Bank für Handel und Industrie (Graz)
| Bank für Handel und Industrie | |
|---|---|
| Staat | Österreich |
| Sitz | Graz |
| Rechtsform | AG |
| Geschäftsdaten | |
| Bilanzsumme | 2,5 Milliarden öS (1995)[1] |
Die Bank für Handel und Industrie (BHI) war eine Bank in Graz. Ihr Konkurs 1995 war von einem Skandal begleitet und führte 2003 zu einem OGH-Urteil, das die Amtshaftung für Fehler der Wirtschaftsprüfer bestätigte, da diese trotz ihrer privatrechtlichen Beauftragung hoheitliche Organe seien.[1][2]
Die BHI residierte ab 1971 im Neuen Thonethof in der Herrengasse.[3] Ihr Schwerpunkt lag im Private Banking. Ihre Krise baute sich auf, nachdem verhältnismäßig hohe Kredite, die die Vorstände einem Bekannten ermöglicht hatten, ausfielen. Die Vorstände verschleierten den Verlust laut der Presse durch dubiose Haftungen, Urkundenfälschung und kreative Buchführung.[1] Als diese Probleme ruchbar wurden, zeichnete sich ein Schaltersturm ab. Im Jänner 1995 setzte daher das Finanzministerium Romuald Bertl als Aufsicht ein und verhängte ein Zahlungsmoratorium. Zu diesem Zeitpunkt war das Unternehmen überschuldet, die Fortführung erschien aber möglich. Jedoch war keine andere Bank bereit, die BHI aufzufangen, da aufgrund der vorgefallenen Verschleierungen versteckte Risiken befürchtet wurden. Daher wurde im März 1995 der Konkurs eingeleitet.[1][4]
Die Einlagensicherung war zu dem Zeitpunkt auf 200'000 öS beschränkt. Wegen des Profils der Bank lagen überproportional viele Sparer über dieser Grenze. Das Finanzministerium war kulant und hielt Anleger mit Einlagen nicht größer als eine Million öS schadlos. Da Anleger über dieser Grenze nur bis zu den gesetzlichen 200'000 öS abgesichert waren, begaben sich einige von ihnen vor der Bank bis zu 22 Tage in einen ergebnislosen Hungerstreik.[1]
Da der OGH 2003 die Amtshaftung in diesem Fall bestätigte, konnten danach jedoch alle Investoren ihren verbliebenen Schaden von der Republik zurückfordern. Laut Presse führte dies unter anderem zu einer stärkeren Kontrolle der Wirtschaftsprüfer durch die Bankenaufsicht.[1][2]
Belege
- ↑ a b c d e f Kleine Bankenpleite, große Wirkung – DiePresse.com. In: diepresse.com. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
- ↑ a b Causa Commerzialbank: Grazer Anwalt leitet Verfahren gegen die Republik ein. In: kleinezeitung.at. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
- ↑ Das Gasthaus Zum Rabenschinder. Graz Museum, abgerufen am 25. Oktober 2025.
- ↑ GRUNDE UND FOLGEWIRKUNGEN DES KONKURSES DER BANK FÜR HANDEL UND INDUSTRIE AG (BHI). In: diglib.tugraz.at. Abgerufen am 25. Oktober 2025.