Bahnstrecke Schipkau–Senftenberg

Schipkau–Senftenberg
Ehemaliges Bahnhofsgebäude
in Schipkau (bis 1937 Zschipkau)
Kursbuchstrecke:154h (1934)
178d (1944)
154h (? bis 1955)
177k (1955 bis 1966)
Streckenlänge:7,3 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
von Finsterwalde
Anst Hauptwerkstatt Schipkau /
Tagebau Klettwitz / Klettwitz-Nord
(bis 1947 Schipkauer Braunkohlenwerke)
0,0 Schipkau (bis 1967, bis 1937 Zschipkau)
Pößnitz
Bundesautobahn 13
Anst BRABAG / Viktoria (bis 1947)
Anst Grube-Ilse / Tagebau Meuro (bis 1966)
Lausitzer Grubenbahn (Tagebau Meuro /
BKW Franz Mehring / Marga I, II / Brieske I, II)
Meurostolln (bis 1999)
Streckenunterbrechung 1966
Lausitzer Grubenbahn (bis 1994)
4,4 Senftenberg West (bis 1966,
bis 1943 Senftenberg II)
Anst Eisenwerke
von Ruhland
von Kamenz (Sachs) (1874–1957)
7,3 Senftenberg
Lausitzer Grubenbahn (bis 1994)
Bundesstraße 169
nach Lübbenau (Spreewald) (bis 1988)
Sornoer Buden / Schwarze Pumpe (bis 1991)
nach Lübbenau (Spreewald) (seit 1988)
nach Cottbus

Die Bahnstrecke Schipkau–Senftenberg war eine Nebenbahn in der Niederlausitz.

Geschichte

Die Strecke wurde am 1. Oktober 1905 eröffnet. Sie gehörte den Preußischen Staatseisenbahnen, betrieben wurde sie jedoch durch die Zschipkau-Finsterwalder Eisenbahn-Gesellschaft (ZFE). Mit der Verbindung zwischen Zschipkau und Senftenberg und der bereits seit 1885 bestehenden Stammstrecke der ZFE von Finsterwalde nach Zschipkau war somit eine durchgehende Verbindung von Finsterwalde nach Senftenberg entstanden.

Am 1. Juli 1943 wurde die ZFE verstaatlicht und der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft unterstellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem starken Güterverkehrsaufkommen auf Grund der wachsenden Bergbauindustrie.

Den Personenverkehr der Nachkriegsjahre führte die Deutsche Reichsbahn durch. Dieser wurde am 22. Mai 1966 eingestellt.

Im selben Jahr wurde die Strecke am Bahnhof Senftenberg West (nahe Hörlitz) geteilt.

Der Abschnitt zum Bahnhof Senftenberg diente bis in die 1990er Jahre als Anschlussgleis der Brikettfabrik Meurostolln, sowie für die im Stadtgebiet Senftenberg ansässigen Eisenwerke.

Der andere Teil der Strecke in Richtung Schipkau, einschließlich des in Schipkau abzweigenden Anschlussgleises der früheren Schipkauer Braunkohlenwerke, wurden elektrifiziert und mit einer Oberleitung versehen. Dieser Streckenabschnitt wurde bis in die 1990er-Jahre von den Gruben- und Werksbahnen des VE-BKK Senftenberg und der späteren LAUBAG genutzt. Der Streckenschluss nach Finsterwalde wurde zwischen Schipkau und Annahütte seit den 1970er Jahren nicht mehr genutzt und stillgelegt, zerfiel zunehmend und wurde teilweise abgebaut. Ab den 1970er Jahren verkehrten die Züge zwischen Brieske, Hörlitz (1974–1990 Senftenberg-West) und Schipkau. Es handelte sich um Rangier- und Grubenzüge mit Diesel betriebenen V60- und elektrischen LEW-EL2-Lokomotiven. Es erfolgten Reparatur- und Logistik-Transporte zwischen den Brikettfabriken, Tagebauen und Werkstätten des BKW Franz Mehring und der Hauptwerkstatt Schipkau, sowie die Transporte des Abraums aus den Tagebauen Klettwitz, Klettwitz-Nord und Meuro.

Zu Beginn der 2000er Jahre wurden beide Streckenabschnitte abgebaut. In Senftenberg erfolgte eine Überbauung durch Wohnhäuser. Zwischen Hörlitz und unweit des heutigen Universitäts-Campus entlang des Schipkauer Bahnhof in Richtung Krügers Mühle, zur Hochkippe in der Pommelheide und nach Wilhelminensglück entstand auf dem alten Gleisdamm ein Radwanderweg, der sogenannten Lausitzer Bergbautour.

Zeitweilige Pläne einer Nachnutzung der Strecke und diese für den Personenverkehr wieder zu aktivieren wurden wegen dem hohen Bevölkerungsrückgang in der Nachwendezeit und zu hoher Kosten nicht weiter konkretisiert und auf Eis gelegt.

Deportationszug April 1945

Der letzte von drei Todestransporten aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen, der Verlorene Zug, hielt auf seiner Irrfahrt durch die Frontlinien am 19. und 20. April 1945 im Bahnhof Schipkau. Während des Aufenthaltes starben 51 Menschen infolge der Unterernährung und von Krankheiten. Die SS verscharrte die Leichen in drei Massengräbern unweit des Bahnhofs.

Unfäll September 1964

Am Morgen des 10. September 1964 gegen 5:15 Uhr ereignete sich an der Strecke ein schwerer Unfall. Am Bahnübergang nahe dem Abzweig zur Brikettfabrik Fortschritt (vor 1945 Viktoria), fuhr der voll besetzte Schichtbus der Linie Sallgast–Klettwitz–Schipkau–Ruhland–Bf.Fortschritt–Brieske gegen eine geschlossene Schranke und kollidierte mit einem Güterzug aus Richtung Senftenberg. Der Bus wurde dabei etwa 60 Meter mitgeschleift. Vier Insassen kamen dabei ums Leben und 19 weitere wurden bei diesem Unfall schwer verletzt.

Erdrutsch November 1949

Glück im Unglück hieß es am 7. November 1949 gegen 4:30 Uhr. Auf ungefähr 350 Metern der Bahnstrecke rutschten nahe der Tagebaukante unweit das Bahnhof Senftenberg West 20 Meter in die Tiefe.

Mit der Schließung das Tagebau Marga im Februar des Jahres 1949 kam es zu einem Anstieg des Grundwasserspiegels auf 3 Meter und damit verbundenen Erdrutschungen. Glücklicherweise verzeichnete diese Katastrophe keine Personenschäden. Die Deutsche Reichsbahn richtete zum 4. November 1949 einen Streckenüberwachungsposten ein. Welcher den letzten Personenzug des 6. November 1949 um 23:00 Uhr noch passieren ließ, den darauffolgenden Güterzug jedoch stoppte und die Einstellungen des Zugverkehrs meldete.

Nur wenige Stunden später rutschte das Erdreich. Infolge kam der Güterverkehr komplett zum erliegen. Der Personenverkehr wurde aufrecht erhalten, forderte allerdings eine pragmatische Lösung, welche für die Fahrgäste etwas beschwerlich war. Der Zug von und nach Finsterwalde verkehrte an einem Behelfsbahnsteig am Flurstück Hundertmark (heute ungefähr Umgehungsstraße, Ecke Kreuzstraße / Gartenstraße). Die Fahrgäste konnten den Bahnhof Senftenberg West, welcher im Südosten der Klettwitzer Straße lag nur zu Fuß erreichen. Am Bahnhof Senftenberg West verkehrte ein Pendelzug von und nach Senftenberg.

Die Deutsche Reichsbahn baute einige Meter nordöstlich, unmittelbar zur Siedlung Hörlitz (Senftenberg-West) ein neues Gleis. Bereits zum 4. Januar 1950 ging die Ersatzstrecke in den Betrieb, der Personen- und Güterverkehr rollte wieder nach Plan. Allerdings lag der neue Streckenverlauf sehr nah am Wohngebiet, sodass eine starke Lärmbelastung der dort lebenden Menschen daraus resultierende.[1] Mit der Einstellung des Personenverkehrs in den Jahren 1966 / 1967 und des darauf folgenden Ausbau im Streckenabschnitt von Hörlitz (Senftenberg West) zur Hauptwerkstatt Schipkau für den Bergbaubetrieb, wurde der selbige Streckenabschnitt nicht mehr genutzt und stillgelegt. Damit war das Gleis erneut unterbrochen und man hatte diesen Teilabschnitt bereits in den 1970er Jahren zurückgebaut. Lediglich die eingepflasterten Schienen vom ehemaligen Bahnübergang am früheren Haltepunkt in der Klettwitzer Straße erinnerten noch bis zum Ende der 1980er Jahre daran.

Einzelnachweise

  1. Heimatverein Hörlitz: Bahnstrecke Senftenberg – Zschipkau – Finsterwalde (PDF)