben Samuel. In: Encyclopedia of Jews in the Islamic World Online. (2010), Brill, https://doi.org/10.1163/1878-9781
- Shlomo Blickstein: Between Philosophy and Mysticism. A Study of the Philosophical-Qabbalistic Writings of Joseph Giqatila. University Microfilms International, Ann Arbor 1988, (New York, Jewish Theological Seminary, Diss., 1983), auf themathesontrust.org [3]
Weblinks
- Tamar Ron Marvin: Before the Zohar. Stories from Jewish History auf trmarvin.substack.com
Einzelnachweise
- ↑ siehe Abraham ben Samuel Abulafia: Sefer Ha-Tzeruf - The Book of Permutation. David Smith, LLC, 2016, ISB 978-1-98863166-0, englische Übersetzung, des um 1280–1290 erschienenen Werkes.
- ↑ Shlomo Blickstein: Between Philosophy and Mysticism. A Study of the Philosophical-Qabbalistic Writings of Joseph Giqatila. University Microfilms International, Ann Arbor 1988, (New York, Jewish Theological Seminary, Diss., 1983), auf themathesontrust.org [1]
- ↑ Baruch, auf encyclopedia.com [2] Abschnitt: „BARUCH BARUCH, name of several kabbalists.“