Barbara Steel

Barbara Joanna Steel, geborene Paterson, in zweiter Ehe Hyslop (* 1857 in Dalry, Kirkcudbrightshire; † 22. Dezember 1943 in Pietermaritzburg, Südafrikanische Union), war eine schottisch-britische Sozialaktivistin und Frauenrechtlerin, die sich sowohl im Vereinigten Königreich als auch in Südafrika aktiv für das Frauenwahlrecht einsetzte.

Leben

Steel war die Tochter von Jane S. und Rev. Alexander A. Paterson.[1][2][3] Ihr Vater war Pfarrer der United Presbyterian Church of Scotland und ihr ältester Bruder James Alexander wurde später Professor für Hebräisch und Exegese des Alten Testaments am New College der Universität Edinburgh.[3][4] Sie wuchs in Dalry auf und besuchte dort die Schule, bis sie in den 1880er Jahren mit ihrem Bruder James nach Newington, Edinburgh, zog, wo sie ihre Ausbildung fortsetzte. Am 4. August 1883 heiratete sie James Steel (1829–1904), einen Bauunternehmer und Immobilienentwickler aus Edinburgh. Von ihrer Heirat bis zum Tod von James Steel 1904 lebte das Paar in Edinburgh.[1]

James Steel wurde 1872 Stadtrat für den Bezirk George Square tätig. Ab 1888 war er als Bailie tätig und wurde 1900 Lord Provost von Edinburgh, ein Amt, das er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1903 innehatte. Ab Mai 1903, als ihr Ehemann zum Baronet, of Murieston, erhoben wurde, war Steel als Lady Steel bekannt.[1] Steel engagierte sich, wie viele Frauen ihrer Klasse, für soziale Verbesserungsprojekte. Sie ermutigte ihren Mann, Wohnungen mit Innensanitärinstallationen und Trinkwasser für die Armen und die Arbeiterklasse zu bauen. Viele dieser Wohnungen, die sich in Stadtteilen wie Comely Bank, Dalry, Gorgie, Haymarket, Murieston Park und Tollcross befanden, hatten feste Mieten.[5]

Nach dem Tod ihres Mannes engagierte sich Steel verstärkt für Frauenfragen.[5] Zwischen 1904 und 1906 war sie Mitglied des Exekutivkomitees der Scottish Women's Liberal Federation (SWLF), einer Frauenorganisation der Scottish Liberal Party.[6] Außerdem war sie Mitglied der Ausschüsse für Kommunalverwaltung und Frauenwahlrecht der SWLF[7] und gehörte der Edinburgh National Society of Woman Suffrage an. Im März 1907 sorgte Steel für internationale Schlagzeilen, als sie sich weigerte, Steuern zu zahlen, weil sie nicht wählen und damit auch nicht mit bestimmen dürfte, wofür die Steuern verwendet würden.[5][8][9] Ihre Möbel wurden beschlagnahmt und verkauft, um ihre Steuerschuld zu begleichen.[8] Im selben Monat führte sie eine Protestaktion am Mercat Cross an, um das Frauenwahlrecht zu fordern.[6] Später im selben Jahr, im Oktober, kandidierte sie bei der ersten Stadtratswahl, bei der Frauen zugelassen waren.[10][11] Am Vorabend der Wahl wurde im Edinburgh Evening Dispatch ein Gedicht mit dem Titel The Suffragette’s Nut Cracked veröffentlicht, das den Konflikt um das Frauenwahlrecht und Steels Kandidatur thematisierte.[12] Auch wenn sie aufgrund ihrer militanten Haltung in Steuerfragen[10][13] bei den Wahlen im November keinen Sitz gewann, war sie die erste Frau, die sich zur Wahl in den Stadtrat von Edinburgh stellte.[5]

Auch 1908[14] und wieder 1909 weigerte sie sich erneut Steuern zu zahlen.[15] 1908 war sie Mitglied und eine der Sprecherinnen des Edinburgh-Zweiges der Women’s Social and Political Union[16] und nahm an einer Veranstaltung in Bridge of Allan mit Elizabeth Wolstenholme Elmy, Chrystal Macmillan und Jessie Methven über das Frauenwahlrecht und die Hochschulbildung für Frauen teil.[5][15] Im Juni 1908 nahm sie als eine der stellvertretenden Delegierten an der vierten Konferenz der International Woman Suffrage Alliance in Amsterdam teil.[17] Am 9. Oktober 1909 gehörte Cadell zu den zahlreichen Suffragetten, die in Edinburgh an der Demonstration für das Frauenwahlrecht teilnahmen, die als Gude Cause bezeichnet wurde.[15][18]

Im März 1911 heiratete Steel Oberstleutnant James Hyslop und zog mit ihm in sein Haus in Pietermaritzburg in der neu gegründeten Südafrikanische Union.[19][20] Hyslop war ein Landsmann aus Kirkcudbrightshire, der 1881 in die Kolonie Natal gezogen war und dort als Pionier im Bereich der psychischen Gesundheit und als Militärarzt tätig war. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er Direktor des medizinischen Dienstes im South African Medical Corps. Während des Krieges war Steel Gründerin und Vorsitzende der Women's Patriotic League of Natal Province.[21] Die Organisation diente dazu, südafrikanische Truppen zu unterstützen und deren Familien mit notwendigen Dienstleistungen wie medizinischer Versorgung und Kleidung zu versorgen, um die in Europa tätigen britischen Organisationen nicht zu überlasten.[22] 1918 wurde sie für ihre Verdienste als Officer of the Order of the British Empire ausgezeichnet.[23]

1916 wurde sie die zweite Präsidentin der Women’s Enfranchisement Association of the Union (WEAU) und trat damit die Nachfolge der kurz zuvor verstorbenen Mary Emma Macintosh an.[24] Die WEAU wurde ursprünglich 1911 auf Anraten von Carrie Chapman Catt als Alternative zur Women’s Enfranchisement League (WEL) gegründet. Die WEL war aufgrund von Fraktionskämpfen zum Thema Rasse gespalten, und Catt war der Ansicht, dass die Frage der Rasse die Gewährung des Frauenwahlrechts verzögern würde. Auf ihren Rat hin beschloss die WEAU, die Frage des allgemeinen Wahlrechts für alle Rassen zu ignorieren und sich aktiv nur für das Wahlrecht weißer Frauen einzusetzen.[25] Steel hatte das Amt der Präsidentin von 1916 bis 1930 inne, als weiße Frauen in Südafrika schließlich das Wahlrecht erhielten.[26]

Steel starb 1943 in Pietermaritzburg und wurde auf dem Stellawood Cemetery in Durban, Südafrika, beigesetzt.[27]

Einzelnachweise

  1. a b c Richard Rodger: Steel, Sir James, baronet (1829–1904). In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Band 52: Spruce–Strakosch. Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861402-0; doi:10.1093/ref:odnb/50211 (Lizenz erforderlich), Stand: 23. September 2004.
  2. Dod’s Peerage, Baronetage and Knightage, Etc. of Great Britain and Ireland for 1915. 75. Auflage. Simkin, Marshall, Hamilton, Kent Co. Ltd, London 1915, S. 520 (archive.org).
  3. a b Eintrag im England, Wales & Scotland Census, 1861.
  4. Douglas Brooke Wheelton Sladen, William John Lawson, Charles Henry Oakes und Henry Robert Addison: Who’s Who. Band 66. A. & C. Black, London 1914, S. 1625.
  5. a b c d e Michael Elcock: Scotland’s Forgotten Women. In: Scottish Review. Institute of Contemporary Scotland, 20. Februar 2018, archiviert vom Original am 8. Januar 2019; abgerufen am 6. Dezember 2025.
  6. a b Woman Suffrage. In: The Times. London 25. März 1907, S. 8 (newspapers.com).
  7. Leah Leneman: A guid cause: the women’s suffrage movement in Scotland. Mercat Press, Edinburgh 1995, ISBN 978-1-873644-48-5, S. 271.
  8. a b Women’s Suffrage: Passive Resister Furniture Sold. In: The Kalgoorlie Miner. Band 10, Nr. 3588. Kalgoorlie, West Australia 27. März 1907, S. 5 (gov.au).
  9. No Taxation Without Representation. In: The Montana News. Helena, Montana 25. April 1907, S. 3 (newspapers.com).
  10. a b Valerie Wright: The Edinburgh National Society for Women’s Suffrage: getting women elected to School Boards and Parish Council. Women's History Scotland, 15. November 2018, abgerufen am 6. Dezember 2025.
  11. Edinburgh. In: The Guardian. London 30. Oktober 1907, S. 12 (newspapers.com).
  12. Michael Shaw: 40. The Suffragette's Nut Cracked. In: Kirstie Blair et al. (Hrsg.): The People’s Voice Anthology: Scottish political poetry, song and the franchise, 1832–1918. University of Glasgow, Glasgow 2015, S. 93–94 (glasgow.ac.uk [PDF]).
  13. Women as Councillors. In: The Mathews Journal. The London Telegraph, Mathews, VA 9. Januar 1908, S. 4 (newspapers.com).
  14. o.T. In: The Sun. New York City 29. November 1908, S. 22 (newspapers.com).
  15. a b c 43 Steel, Barbara Joanna 1857–fl.1918. In: Helen Kay, Kath Davies, Lindy Moore, Rose Pipes, Siân Reynolds und Norman Watson (Hrsg.): A Gude Cause Maks a Strong Arm. The City of Edinburgh Council, Edinburgh 2009, S. 43 (archive.org).
  16. Sandra Stanley Holton: Feminism and democracy. Women’s suffrage and reform politics in Britain, 1900-1918. Cambridge University Press, Cambridge 1986, ISBN 0-521-32855-1, S. 163.
  17. Janet Horowitz Murray und Myra Stark: The Englishwoman’s Review of Social and Industrial Questions: 1907–1908. Routledge, Abingdon 2017, ISBN 978-1-315-39504-3, S. 570.
  18. Alice Wyllie: A gude cause. The Scotsman, 30. Juni 2018, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 24. September 2015; abgerufen am 22. Februar 2025.
  19. C. Plug: Hyslop, Dr James (psychiatry, advancement of science). Biographical Database of Southern African Science, 25. Dezember 2014, abgerufen am 6. Dezember 2025.
  20. The Court: A marriage has been arranged. In: The Scotsman. Edinburgh 14. Januar 1911, S. 8.
  21. Debrett’s Baronetage, Knightage, and Companionage: in which is included full information respecting the Collateral Branches of Baronets, Knights, and Companions of various Orders. Dean & Son, Limited, London 1931, S. 725.
  22. South African Women’s Help: Lady Steel’s Patriotic Proposal. In: The Scotsman. Edinburgh 21. Oktober 1914, S. 5.
  23. Union of South Africa: To be Officers of the said Most Excellent Order, Supplement to the London Gazette. In: Nummer 30935, Seite 11774. The London Gazette, 14. Oktober 1918, abgerufen am 6. Dezember 2025.
  24. Sybil Oldfield: International Woman Suffrage: Ius Suffragii 1913-1920. III: October 1916 – September 1918. Routledge, London 2003, ISBN 978-0-415-25739-8, S. 23 (google.com).
  25. Lou Haysom: Olive Schreiner and the Women’s Vote. In: Searchlight South Africa. Band 3, Nr. 3. Clio Publications, London Oktober 1993, S. 31–32 (ukzn.ac.za [PDF]).
  26. Cherryl Walker: Women and Gender in Southern Africa to 1945. David Philip Publishers, Claremont, South Africa 1990, ISBN 978-0-86486-090-3, The women's suffrage movement: The politics of gender race and class, S. 327, (313–345) (archive.org).
  27. Death Certificate (Union of South Africa): Barbara Joanna Steel (Paterson). Master of the Supreme Court, Pietermaritzburg estate files, Pietermaritzburg (Natal), South Africa. 22. Dezember 1943.