Bahnstrecke Meuselwitz–Regis-Breitingen

Meuselwitz–Regis-Breitingen[1]
Kursbuchstrecke (DB):
Streckenlänge:14,08 km
Spurweite:900 mm (Schmalspur)
Streckengeschwindigkeit:25–30 km/h
Zugbeeinflussung:
zum Tagebau Zipsendorf
zum Kraftwerk Mumsdorf
von Meuselwitz (Regelspur)
0,00 Meuselwitz (KB) 183 m
0,42 Meuselwitz Kohlebahn
0,85 Tunnel unter Bundesstraße 180 (40 m)
0,96 Meuselwitz Breitscheidstraße 177 m
nach Markkleeberg-Gaschwitz (Regelspur)
1,72 Schnauder 174 m
2,44 Flutbrücke (41 m)
2,62 Schnauder
3,30 Schnaudertal 170 m
5,70 Wintersdorf 187 m
6,00 Grubenanschlussbahn Brikettfabrik Rositz
und Tagebau Zechau
geplante Strecke
Kammerforst geplant
9,60 Grubenanschlussbahn Tagebau Haselbach 170 m
11,70 zur Brikettfabrik Haselbach
12,78 Haselbach 158 m
13,59 Landesgrenze Thüringen/Sachsen
14,08 Regis-Breitingen (KB) 160 m
zur Grube Ramsdorf und ab 1949 zum Tagebau Schleenhain
sowie Großschwelerei Deutzen
Anschluss Brikettfabrik Regis-Breitingen

Die Bahnstrecke Meuselwitz–Regis-Breitingen ist eine Schmalspurbahn in Thüringen und Sachsen, die ehemals als Kohlebahn und heute als Museumsbahn verkehrt. Ihre Spurweite beträgt 900 Millimeter. Im Volksmund wird sie Kammerforstbahn genannt, da sie den Wald Altenburger Kammerforst durchquert.

Geschichte

Der Norden des Altenburger Landes war jahrhundertelang vom Braunkohlebergbau geprägt. Schon 1929 gab es Verbindungsbahnen zwischen verschiedenen Förderstrecken nördlich von Meuselwitz im Bereich der Grube Leonhard.[2] Den Auslöser für den Bau der heutigen Museumsbahn gab die DEA Deutsche Erdöl AG, die für ihre verschiedenen Verarbeitungswerke Kohle entsprechender Qualität benötigte und sich für den Transport unabhängig von der Deutschen Reichsbahn machen wollte.[3] Nach Inbetriebnahme der Kohlebahn im Jahr 1936[3] konnte die gewonnene Braunkohle per Zug von den untereinander im Schienennetz verbundenen Tagebauen Waltersdorf und später Gröba zu den Brikettfabriken nach Regis-Breitingen, Haselbach, Rositz und Meuselwitz elektrisch befördert werden. Durch die Produktionssteigerungen während des 2. Weltkrieg war die Strecke nicht mehr aufnahmefähig, sodass zur Leistungssteigerung nur der zweigleisige Ausbau der Bahn durch den Kammerforst übrigblieb. Außerdem wurde die Höchstgeschwindigkeit der Strecke auf 35 km/h festgelegt.[4] Der Abschnitt durch das Schnaudertal blieb eingleisig.

Nach dem Krieg wurde die Kammerforstbahn zunächst eingleisig weiterbetrieben, nach 1951 sogar komplett demontiert.[5] Als der Tagebau Schleenhain 1953 die erste Kohle lieferte, war die Bahnlinie wieder aufgebaut und bis 1957 die Zweigleisigkeit und Elektrifizierung wieder hergestellt.[6] In den 1960er Jahren wurden die Grubenbahnen durch den vermehrten Abbau von Braunkohle immer wichtiger, es wurde auch die Verbindungsbahn Rositz-Wintersdorf zweigleisig ausgebaut zur Aufnahme von Lieferungen aus dem Tagebau Zechau. Außerdem wurde eine Verbindung zum Braunkohlengebiet Borna geschaffen. Alle Verbindungsbahnen wurden mit modernster Sicherungstechnik ausgestattet, es wurde vorrangig gezogen gefahren.

Nach der politischen Wende in der DDR verloren die Grubenbahnen schlagartig an Bedeutung. Viele Strecken wurden stillgelegt und zurückgebaut. Allerdings setzten sich Bürger für den Erhalt der Strecke ein und bewahrten sie durch einen Kauf vor dem Rückbau.[7] 1996 wurde der Verein Kohlebahnen gegründet. Nachdem die Strecke von Bewuchs gereinigt und die Oberleitung wegen wiederholtem Metalldiebstahls abgebaut worden war, nahm der Verein einen Museumsbetrieb auf der Strecke auf. Die Fahrten finden mehrmals im Monat statt; besonders an Feiertagen ist das Angebot hoch. Die Züge beginnen in Meuselwitz und fahren bis Regis-Breitingen, um schließlich nach Meuselwitz zurückzukehren. Die Fahrgastzahlen liegen bei rund 15.000[7] pro Jahr.

In der Hoffnung, die Strecke mehrmals täglich im Personennahverkehr mit einer Fahrzeit von 25 Minuten als Zubringer zur S-Bahn zu befahren, erwarb der Verein günstig die drei 1967 gebauten Elektrotriebwagen Be 4/4 21 bis 23 von der meterspurigen Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren, von denen der erste Mitte 2024 mit dem Tieflader überführt wurde.[7] Der Haltepunkt am Streckenende in Regis-Breitingen wurde ab 2023 zu einem Bahnhof aufgewertet. Dabei wurden ein Umfahrgleis sowie ein neuer barrierefreier Bahnsteig als möglicher Verknüpfungspunkt zur S-Bahn im zeitgleich im Umbau befindlichen Bahnhof Regis-Breitingen an der Bahnstrecke Leipzig–Hof errichtet. Die neuen Anlagen wurden am 31. Juli 2025 eingeweiht.[8]

Streckenbeschreibung

Die Strecke verbindet das thüringische Meuselwitz mit dem sächsischen Regis-Breitingen und durchquert dabei das Schnaudertal und den Kammerforst. Sie beginnt im heutigen Kulturbahnhof Meuselwitz, der ehemals ein Knotenpunkt mehrerer regelspuriger Nebenbahnen war. Bis hinter den Ortsausgang von Meuselwitz verläuft die Strecke auf dem Damm der 1993 stillgelegten Regelspurbahn Gaschwitz–Meuselwitz, bevor sie auf die Trasse der vormaligen Kohlebahn einschwenkt. Anschließend werden die Bahnhöfe Schnaudertal südlich von Schnauderhainichen und Wintersdorf passiert. Bevor die Strecke die Landesgrenze überquert, wird noch der Bahnhof Haselbach erreicht. Schließlich endet die frühere Kohlebahn im Bahnhof Regis-Breitingen an der Bahnstrecke Leipzig–Hof kurz hinter der sächsischen Grenze zu Thüringen.

Literatur

  • Jürgen Fleck: Nummer 301 lebt! Geschichte(n) an der Kohlenbahntrasse. Historisches über Tagebaue und Tiefbaugruben der Braunkohleindustrie an der Kammerforst- und Schnaudertalbahn. 2014, S. 41.
  • Die Kohlebahn (»Kammerforstbahn«) Meuselwitz–Haselbach–Regis-Breitingen. In: Lokrundschau. Nr. 238, 2008, ZDB-ID 2437320-5 (online [Memento vom 4. August 2008 im Internet Archive] [abgerufen am 29. Juni 2024]).
  • Frank Barteld Kohlebahnen im Meuselwitz-Rositzer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2013, ISBN 978-3-935961-15-8

Einzelnachweise

  1. Jens Herbach: Kohlebahn Meuselwitz – Regis-Breitingen. In: Sachsenschiene.de. Abgerufen am 24. September 2025.
  2. Frank Barteld Kohlebahnen im Meuselwitz-Rositzer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2013, ISBN 978-3-935961-15-8, S. 139
  3. a b Frank Barteld Kohlebahnen im Meuselwitz-Rositzer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2013, ISBN 978-3-935961-15-8, S. 140
  4. Frank Barteld Kohlebahnen im Meuselwitz-Rositzer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2013, ISBN 978-3-935961-15-8, S. 142
  5. Frank Barteld Kohlebahnen im Meuselwitz-Rositzer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2013, ISBN 978-3-935961-15-8, S. 148
  6. Frank Barteld Kohlebahnen im Meuselwitz-Rositzer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2013, ISBN 978-3-935961-15-8, S. 149
  7. a b c Claudia Carell: Wagen aus Schweiz ist da: Wird Meuselwitzer Kohlebahn zum S-Bahn-Zubringer? In: Leipziger Volkszeitung. Verlagsgesellschaft Madsack, 25. Juni 2024, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 25. Juni 2024; abgerufen am 29. Juni 2024.
  8. Verein Kohlebahnen e.V.: Neuigkeiten. Einweihung der neuen Endhaltestelle der Meuselwitzer Kohlebahn am 31.07.2025. 3. August 2025, abgerufen am 24. September 2025.