Bankplatz 6 (Braunschweig)
Das Gebäude Bankplatz 6 im historischen Weichbild Altstadt von Braunschweig wurde 1853 nach einem Entwurf des Berliner Architekten Friedrich Louis Simon im Stil der norditalienischen Frührenaissance errichtet.[1] Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.
Geschichte
Bevor das Gebäude am Bankplatz 6 im Jahre 1853 errichtet werden konnte, musste zunächst die ursprüngliche, zum Teil Jahrhunderte alte Fachwerkbebauung vor Ort großflächig beseitigt werden, wodurch erst der ab 1858 auch so bezeichnete „Bankplatz“ entstand.[2] Seinen Namen erhielt der nach Süden leicht abfallende Platz, durch das neue Bankgebäude, das die Bauherrin, die Braunschweigische Bank dort errichten ließ.
Das Gebäude liegt auf einem trapezförmigen, leicht nach Süden abfallenden Grundstück und wird von zwei Straßen und einem Platz begrenzt: Nach Süden von der Südstraße, nach Norden von der Steinstraße und nach Osten vom Bankplatz.
Gebäudebeschreibung
Architekt Friedrich Louis Simon war ein Schüler des vor allem in Berlin tätigen und für dem Klassizismus und Historismus in Deutschland prägenden Architekten und Stadtplaners Karl Friedrich Schinkel.[1]
Simons Fassadenausführung weist laut Architekturhistoriker Elmar Arnhold deutliche Übereinstimmungen mit einem – nie umgesetzten – Entwurf seines Lehrers Schinkel für das Berliner Rathaus aus dem Jahre 1817 auf.[3]
Die oberen zwei Etagen des dreigeschossigen, kubisch und durch scharfe Kanten begrenzten Gebäudes wurden aus beige-rötlichen Mauerziegeln errichtet, das deutlich über Straßenniveau liegende Erdgeschoss bis hinab zum Fundament hingegen aus Werkstein. Das Bauwerk ist nach Westen U-förmig mit Innenhof gestaltet. In seiner Ost- und Westecke befinden sich Mittelrisalite. Die Fenstergestaltung unterscheidet sich je Etage und variiert in jeder Etage. Architektonisch folgt sie der Berliner Rundbogenarchitektur der Schinkelschule, der Simon angehörte.
Der mit einem Altan[4] versehene Haupteingang ist durch eine von zwei Seiten begehbare Steintreppe über einen zweigeschossigen Loggia-Vorbau an der schmalen, abgeschrägten Südostecke des Gebäudes erreichbar.[1] Über dem obersten Geschoss wird das Gebäude von einem Kranzgesims eingefasst. Darüber befindet sich ein flachgeneigtes Pultdach.[1]
Die Nordostecke des Bauwerks zur Steinstraße hin, besteht in seinem Kern aus dem Rest eines erheblich größeren mittelalterlichen Patrizier-Wohnhauses, dessen aus dem 13. Jahrhundert stammender Balkenkeller in Teilen erhalten ist und heute zu einem Gewölbekeller aus dem 16. Jahrhundert gehört. Der wahrscheinlich aus Stein errichtete große Vorgängerbau wurde, bis auf den erhaltenen Rest beim Bau des Gebäudes 1853 abgerissen. Von 1574 bis 1651 wohnte in dem Haus die über Braunschweig hinaus bedeutsame Familie von Vechelde.[5]
Das Gebäude Bankplatz 6 wurde im Laufe der Zeit mehrfach im Inneren umgebaut und durch einen Anbau auf der Südseite (Südstraße) im Jahre 1900 ergänzt. Umbaumaßnahmen fand in größerem Stil 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges statt.
Das Bauwerk hat zwei Eingänge, einen an der Ecke Südstraße/Bankplatz und einen auf der Nordseite zur Steinstraße. Die Seitenflügel an den Gebäudeenden sind unterschiedlich hoch. Der Süd-Flügel ist zweigeschossig, wohingegen der auf der Nordseite drei Geschosse hat.
Durch die wenig strukturierte Massigkeit des Baukörpers im Vergleich zur Umgebung, bzw. zur Vorbebauung, setzte das Gebäude neue architektonische Maßstäbe für seine Umgebung.[6]
Nutzungsgeschichte
Nach Abschluss der Bauarbeiten bezog die Braunschweigische Bank das Gebäude und nutzte es als ihren Hauptsitz.
Aufgrund akuten Platzmangels in den Gebäuden des Landgerichts Braunschweig, Münzstraße 17 und Domplatz 1, sah sich das Oberlandesgericht Braunschweig (OLG) zu Beginn der 1970er Jahre gezwungen, neuen, eigenen Büroraum entweder bauen zu lassen oder zu kaufen. Nach zähen Verhandlungen mit der Stadt, gelang es schließlich am 29. April 1974 den Gebäudekomplex Bankplatz 6/Steinstraße 1 für zwei Millionen DM von der Norddeutschen Landesbank (NordLB), der Rechtsnachfolgerin der Braunschweigischen Bank, zu erwerben. Nach umfangreichen Umbau- und Renovierungsarbeiten, konnte das OLG Braunschweig die Räume am 15. Oktober 1974 beziehen.[7] 2022 zog das OLG in andere Räumlichkeiten im Gebäude der ehemaligen Bezirksregierung Braunschweig am Ruhfäutchenplatz, seither stand das Haus am Bankplatz leer.
Im Juni 2024 verkaufte die Eigentümerin, das Land Niedersachsen, die 1175 m² große Immobilie für 2,5 Millionen Euro an ein in Braunschweig ansässiges Immobilienunternehmen.[8] Zuvor hatte ein Gutachter den Verkaufswert auf 1,8 Mio. € taxiert.[9]
- Impressionen
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Balkenkellerrest
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Deckenverzierung
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Parkett
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Wandnische
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Ornament am Eingang
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Putto im Eingangsbereich
Literatur
- Bund Deutscher Architekten (Bezirksgruppe Braunschweig): Braunschweig. Architektur 19.–20. Jahrhundert. Eigenverlag BDA, Braunschweig 1985, ISBN 3-9801122-0-9, Nr. 6.
- Wolfgang Kimpflinger: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. Band 1.1.: Stadt Braunschweig, Teil 1, Hameln 1993, ISBN 3-87585-252-4, S. 90.
- Heinrich Meier: Die Straßennamen der Stadt Braunschweig. In: Quellen und Forschungen zur Braunschweigischen Geschichte. Band 1, Wolfenbüttel 1904, S. 15–16.
- Ulrich H. Mey, Christian Streibel: Braunschweig Architekturführer. Höller und Zwick, Braunschweig 1986, ISBN 3-89057-006-2, Spalte 111.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Mey, Streibel: Braunschweig Architekturführer. Spalte 111.
- ↑ Heinrich Meier: Die Straßennamen der Stadt Braunschweig. S. 15.
- ↑ Vortrag und Führung durch das Gebäude am Tag des offenen Denkmals, 14. September 2025.
- ↑ BDA (Bezirksgruppe Braunschweig): Braunschweig. Architektur 19.–20. Jahrhundert. Nr. 6.
- ↑ Werner Spieß: Die Ratsherren der Hansestadt Braunschweig. 1231–1671. Mit einer verfassungsgeschichtlichen Einleitung. 2., durch eine Ratslinie vermehrte Auflage (= Braunschweiger Werkstücke. Band 42), Waisenhaus-Buchdruckerei und Verlag, Braunschweig 1970.
- ↑ Wolfgang Kimpflinger: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. Band 1.1.: Stadt Braunschweig, Teil 1, S. 90.
- ↑ Edgar Isermann, Michael Schlüter (Hrsg.): Justiz und Anwaltschaft in Braunschweig 1879–2004. 125 Jahre Oberlandesgericht und Rechtsanwaltskammer Braunschweig. Braunschweig 2004, ISBN 3-926701-62-5, S. 33–34.
- ↑ Beschlussempfehlung des Ausschusses für Haushalt und Finanzen des Niedersächsischen Landtages vom 5. Juni 2024.
- ↑ Bettina Thoenes: Millionenprojekt am Bankplatz – Das sind die Pläne. In: Braunschweiger Zeitung vom 3. Juli 2024.
Koordinaten: 52° 15′ 40,1″ N, 10° 31′ 5″ O