Barbara Stanley

Barbara H. Stanley (* 13. August 1949 in Newark; † 25. Januar 2023 in Scotch Plains) war eine US-amerikanische Klinische Psychologin und emeritierte Professorin der Columbia University.[1][2]

Leben

Ihr Vater John Hrevnack war Werkzeugmacher und ihre Mutter Marie (geb. Wnukowski) Hrevnack arbeitete in der Schadensabteilung einer Versicherung. Sie erwarb einen Bachelor-Abschluss am Montclair State College und einen Doktortitel (Ph.D.) in Klinischer Psychologie an der New York University. Sie wurde Professorin für Medizinische Psychologie am Department für Psychiatrie des Columbia University. Sie war außerdem Direktorin des Bereichs Suizidpräventionstraining, -implementierung und -evaluation am Center for Practice Innovation und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Molekulare Bildgebung und Neuropathologie am New York State Psychiatric Institute.[3] Seit 2014 war sie Mitglied des American College of Nurse Practitioners (ACNP). Neben ihren akademischen Tätigkeiten war sie auch als praktizierende Psychologin tätig und hat vor allem mit Patienten gearbeitet, die mit Suizidgedanken zu kämpfen hatten.

Werk

Ihre Forschung ist im Bereich der Gesundheits- und Klinischen Psychologie abgesiedelt. Sie konzentrierte sich dabei auf alle Aspekte von Suizidverhalten, nicht-suizidaler Selbstverletzung und Borderline-Persönlichkeitsstörung, einschließlich der Diagnostik und Intervention bei suizidgefährdeten Personen, klinischer Faktoren im Zusammenhang mit Suizidverhalten und Selbstverletzung sowie neurobiologischer und biobehavioraler Einflüsse auf Suizidverhalten anzusiedeln.

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Gregory Brown, dem Direktor des Penn Center for the Prevention of Suicide an der University of Pennsylvania, entwickelte die Stanley-Brown Safety Planning Intervention, eine evidenzbasierte Suizidpräventionsmaßnahme in Form eines schrittweise auszuführenden Selbsthilfeinstruments, das darauf abzielt, das akute Suizidrisiko zu mindern. Dabei werden Menschen mit Suizidgedanken in Zusammenarbeit mit einem Kliniker dazu angehalten, einen Plan zu erstellen, der verschiedene Bewältigungsstrategien und Unterstützungs- oder Ablenkungsquellen auflistet, die ihnen in einer Suizidkrise helfen können, ihren Suizidgedanken oder -impulsen nicht nachzugeben.[4] Diese Intervention wird in Norwegen und vielen anderen Ländern weltweit eingesetzt. Die Methode wird ebenfalls vom US-Veteranenministerium und von Krisentelefonen in den gesamten Vereinigten Staaten eingesetzt.

Sie war auch an Studien beteiligt, in denen die Gehirne von Suizidopfern nach deren Tod untersucht wurden. Diese galten der Erforschung von Metaboliten im Liquor und der Funktion der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bei depressiven Suizidversuchern. Dabei wurde eine Reihe von Hirnanomalien identifiziert, die mit schwerem Suizidverhalten in Zusammenhang stehen und unabhängig von einer Major Depression sind. Sie hat ebenfalls zu der dialektischem Verhaltenstherapie (DBT) für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS), Suizidverhalten, nicht-suizidalem Selbstverletzungsverhalten und anderen komplexen psychiatrischen Erkrankungen geforscht.

Ehrungen/Positionen

  • Präsidentin der International Academy for Suicide Research
  • 2021: „Pillar of PRIM&R“
  • 2016: „Distinguished Leader“ von PRIM&R
  • 2005: Gründerpreis von Public Responsibility in Medicine and Research (PRIM&R)
  • Mitglied der American Psychological Association (APA)
  • Mitglied des American Council of Nurse Practitioners (ACNP)
  • Chefredakteurin der „Archives of Suicide Research“
  • Gründerin der Applied Research Ethics National Association (ARENA)
  • Research Award der American Foundation for Suicide Prevention
  • Research Award des Suicide Prevention Centers of New York

Privates

1970 heiratete sie den Neurowissenschaftler Michael Edward Stanley, mit dem sie zu Themen wie informierte Einwilligung und Borderline-Persönlichkeitsstörung zusammenarbeitete und publizierte. Er forschte am Department of Psychiatry der Columbia University zur Pharmakologie von Antipsychotika und war Experte für die Messung von Monoaminmetaboliten mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC). 1993 verstarb er im Schlaf an einem Herzinfarkt. Aus der Ehe stammten ihre Tochter Melissa Morris und ihr Sohn Thomas Stanley. Sie selbst verstarb an Eierstockkrebs.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
  • Mit Beth S. Brodsky: The Dialectical Behavior Therapy Primer: How DBT Can Inform Clinical Practice. Wiley, New York City 2013, ISBN 978-1-119-96893-1.
  • Geriatric Psychiatry: Clinical, Ethical, and Legal Issues. American Psychiatric publishing Company, Washington, D.C. 1985, ISBN 978-0-88048-078-9.
Herausgeberschaften
  • Mit Antonia New: Borderline Personality Disorder. Oxford University Press, Oxford 2017, ISBN 978-0-19-999751-0.
  • Mit Joan Sieber: Social Research on Children and Adolescents: Ethical Issues, Sage Publications, New York 1991, ISBN 978-0-8039-4334-6.
  • Mit Sangeeta Panicker: Handbook of Research Ethics in Psychological Science. American Psychological Association, Washington, D.C. 2021, ISBN 978-1-4338-3636-7.
  • Mit Joan E. Sieber; Gary B. Nelton: Research Ethics: A Psychological Approach. University of Nebraska Press, Lincoln 1996, ISBN 978-0-8032-4188-6.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge

Einzelnachweise

  1. J. John Mann: IN MEMORIAM Barbara H. Stanley Ph.D. auf Neuropharmacology, abgerufen am 3. November 2025.
  2. Remembering Dr. Barbara Stanley, auf International Academy of Suicide Research, abgerufen am 3. November 2025.
  3. Department Of M.I.N.D. Clinic for Mood and Personality Disorders auf Columbia University, abgerufen am 4. November 2025.
  4. Stanley-Brown Safety Planning Intervention