Bahnstrecke Tršnice–Luby u Chebu

Tršnice–Luby u Chebu
1913: Tirschnitz–Schönbach
Kursbuchstrecke (SŽ):146
Streckenlänge:20,807 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:C3
Maximale Neigung: 24,7 
Streckengeschwindigkeit:60 km/h
von Cheb (vorm. BEB)
von Františkovy Lázně (vorm. BEB)
0,000 Tršnice früher Tirschnitz 430 m
nach Chomutov (vorm. BEB)
2,154 Třebeň früher Trebendorf 450 m
Vonšovský potok
4,080 Nový Drahov früher Soos 440 m
vlečka LB Minerals
5,819 Vonšov früher Fonsau 450 m
7,357 Skalná früher Wildstein 455 m
Sázek
8,168 vlečka LB Minerals
Velký Luh
11,898 Velký Luh früher Fleissen-Grossloh 485 m
Plesná
16,380 Nový Kostel früher Neukirchen-Brenndorf 490 m
18,536 Dolní Luby früher Unter Schönbach 515 m
20,807 Luby u Chebu früher Schönbach 540 m

Quellen: [1][2][3]

Die Bahnstrecke Tršnice–Luby u Chebu ist eine regionale Eisenbahnverbindung in Tschechien, die ursprünglich als staatlich garantierte Lokalbahn Tirschnitz–Wildstein–Schönbach (tschech.: Místní dráha Tršnice–Vildštein–Schönbach) erbaut und betrieben wurde. Sie zweigt in Tršnice (Tirschnitz) von der Bahnstrecke Chomutov–Cheb ab und führt im Egerland über Skalná (Wildstein) nach Luby (Schönbach).

Nach einem Erlass der tschechischen Regierung ist die Strecke seit dem 20. Dezember 1995 als regionale Bahn („regionální dráha“) klassifiziert.[4]

Geschichte

Planung und Bau

Schon beim Bau der Bahnstrecke Komotau–Eger der Buschtěhrader Eisenbahn gab es erste Bemühungen zu einem Bahnbau Richtung Schönbach, die aber scheiterten. Ausschlaggebend für weitere Planungen waren Kaolinvorkommen entlang der Strecke sowie die Musikinstrumentenindustrie in Schönbach. Erst 1895 konnte die Zusage des Königreichs Böhmen für einen Bahnbau nach dem Lokalbahngesetz von 1880 erreicht werden. Eine bereits erteilte Baugenehmigung musste 1896 zurückgezogen werden, da man sich vor Ort nicht auf einen genauen Trassenverlauf einigen konnte, neben dem Ausgangspunkt Tirschnitz stand auch Franzensbad zur Debatte.[5]

Am 16. Oktober 1897 wurde „dem Heinrich Edlen von Mattoni, kaiserl. Rath- und Gutsbesitzer im Vereine mit dem Bezirksobmanne Johann Seidl in Wildstein, dem Bürgermeister Karl Habermann in Schönbach und dem k. und k. Kämmerer Engelhardt Grafen Wolkenstein-Trostburg die erbetene Concession zum Baue und Betriebe einer als normalspurige Localbahn auszuführenden Locomotiveisenbahn von der Station Tirschnitz der Linie Komotau–Eger der ausschließl. priv. Buschtěhrader Eisenbahn über Wildstein nach Schönbach“ erteilt. Teil der Konzession war die Verpflichtung, den Bau der Strecke sofort zu beginnen und binnen einem und einem halben Jahre fertigzustellen.[6] Das Aktienkapital der AG Lokalbahn Tirschnitz–Wildstein–Schönbach betrug 760.400 Kronen in 3221 Stammaktien zu je 200 Kronen und 581 Prioritätsaktien zu je 200 Kronen.[7] Der Eröffnungstermin konnte allerdings nicht eingehalten werden, da die Bauarbeiten erst im Herbst 1898 begannen. Die Frist wurde verlängert und die Bauarbeiten im Sommer 1900 abgeschlossen.[8]

Erste Betriebsjahrzehnte

Die Strecke wurde am 29. Juni 1900 eröffnet, der planmäßige Betrieb wurde einen Tag später aufgenommen. Den Betrieb führten die k.k. Staatsbahnen (kkStB) für Rechnung der Eigentümer. Zunächst verkehrten nur gemischte Züge, ab 1906 wurde dann Personen- und Güterverkehr getrennt durchgeführt.[9] Im Jahr 1912 wies der Fahrplan der Lokalbahn vier Personenzugpaare 2. und 3. Klasse aus. Sie benötigten für die 25 Kilometer lange Strecke in beiden Richtungen 65 Minuten.[10] Mehrfach kam es auch zu Bestrebungen, eine Bahn von Markneukirchen über Erlbach nach Schönbauch zu bauen, die ersten sogar noch vor dem Bau der Lokalbahn in den 1880er Jahren. Ernsthaft geplant wurde eine Verbindung zur 1909/11 eröffneten Bahnstrecke Siebenbrunn–Erlbach dann kurz vor dem Ersten Weltkrieg, aber aufgrund fehlender Finanzierung kam das Projekt nicht über erste Vorarbeiten hinaus. Weitere Bauversuche in den 1920er und 1930er Jahren scheiterten ebenfalls.[11]

Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Betriebsführung an die neu gegründeten Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) über, zudem wurde zeitweise der Personenverkehr auf zwei für Pendler ungünstig liegende Zugpaare reduziert.[12] Am 1. Januar 1925 wurde die Lokalbahn Tirschnitz–Wildstein–Schönbach per Gesetz verstaatlicht und die Strecke wurde ins Netz der ČSD integriert[13].

Ende der 1920er Jahre kam es zu einer signifikanten Verdichtung des Fahrplanes als auch zu einer deutlichen Fahrzeitverkürzung auf bis zu 45 Minuten. Ab 1928 kamen nun zumeist moderne Motorzüge zum Einsatz, ebenso wuchs der Güterverkehr vor allem durch den Versand von Kaolin. Investitionen in Strecke und Gebäude erfolgten daraufhin, so wurde u. a. stellenweise der Oberbau verstärkt.[14] Der Winterfahrplan von 1937/38 verzeichnete insgesamt neun Zugpaare in der Relation Cheb–Schönbach u Chebu.[15] Eine Verbindung ins sächsische Erlbach wurde mittlerweile durch eine Buslinie hergestellt.

Nach der Angliederung des Sudetengebietes an das Deutsche Reich im Herbst 1938 kam die Strecke zur Deutschen Reichsbahn, Reichsbahndirektion Regensburg. Im Reichskursbuch war die Verbindung nun als KBS 422f Eger–Tirschnitz–Schönbach enthalten.[16]

Nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, den die Strecke ohne Schäden überstand,[17] kam die Strecke wieder vollständig zu den ČSD.

Ende der 1980er Jahre wurde der Oberbau der Strecke umfangreich erneuert.[18]

Am 1. Januar 1993 ging die Strecke im Zuge der Auflösung der Tschechoslowakei an die neu gegründeten České dráhy (ČD) über. Seit 2003 gehört sie zum Netz des staatlichen Infrastrukturbetreibers Správa železniční dopravní cesty (SŽDC). Güterverkehr findet ab den 2010er Jahren kaum noch statt.

Streckenbeschreibung

Die im Jahr 1900 eröffnete schmalspurige Werkbahn Kateřina beginnt an der früher Soos genannten Station in der zu Skalná gehörigen Siedlung Hajek am Naturreservat Soos. Heute trägt die Station Soos den Namen des zu Třebeň (Trebendorf) gehörigen Nachbarorts Nový Drahov (Rohr). Die Gruben und Reste der 600-mm-Grubenbahn sind heute bei Nový Drahov und Vonšov, wo auch eine Umladestelle bestand, zu sehen.[19][20]

Fahrzeugeinsatz

Zur Streckeneröffnung waren zwei Loks der Reihe 97 vorhanden, auch die beschafften Wagen entsprachen den österreichischen Baugrundsätzen. Bereits 1906 wurde mit einer Lok der Reihe 178 einer dritte, wesentlich leistungsstärkere Dampflok angeschafft.[9]

Ab 1928 kamen auch Triebwagen zum Einsatz, bis nach dem Zweiten Weltkrieg waren es Turmtriebwagen der Baureihen M 120.4 und M 130.2, die durch die Baureihe M 131.1 abgelöst wurden. Ab 1963 fuhr auch die Baureihe M 240.0 auf der Strecke. Der Dampflokeinsatz, zuletzt durchgeführt mit den Baureihen 423.0, 433.0 und 524.2, wurde in den 1960er Jahren beendet. Die Baureihe M 152.0 war 1975 im Einsatz.[18]

Der Fahrplan 2007 verzeichnete zehn Reisezugpaare an Werktagen, an den Wochenenden waren es fünf.[21] Eingesetzt wurden die Triebwagen der Baureihe 810.

Im Fahrplan 2012 verkehrten neun Reisezugpaare an Werktagen, an den Wochenenden waren es fünf. Eingesetzt wurden Triebwagen der Baureihe 814.

Seit Herbst 2013 kommen planmäßig die Triebwagen der Baureihe 844 „Regioshark“ zum Einsatz. Teilweise fahren aber auch weiterhin Triebwagen der Baureihe 814.

Literatur

  • Andreas W. Petrak: Im Musikwinkel – Unterwegs zwischen Vogtland, Elstergebirge und Egergraben. edition bohemica, Goldkronach 2011, ISBN 3-940819-11-5.
Commons: Railway line 146 (Czech Republic) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Zdeněk Hudec u. a.: Atlas drah České republiky. 2006–2007. Hrsg.: Verlag Pavel Malkus. 2. Auflage. Pavel Malkus, Praha 2006, ISBN 80-87047-00-1 (tschechisch).
  2. Artarias Eisenbahnkarte von Österreich-Ungarn und den Balkanstaaten, mit Stationsverzeichnis; Artaria & Co., Wien 1913
  3. Daten auf atlasdrah.net
  4. Erlass der tschechischen Regierung vom 20. Dezember 1995 (Memento des Originals vom 1. April 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/kormoran.vlada.cz
  5. Andreas W. Petrak: Im Musikwinkel – Unterwegs zwischen Vogtland, Elstergebirge und Egergraben. edition bohemica, Goldkronach 2011, S. 147 ff.
  6. Reichsgesetzblatt für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder vom 27. Oktober 1897
  7. Lokalbahn TIRSCHNITZ-WILDSTEIN-SCHÖNBACH (Memento vom 14. Januar 2013 im Webarchiv archive.today)
  8. Andreas W. Petrak: Im Musikwinkel – Unterwegs zwischen Vogtland, Elstergebirge und Egergraben. edition bohemica, Goldkronach 2011, S. 148.
  9. a b Andreas W. Petrak: Im Musikwinkel – Unterwegs zwischen Vogtland, Elstergebirge und Egergraben. edition bohemica, Goldkronach 2011, S. 148 ff.
  10. Fahrplan 1912 der kkStB – gültig ab 1. Mai 1912
  11. Andreas W. Petrak: Im Musikwinkel – Unterwegs zwischen Vogtland, Elstergebirge und Egergraben. edition bohemica, Goldkronach 2011, S. 212 ff.
  12. Andreas W. Petrak: Im Musikwinkel – Unterwegs zwischen Vogtland, Elstergebirge und Egergraben. edition bohemica, Goldkronach 2011, S. 152.
  13. Gesetzestext auf www.parliament.cz
  14. Andreas W. Petrak: Im Musikwinkel – Unterwegs zwischen Vogtland, Elstergebirge und Egergraben. edition bohemica, Goldkronach 2011, S. 153 f.
  15. Winterfahrplan 1937/38 der ČSD – gültig ab 3. Oktober 1937
  16. Deutsches Kursbuch Jahresfahrplan 1944/45 – gültig vom 7. Juli 1944 an bis auf weiteres
  17. Andreas W. Petrak: Im Musikwinkel – Unterwegs zwischen Vogtland, Elstergebirge und Egergraben. edition bohemica, Goldkronach 2011, S. 156.
  18. a b Andreas W. Petrak: Im Musikwinkel – Unterwegs zwischen Vogtland, Elstergebirge und Egergraben. edition bohemica, Goldkronach 2011, S. 158.
  19. Kaolin LB Minerals, Werk Skalná (Memento vom 23. März 2013 im Internet Archive)
  20. Koordinaten der Gruben
  21. Fahrplan 2007 der ČD