Bahnstrecke Neuss–Neersen

Neuss–Neersen
Bahnhof Kaarster See, 2008
Streckennummer (DB):2530
Kursbuchstrecke (DB):450.28
242a (Neuß – Viersen 1946)
Streckenlänge:15 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:C2
Maximale Neigung: 4,187 
Minimaler Radius:297,00 m
Streckengeschwindigkeit:80 km/h
Zugbeeinflussung:PZB
Zweigleisigkeit:
von Mönchengladbach
von Köln
−0,270
0,000
Neuss Hbf
nach Düsseldorf
nach Düsseldorf, nach Krefeld
0,842 Infrastrukturgrenze DB InfraGO / Regiobahn
2,100 Weissenberg
Neuss Johanna-Etienne-Krankenhaus (geplant)
3,200 (ehem. Trasse über Neußer Weyhe)
3,200 Nordkanal
3,400 Bundesautobahn 57
3,840 Holzbüttgen
4,400 Kaarst IKEA
5,360 Kaarst Mitte/Holzbüttgen (ehem. Kaarst Erftstr.)
6,090 Kaarst
6,200 Kaarster Bahnhof
7,100 Kaarster See
11,000 Nordkanal
11,680 Schiefbahn
von Krefeld
15,290 Neersen
nach Mönchengladbach
nach Viersen

Quellen: [1][2][3][4]

Die Bahnstrecke Neuss–Neersen ist eine teilweise stillgelegte Eisenbahnstrecke in Nordrhein-Westfalen. Sie führte ehemals von Neuss Hauptbahnhof über Kaarst nach Neersen, seit 1968 endet sie in Kaarst.

Das noch in Betrieb befindliche Teilstück ist heute eine eingleisige und nicht elektrifizierte Nebenbahn.

Geschichte

Bau der Strecke im 19. Jahrhundert

Ausgehend von ihrem Bahnhof Neuss an der Linksniederrheinischen Strecke baute die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft (RhE) eine eigene Strecke Richtung Viersen weitgehend parallel zu den Strecken Mönchengladbach–Düsseldorf und Duisburg-Ruhrort–Mönchengladbach der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft (BME), die diese von der Königlichen Direktion der Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn übernommen hatte.

Am 15. November 1877 wurde die Strecke von Neuss bis Neersen eröffnet, am gleichen Tag wie die Bahnstrecke Krefeld–Rheydt.

Der überwiegende Teil der Trasse führt entlang des Nordkanals.[5][6]

Wirtschaftliche Bedeutung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Wie auch bei anderen Projekten beabsichtigte die RhE, durch eine möglichst geradlinige Streckenführung und damit kürzere Fahrzeit den bereits etablierten Strecken Marktanteile abnehmen zu können. Da bei der Streckenführung über Kaarst nach Neersen die Stadt Mönchengladbach, der größte Ort der Region mit seinem verkehrstechnisch sehr bedeutenden Bahnhof Mönchengladbach BME (heute Mönchengladbach Hauptbahnhof), nicht angefahren wurde, blieb das Echo auf die neue Strecke insbesondere bei Reisenden verhalten.

Der Betrieb der Strecke war nicht wirtschaftlich; dies blieb auch so, als 1909 im Zuge der Verlegung der Bahnstrecke Krefeld–Rheydt die Verbindungskurve von Mönchengladbach-Neuwerk zum Hauptbahnhof eröffnet wurde. Der Personenverkehr ab Kaarst wurde am 29. September 1968 eingestellt, der Güterverkehr folgte zum Jahresende 1984.

Umbauten

Ursprünglich verlief die Strecke von Holzbüttgen auf gerader Trassierung weiter entlang der heutigen Straße Neusser Weyhe über den Stadtteil Weißenberg, wo sich an der Venloer Straße der Haltepunkt Weissenberg befand. Erst hinter der heutigen Römerstraße folgte eine Rechtskurve und die Strecke erreichte den Neusser Bahnhof von Norden her. 1901 wurde dieser Abschnitt durch den heutigen, weiter südlich gelegenen Verlauf entlang des Nordkanals und der Trasse der Bahnstrecke Mönchengladbach–Düsseldorf ersetzt, der von Süden in den Neusser Bahnhof führt.

Wiederinbetriebnahme des Streckenabschnitts Neuss–Kaarst

1998 übernahm die Regiobahn GmbH den Streckenabschnitt Neuss–Kaarst von der Deutschen Bahn.[7] Zwischen Neuss Hauptbahnhof und Kaarster See verkehrt heute die Linie S 28 der S-Bahn Rhein-Ruhr. Ab der Endhaltestelle ist die Bahnstrecke komplett stillgelegt und zum größten Teil demontiert. Auf einem Teil dieses Abschnitts wurde der Nordkanal-Radweg errichtet.

Bis zum 7. Januar 2003 verkehrte zwischen Kaarst und Viersen die Schnellbuslinie SB 86,[8] die etwa 40 Minuten für die Strecke benötigte. Heute verkehrt zwischen Kaarst und Viersen die Bahnbuslinie 094.[9] Sie bedient wie die alte Bahnstrecke die Relation Viersen – Neersen – Schiefbahn – Kaarster See.

Elektrifizierung und Ausbau

Die Elektrifizierung der in Betrieb befindlichen Streckenabschnitte ist bis zum Jahr 2026 geplant. Dann sollen auf der Strecke Elektrotriebzüge eingesetzt werden. Im August 2022 erteilte die Bezirksregierung den letzten dazu erforderlichen Planfeststellungsbeschluss. Erste Rodungsarbeiten fanden im Februar 2024 statt, um die Trasse für die Aufstellung der Oberleitungsmasten vorzubereiten.[10] Der erste Oberleitungsmast des Abschnitts Kaarster See–Neuss Hbf wurde am 26. Juli 2024 am Haltepunkt Kaarster See aufgestellt. Die Bauarbeiten sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein.[11]

Aufgrund einer geänderten Einstiegshöhe müssen die Gleise in den Bahnhöfen um 20 cm angehoben werden, die Einstiegshöhe beträgt zukünftig 76 cm anstelle von bisher 96 cm. Im Bereich der Straßenüberführung Konrad-Adenauer-Ring in Neuss muss hingegen eine Absenkung der Gleislage erfolgen, um die Durchführung der Oberleitung zu ermöglichen. Die Einspeisung des Fahrstroms soll über die bestehende Infrastruktur der Deutschen Bahn im Schaltposten Neuss erfolgen.

Zudem soll ein Teilabschnitt der Strecke zweigleisig ausgebaut werden. Es handelt sich dabei um den Abschnitt zwischen Streckenkilometer 2,4+20 (Bahnübergang Geulenstraße, Neuss) und Streckenkilometer 3,9+80 (Bahnhof IKEA Kaarst). Aktuell ist die Fertigstellung für März 2025[veraltet] geplant.[12][13] Hierzu wurde die 1813 gebaute und 1873 für den Bahnverkehr ertüchtigte Brücke über den Nordkanal im Sommer 2020 durch einen zweigleisigen Neubau ersetzt.[14] Außerdem muss der Bahnübergang der Straße An der Gümpgesbrücke in Kaarst umgebaut werden.

Die Kosten für die Elektrifizierung und den Ausbau der Strecke betrugen Stand 2018 ca. 12,4 Millionen Euro.

Zukunft

Streckenverlängerung und neuer Haltepunkt in Neuss

Es gibt Planungen zur Verlängerung der Linie S 28,[15] dazu soll die ehemalige Strecke bis Neersen reaktiviert werden. Darüber hinaus gibt es Pläne bzw. Überlegungen für zwei verschiedene Varianten: Fortsetzung bis Venlo über die stillgelegte Bahnstrecke Neersen–Viersen und die Bahnstrecke Viersen–Venlo[16][17][18] oder Verlängerung bis Mönchengladbach Hauptbahnhof über die stillgelegte Bahnstrecke Krefeld–Rheydt.

Des Weiteren wurde geprüft, ob ein Haltepunkt Neuss Nord oder Neuss Morgensternsheide oder Neuss Johanna-Etienne-Krankenhaus[19] zwischen Neuss Hauptbahnhof und IKEA Kaarst umsetzbar ist.[20][21]

Im Dezember 2016 teilten der Landrat und die Bürgermeister des Kreises Viersen mit, dass sie sich weiterhin für den Ausbau der Regiobahn-Linie S 28 einsetzen werden.[22][23] 2019 erarbeitete ein Dortmunder Planungsbüro eine Studie zu den verkehrlichen und volkswirtschaftlichen Vorteilen einer verlängerten Regiobahn S28.[24]

Im Februar 2020 wurde bekannt, dass auch die Stadt Mönchengladbach, die eine Verlängerung der Bahnstrecke bislang abgelehnt hatte, dieser nun „verhalten positiv“ gegenübersteht.[25] Im November 2020 wurde Felix Heinrichs (SPD) zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Zugleich stellten die Ampelparteien nach den Kommunalwahlen 2020 die Mehrheit im Mönchengladbacher Stadtrat.[26]

Mitte Februar 2021 vereinbarten der Landrat des Kreises Viersen sowie die (Ober-)Bürgermeister von Mönchengladbach, Viersen und Willich, dass sich der Kreis und die Kommunen „gegenseitig bei den jeweils verfolgten Projekten im Schienenpersonennahverkehr … unterstützen.“ Zu den Projekten zählt dabei auch der Wiederaufbau der Strecke von Kaarst über Schiefbahn nach Neersen und weiter nach Viersen.[27] Nach Zustimmung durch den Kreistag und die Stadträte wurde ein entsprechender Letter of Intent am 1. Juli 2021 unterzeichnet.[28]

2022 kaufte die Stadt Willich in Vorbereitung zur Streckenverlängerung ein 18.000 Quadratmeter großes Grundstück am früheren Bahnhof Schiefbahn, auf dem eine Park-and-Ride-Anlage entstehen soll. Mit einer Inbetriebnahme wird frühestens 2027 gerechnet.[29]

Das „Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan“ hat im April 2023 den 2. Gutachterentwurf zum „NRW-Zielnetz 2032“ veröffentlicht. Darin ist der Streckenabschnitt zwischen Viersen und dem Kaarster See enthalten. Die Erstellung des Betriebskonzepts sei abgeschlossen. Nach Durchführung einer Machbarkeitsstudie würden die Pläne konkretisiert.[30] Folgende Stationen sollen für die S 28 neu eingerichtet werden: Willich-Schiefbahn, Mönchengladbach Flughafen und Viersen-Hamm.[31]

Commons: Bahnstrecke Neuss–Neersen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Schienennetznutzungsbedingungen der Regiobahn GmbH – Besonderer Teil (SNB-BT). (PDF) 1. November 2024, abgerufen am 7. Januar 2025.
  2. Trassenfinder. DB InfraGO, abgerufen am 7. Januar 2025.
  3. Bundesbahndirektion Köln. Karte. Deutsche Bundesbahn, September 1964 (blocksignal.de [abgerufen am 16. November 2025]).
  4. Bundesbahndirektion Köln. Karte im Maßstab 1:400&nnbsp;000. Ausgabe B. Deutsche Bundesbahn, November 1984 (blocksignal.de [abgerufen am 16. November 2025]).
  5. Die ehemaligen Kursbuchstrecken im Kreis Viersen. Christian Kotschi, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 9. Oktober 2015; abgerufen am 15. Dezember 2015.
  6. Alexander Matheisen: Der Eisenbahnbau in Neuss und Umgebung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg und sein Einfluss auf die regionale Wirtschaft und die Stadtentwicklung. (yumpu.com [PDF; abgerufen am 3. September 2023] Facharbeit).
  7. Martin Krauss: Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur 1997/98. In: Bahn-Report. Band 2, 1999, S. 4–7.
  8. Nachrichten (IV-2002). In: niederrheinbus.de. Manuel Bosch, abgerufen am 5. April 2016.
  9. Linie 094. Verkehrsverbund Rhein-Sieg, abgerufen am 25. August 2024.
  10. Stephan Seeger: Rodungen an Regiobahn-Strecke haben begonnen. In: Rheinische Post. 2. Februar 2024, abgerufen am 26. Januar 2025.
  11. Bezirksregierung genehmigt Elektrifizierung der S28 zwischen Mettmann Stadtwald und Düsseldorf Gerresheim. (PDF) Regiobahn, 19. August 2022, abgerufen am 3. November 2022.
  12. Stephan Seeger: Stadt droht Verkehrschaos am Kaarster Bahnhof. In: Rheinische Post. 8. Januar 2025, abgerufen am 26. Januar 2025.
  13. Sachstand zum integrierten multimodalem Mobilitätskonzept Kaarst. (PDF) Stadt Kaarst, 1. Juni 2022, S. 9–9, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 8. September 2023; abgerufen am 8. September 2023.
  14. Regiobahn fährt wieder. In: News 89.4. Lokaler Rundfunk im Rhein-Kreis Neuss, 12. August 2020, abgerufen am 3. Oktober 2020.
  15. Christian Heidrich, Ludger Peters: Runder Tisch im Schloss zur Regio-Bahn. In: Rheinische Post. 5. Mai 2014, S. C1 (Grenzland-Kurier), abgerufen am 28. August 2018.
  16. Dieter Weber: S-Bahn soll durch Gärten fahren. In: Rheinische Post. 27. Mai 2009, abgerufen am 28. August 2018.
  17. Regiobahn Kaarst – Mettmann Verlängerung Kaarster See – Venlo. (PDF) Kreis Viersen, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 8. September 2023; abgerufen am 8. September 2023.
  18. INTERREG-A Projekte „Regiobahn“. Kreis Viersen, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 5. Dezember 2014; abgerufen am 8. September 2023.
  19. Ludger Baten: Regiobahn soll auch am Etienne halten. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung. 25. Mai 2013, abgerufen am 28. August 2018.
  20. Neuss: Schienenangebot. Stadt Neuss, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. Dezember 2014; abgerufen am 15. Dezember 2015.
  21. Stadtwerke glauben weiterhin an Haltepunkt Morgensternsheide. Stadt Neuss, 21. Oktober 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Februar 2025; abgerufen am 15. Juni 2019.
  22. Bürgermeister wollen den Ausbau der S 28. In: Rheinische Post. 14. Dezember 2016, abgerufen am 18. September 2017.
  23. Regiobahn muss kommen. Kreis Viersen, 13. Dezember 2016, abgerufen am 18. September 2017 (Pressemitteilung).
  24. Studie zur S28. Stadt Viersen, ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 12. Dezember 2020.@1@2Vorlage:Toter Link/www.viersen.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
  25. Martin Röse: Stadt überdenkt Haltung zur S 28-Verlängerung. In: Westdeutsche Zeitung. 20. Februar 2020, abgerufen am 20. Februar 2020.
  26. Martin Röse: Neue Chance für die S28? In: Rheinische Post. 27. November 2020, abgerufen am 8. September 2023.
  27. Verwaltungschefs wollen sich gegenseitig unterstützen. In: Rheinische Post. 17. Februar 2021, abgerufen am 8. September 2023.
  28. Andreas Gruhn, Marc Schütz: S28 auf dem Weg zur Verlängerung. In: Rheinische Post. 1. Juli 2021, abgerufen am 8. September 2023.
  29. Planungen für S28-Verlängerung. In: News 89.4. Lokaler Rundfunk im Rhein-Kreis Neuss, 17. Juni 2022, abgerufen am 19. Juni 2022.
  30. Nordrhein-Westfalen NRW-Takt 2032. (PDF) Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan NRW, 17. April 2023, abgerufen am 7. Juli 2024.
  31. Markus Jilg: SPNV-Zielnetz 2040. (PDF) Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, 17. Januar 2023, abgerufen am 7. Juli 2024.